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Ist Fußball langweilig?

Lübeck: Archiv - 26.06.2021, 09.08 Uhr: Zur aktuellen Fußball-EM sind kaum Fahnen zu sehen, die Begeisterung hält sich noch in Grenzen. Pastorin i.R. Ellen Naß widmet sich in ihren Gedanken zum Wochenende der Frage, ob auch religiöse Menschen Fußballfans sein können.

Zur Zeit finden die Europameisterschaften im Fußball statt. In mehreren Ländern spielen die Mannschaften gegeneinander. Zwar sieht man nicht so viele Deutschlandflaggen auf unseren Straßen wie bei vergangenen Meisterschaften, zwar dürfen nur wenige Zuschauer*innen live dabei sein, trotzdem aber ist Fußball im Moment allgegenwärtig, wenn auch manchmal nur die Frage diskutiert wird, wie man die zusätzliche Ausbreitung von Corona durch die Spiele verhindern kann.

Ich muss gestehen, ich finde Fußball ausgesprochen langweilig. Es braucht mir auch niemand zu erklären, dass das nicht stimmt – ich habe es immer wieder versucht. Wenn Länderspiele waren, habe ich zugeschaut. Für mich liefen 23 Männer hinter einem Ball her, das Publikum regte sich auf, es passierte - nichts. Deshalb fing ich an, nebenher zu lesen und bekam das Tor dann nicht mit. Irgendwann habe ich aufgegeben, obwohl ich selbst die Abseitsfalle erklären könnte.

Andererseits kenne ich genügend Menschen, die für Fußball brennen. Wir haben eine HSV-Flagge und eine Dortmundflagge in unserer Nachbarschaft, früher eine von Bayern München. Ich habe mal für einen Mann eine Trauerfeier abgehalten, dessen Familie erzählte, dass er bis zuletzt über alle wichtigen Fußballspiele Buch führte.

Wie gesagt, ich finde Fußball langweilig. Mich interessieren andere Dinge, so wie viele andere Menschen sich für andere Dinge interessieren und engagieren. Menschen engagieren sich in anderen Sportarten, sie machen Musik, sie spielen Theater, sie züchten Kaninchen oder Wellensittiche, sie malen, machen Skulpturen, erforschen die Vergangenheit…. Es gibt eigentlich nichts, wofür sich jemand nicht interessieren könnte, wofür jemand brennt.

Es gibt Menschen, die genau so für die Kirchengemeinde, ihren Glauben leben. Sie investieren Zeit und Geld. Oft haben sie noch andere Interessen nebenbei. Fußball zum Beispiel interessiert, gerade wenn Meisterschaften sind, viele Menschen, die eigentlich ein anderes Hobby haben. Die Fußballeuropameisterschaften sind oft ein gemeinsames Thema, auch wenn eigentlich andere Interessen wichtiger sind.

Allerdings habe ich auch Menschen erlebt, die NUR das Engagement, den christlichen Glauben, als Lebenserfüllung gelten lassen, nicht hier in Lübeck, aber in den USA zum Beispiel. Alles im Leben, im Alltag, vom Aufwachen bis zum Einschlafen, sollte sich um den Glauben drehen. Alles andere hielten sie für nebensächlich, sollte man unterlassen.

Natürlich sollte das Leben als Christ*in im Glauben wurzeln. Aber Gott hat uns unterschiedliche Interessen und Gaben gegeben. Im Neuen Testament wird es mehrfach in einem Bild ausgedrückt. Die Kirche wird dort verglichen mit einem Körper. Viele unterschiedliche Gliedmaßen und Körperteile haben unterschiedliche Aufgaben, und die müssen sie erfüllen. Natürlich kann im Notfall ein Körperteil die Aufgaben eines anderen übernehmen – es gibt Menschen, die malen mit dem Fuß oder dem Mund wunderschöne Bilder. Aber eigentlich geht es uns am besten, wenn jeder Teil unseres Körpers tut, was seine Aufgabe ist, und nichts sonst.

Für mich war dieses Bild von uns als Leib, als Körper Christi auch immer eine Erinnerung, andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind, Verständnis dafür zu haben, wenn sie sich für völlig andere Dinge interessieren, als ich es tue – zum Beispiel für Fußball. Gott hätte uns diese Dinge nicht geschenkt, wenn Er gewollt hätte, dass wir sie ignorieren und gering achten. Wir sind eben nicht alle gleich, sondern jede/r ist unterschiedlich, und alle machen unser Leben reicher und bunter. So können wir, getragen von Gottes Liebe, den Interessen nachgehen, die Er uns geschenkt hat, sie zu Seinem Lob und zum Nutzen anderer Menschen einsetzen.

So können – fast – alle sich am Fußball freuen, als Gabe Gottes.

Pastorin i.R. Ellen Naß veröffentlicht die Gedanken zum Wochenende im Wechsel mit Heinz Rußmann.

Pastorin i.R. Ellen Naß veröffentlicht die Gedanken zum Wochenende im Wechsel mit Heinz Rußmann.


Text-Nummer: 145774   Autor: red.   vom 26.06.2021 um 09.08 Uhr

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