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FiFiN digital: Frauen wollen nach Corona durchstarten

Lübeck: Archiv - 15.06.2021, 11.48 Uhr: "Schleswig-Holstein braucht mehr Frauen in der Führung." Das sagte Dr. Sabine Sütterlin-Waack, Ministerin für Inneres, ländliche Räume, Integration und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein in einem Talk auf der Veranstaltung "FiFiN digital – gestärkt in die Zukunft". Sie sprach mit Friederike C. Kühn, Präses der IHK zu Lübeck und anderen Frauen darüber, warum es wichtig sei, Frauen gerade jetzt, auf ihrem Karriereweg oder dem Schritt in die Selbstständigkeit zu unterstützen.

Denn eins sei klar: Corona hat uns in eine neue Zeit geführt. Die Veränderungen treten seit Beginn der Krise deutlich hervor. Frauen an der Spitze hätten nicht einfach aufgegeben, sondern durchgehalten und anderen sowie ihren Mitarbeitern Mut gemacht. "Das können wir Frauen, wie viele Beispiele aus der Gastronomie belegen", sagte die Ministerin. "Ich kenne etliche toughe Frauen, die gesagt haben: ‚Es ist schwierig, aber wir kriegen Hilfe, wir bleiben dabei und geben nicht auf.‘ Leider haben viele andere aufgegeben, gerade im Einzelhandel in den Innenstädten. Nach der Überwindung der Krise sollten wir prüfen, ob es nicht doch wieder geht."

Daher gelte es jetzt, den Wandel chancengerecht zu gestalten und Initiativen zu starten, um Frauen in Führung zu bringen: Möglichkeiten schaffen für mehr Homeoffice durch den Breitbandausbau oder die Einrichtung von Betreuungsplätzen für Kinder.

Friederike C Kühn, die zu der Veranstaltung "Frauen in Führung im Norden" (FiFiN) eingeladen hatte, betonte, dass kein gesetzlicher Rahmen oder ein "Recht auf" erforderlich seien. "Vielmehr müssen wir uns die Flexibilität aus der Zeit der Pandemie erhalten", sagte sie. Frauen wären in der Krise einer stärkeren Belastung ausgesetzt gewesen als zuvor. "Aber die Krise schafft ein neues Bewusstsein für das Gegenüber, das fragt: ‚Wie hat das denn früher geklappt?‘" Aufgabe der Politik sei es, den Unternehmen mehr Flexibilität zu ermöglichen. Zudem forderte sie mehr Wertschätzung für Unternehmerinnen und Unternehmer, die täglich für das Wohl des eigenen Betriebs, ihrer Mitarbeiter, die Gesellschaft und den Wohlstand der Region arbeiten.

Dem stimmte Claudia Valder zu: "Als Unternehmerin trage ich Verantwortung und muss die Kraft aufbringen, die Krise zu überstehen. Wir haben auch soziale Verantwortung wahrgenommen. Mit Stolz kann ich sagen, dass wir niemanden in Kurzarbeit schicken mussten." Der erste Lockdown sei zwar hart gewesen, aber es habe staatliche Hilfen der IB.SH gegeben, die die Unternehmen unterstützten. "Trotz der hohen Belastung haben wir uns aber gefragt, was wir noch tun können für die Gesellschaft?" Dank einer guten Vernetzung habe die Systeme Natura GmbH gemeinsam mit einem anderen Unternehmen die Produktion auf Desinfektionsmittel umgestellt. Aktuell habe sie ein Riech-Kit für Menschen entwickelt, die durch eine Corona-Infektion ihren Geruchssinn verloren haben. "Damit geben wir den Menschen und der Gesellschaft etwas zurück." Jetzt sei es wichtig, das eigene Netzwerk dafür zu nutzen, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Positiv sei auf jeden Fall, dass Geschäftspartner Verständnis dafür entwickelt hätten, dass plötzlich ein Kind in eine Videokonferenz im Homeoffice hereinplatzt – vor der Krise wäre das noch undenkbar gewesen. Wichtig sei es, sich nicht von schlechten Nachrichten runterziehen zu lassen, betonte Carola Keller, obwohl ihr Unternehmen für die Luftfahrt arbeitet. "Im ersten Moment hatte es die ganze Branche hart getroffen.

Klar, dass wir wieder Flugzeuge hören wollten. Aber wir haben nicht aufgegeben, sondern als Unternehmer Optimismus eingebracht und uns mit anderen Unternehmen ausgetauscht und geschaut, was wir tun können. Dann haben wir beschlossen, als Gewinner aus der Krise hervorzugehen. Kurzfristig. Wir haben einen Spuckschutz für Fähren gebaut, die weiter gefahren sind. Das hat unser Team zusammengeschweißt. Sie haben sich mit großer Kreativität in die Umstellung von Prozessen eingebracht. Wir sind daher weiterhin guten Mutes", sagte sie in der von der Radio- und Fernsehjournalistin Andrea Wilke moderierten Runde.

