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AWO: Familien mehr in den Fokus zu nehmen

Schleswig-Holstein: Lockdown-Langzeitfolge: Erschöpfung. Familien, Kinder und Jugendliche zählen zu den Hauptleidtragenden der Corona-Pandemie. Nicht, weil sie gesundheitlich am stärksten bedroht waren, sondern weil ihnen durch Home-Schooling, Home-Office, Kurzarbeit und Perspektivlosigkeit über Monate eine stetige Stressbelastung zugemutet wurde. Jetzt sinken die Inzidenzen deutschlandweit deutlich und ein Zurück in die Normalität rückt für viele immer näher.

"Was viele Menschen mit Freude herbeisehnen, können einige aufgrund ihrer allgemeinen Erschöpfung gar nicht genießen. Familien waren in dieser Krise stark belastet aufgrund von Existenzängsten, Überbelastung und der gleichzeitigen Angst vor einer Erkrankung innerhalb der Familie. Das ist auch an den Kindern und Jugendlichen nicht spurlos vorbeigegangen. Wir brauchen Konzepte, die ihnen eine Auseinandersetzung und Verarbeitung mit dem Erlebten ermöglichen und ihnen wieder Hoffnung und Perspektive für die Zukunft geben. Wir müssen anerkennen, dass einige ihre Erfahrungen in der Corona-Pandemie noch verarbeiten müssen und hierfür einen Raum schaffen", sagt der Vorsitzende des Präsidiums der AWO Schleswig-Holstein, Wolfgang Baasch.

Ein Unterstützungsangebot für die gesamte Familie ist eine Mutter/ Vater-Kind-Kur. Die Auswirkungen der Krise sind auch für die Mutter-Vater-Kind-Kur-Kliniken unmittelbar spürbar. Rund 35 Prozent weniger Kurteilnehmer kamen 2020 für eine Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme in eine der bundesweit mehr als 70 vom Müttergenesungswerk anerkannten Kliniken. 2020 brachen die Belegungszahlungen in ganz Deutschland auf 57 Prozent ein. "Wir müssen dringend die richtigen Lehren aus dieser Krise ziehen und Familien wieder gestärkt in den Alltag zurücklassen. Um das langfristig zu ermöglichen, brauchen wir eine weitere Verlängerung des Rettungsschirms, damit die finanzielle Absicherung der Kur-Kliniken auch unter Corona-Auflagen und der damit einhergehenden geringeren Auslastung gewährleistet werden kann. Die Mutter/Vater-Kind-Kur-Kliniken müssen als wichtiges Versorgungsangebot erhalten bleiben. Besonders die benachteiligten Familiensysteme von alleinerziehenden Müttern und Vätern erhalten im Rahmen der Kur die Möglichkeit sich und ihre Gesundheit wieder zu stärken und die Stresserfahrungen aus der Pandemie gemeinsam zu verarbeiten", sagt der Vorstandsvorsitzende der AWO, Michael Selck.

Besonders an Nord- und Ostsee ist die Nachfrage nach einer Kur hoch. Durch Corona ist diese weiter angestiegen. Vermehrt fragen Frauen mit Long-Covid-Symptomen oder Pflegekräfte nach einem Platz. "Homeschooling, Homeoffice – alles ist zu einem Home-Everything geworden. Besonders Frauen haben eine deutliche Mehrfachbelastung und bedürfen medizinisch attestiert der Entlastung. Immer wieder rufen sie verzweifelt in den Mutter/Vater-Kind-Kliniken an und fragen nach Terminen. Viele haben im Jahr 2020 auf eine Kur verzichtet aus Sorge vor einer Ansteckung. Hier hat sich viel aufgestaut. Besonders Mütter sind oft am Limit, wenn sie in einer Kur-Klinik ankommen", bestätigt die Leiterin der AWO Mutter/Vater-Kind-Kliniken, Gabriele Bossmann. Aktuell liegt die Belegung bundesweit bei 70 bis 90 Prozent. Mit rückläufigen Inzidenzen versuchen die Kliniken, auch das Therapieangebot schrittweise wieder auszubauen. Die Hygieneregeln gelten weiter.

82 Prozent der Patientinnen leiden an Erschöpfungszuständen bis zum Burn-out, ergaben Erhebungen des Müttergenesungswerks. "In der allgemeinen Öffnungseuphorie dürfen Familien mit ihrer anhaltenden Belastung nicht alleine gelassen werden. Für die Gesundheit der Familien zu sorgen, kommt der gesamten Gesellschaft langfristig zugute", betont abschließend der Geschäftsführer der AWO Schleswig-Holstein gGmbH Dirk Behrens.

Wolfgang Baasch ist der Vorsitzende des Präsidiums der AWO Schleswig-Holstein.

Wolfgang Baasch ist der Vorsitzende des Präsidiums der AWO Schleswig-Holstein.


Text-Nummer: 145799   Autor: AWO SH   vom 28.06.2021 um 10.45 Uhr

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