Auch Erk Westermann-Lammers betonte, dass Corona die Arbeitswelt verändert habe. Eine Auswirkung sei der hohe Anteil im Homeoffice. "Das ist positiv, aber auch belastend, weil sich Berufs- und Privatleben vermischen. Es muss eine klare Trennung geben", sagte er. Auch nach der Krise werde das Homeoffice zum Alltag gehören. "Das müssen wir uns jetzt bewusst machen, denn eine Kombination aus Büro und Homeoffice ist zielführend. Sie ermöglicht es vor allem Frauen, Unternehmerin zu werden." Das sei von großer Bedeutung für Schleswig-Holstein, denn der demografische Wandel führe dazu, dass Unternehmensleiter verloren gehen. "Wir müssen die mittelständische Wirtschaft stärken und kompetente Frauen und Männer für Übernahmen finden. Nachfolgen ist das neue Gründen." Daher habe die IB.SH 2017 den Unternehmerinnenpreis ausgelobt, um vorbildliche Frauen in der Wirtschaft zu zeigen. Claudia Valder hat 2019 einen Preis von der IB.SH erhalten. Der Vorstandsvorsitzende rief dazu auf, jetzt gemeinsam die Ärmel hochzukrempeln, um Schleswig-Holsteins Wirtschaft voranzubringen und die Krise zu überwinden.

Wie das geht, erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Online-Forum "Ärmel hochkrempeln – Förderung nutzen". Die IB-SH-Förderlotsinnen Susann Dreßler und Katharina Preusse informierten darüber, wie Unternehmerinnen Beratungen und Zuschüsse nutzen können, um beispielswiese die Qualifizierung ihrer Belegschaft zu unterstützen oder die Digitalisierung voranzubringen. Auch dabei spielen das digitale und das persönliche Vernetzen eine große Rolle beim Lernen von anderen und der Aufnahme neuer Impulse. Im Forum "Mit Resilienz souverän durch die Krise führen" erläuterte Sibyl Backe-Proske das Konzept der Resilienz aus den drei Grundhaltungen Optimismus, Lösungsorientierung und Akzeptanz sowie den vier Handlungsfeldern Selbstfürsorge, Beziehungsgestaltung, Eigenverantwortung und Zukunftsorientierung. Die Trainerin gab Tipps für deren Anwendung im Führungsalltag. Ihr Vortrag war eine strukturierte Analyse der Erlebnisse der Teilnehmerinnen in der Pandemie. "Mitarbeiter, die beweglich und zukunftsoffen waren, sind am besten durch die Pandemie gekommen", fasste eine Teilnehmerin zusammen. Backe-Proske wies zudem darauf hin, dass es seit kurzem im Beratungsprogramm "Unternehmenswert Mensch" Förderungen für das Thema Resilienz gibt. Unter dem Motto: "Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler" stand das Forum von Nina Deutschmann von Deutschmann Kommunikation. Sie betonte, dass sämtliche von einem Unternehmen genutzten Social Media-Bausteine auf die Zielgruppe ausgerichtet sein müssen. "Menschen brauchen Emotionen, Einblicke und Inspiration", sagte sie.

Im Forum "Akquise in der Krise – Die richtige Kundenansprache im neuen Markt" erläuterte die Designerin Susanne Diemann verschiedene Wege der Auftragsgewinnung. Wichtig sei es, die Akquise-Strategie und ihre jeweiligen Zielgruppen klar festzulegen, weil nicht jedes Akquise-Tool für jedes Unternehmen und seine Kunden gleichermaßen passe. Diemann forderte die Teilnehmerinnen auf, sich genau zu überlegen, welches Produkt oder welche Leistung sie in ihrem "Angebots"-Schaufenster ausstellen wollen, und dabei zu klären, was der Mehrwert für die Kunden ist. "Bleibt im Kontakt mit Euren Bestandskunden, holt Euch direktes Feedback und fragt Eure Kunden, welche Themen es gerade bei ihnen gibt", empfahl sie. Der Rat der Expertin: "Wer seine Kunden in der Krise hegt und pflegt, hinterlässt ein Bild von seinem Angebot und bleibt fest im Kopf verankert, auch wenn man sich eine Weile nicht persönlich treffen kann."

Präses Kühn war mit "FiFiN digital" zufrieden. "Es ist wichtig, dass wir den Schwung aus Kreativität und Flexibilität aus der Coronakrise in die Phase des Wiederanfahrens der Wirtschaft erhalten und die Bedingungen für Frauen in Führung verbessern." Am 1. September 2021 geht es weiter mit dem dritten Kongress für Frauen in Führung in Norden. "Wir planen eine Präsenzveranstaltung, an die sich der Frauen-Netzwerktag des DIHK in Lübeck anschließt. Dann wollen wir Führungsfrauen aus ganz Deutschland zeigen, wie weit wir in Schleswig-Holstein sind." Weitere Informationen sowie die Aufzeichnung der Talkrunde gibt es im Internet unter www.ihk-sh.de/fifin-digital und www.ihk-sh.de

Dr. Sabine Sütterlin-Waack, Ministerin für Inneres, ländliche Räume, Integration und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein, mit IHK-Präses Friederike C. Kühn (rechts). Foto: IHK/Tietjen

Dr. Sabine Sütterlin-Waack, Ministerin für Inneres, ländliche Räume, Integration und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein, mit IHK-Präses Friederike C. Kühn (rechts). Foto: IHK/Tietjen


Text-Nummer: 145562   Autor: IHK Lübeck/Red.   vom 15.06.2021 um 11.48 Uhr

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