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Gedanken zum Wochenende: Trost

Lübeck: Archiv - 10.07.2021, 09.02 Uhr: In ihren Gedanken zum Wochenende erinnert Pastorin i.R. Ellen Naß an das Gedicht "Trost" von Ina Seidel. Obwohl es in den Zeilen um die Vergänglichkeit geht, ist auch die Natur ein Hoffnungsträger.

Unsterblich duften die Linden -
Was bangst du nur?
Du wirst vergehn, und deiner Füße Spur
Wird bald kein Auge mehr im Staube finden.
Doch blau und leuchtend wird der Sommer stehn,
Und wird mit seinem süßen Atemwehn
Gelind die arme Menschenbrust entbinden.
Wo kommst du her? Wie lang bist du noch hier?
Was liegt an dir?
Unsterblich duften die Linden -

Dieses Gedicht von Ina Seidel habe ich als Jugendliche gelesen und seitdem nicht vergessen. Jedes Jahr, wenn, wie um diese Zeit, die Linden duften – und es gibt viele Linden in Lübeck – dann fällt es mir wieder ein.

Ich finde dieses Gedicht schön. Man sieht den blauen Himmel, spürt die Hitze auf der Haut, die Wärme und Schönheit des Sommers, in der ja viele Blumen und Pflanzen duften, nicht nur die Linden.

Außerdem hat mich an diesem Gedicht die Fragen fasziniert, die man ja gerade als Jugendliche hat. Wo komme ich her? Hat mein Leben einen Sinn? Wem bin ich wichtig? Was hat auf ewig Bestand in meinem Leben?, das sind Fragen, die viele sich in der Jugend stellen. Dann vergisst man sie oder verdrängt sie, andere Dinge, Berufswahl, Familie, Kinder, Krankheiten, werden wichtiger. Man denkt konkreter, möchte sich selbst erproben, erfinden, Interessen entwickeln.

Dabei fiel mir auf, dass dieses Gedicht, obwohl es mit dem Wort „Trost“ überschrieben ist, eigentlich wenig Trost bietet. Die Fragen finden keine Antwort, nur die Linden duften. Für mich jedenfalls ist es kein Trost, dass der Sommer bleiben wird, und ich werde vergehen. Abgesehen davon, dass genügend Baumarten bei uns immer wieder bedroht sind – ich denke da an Ulmen und Kastanien zum Beispiel – nach meinem Tod habe ich nichts mehr von dem Duft des Sommers.

Viele Menschen suchen Trost und Halt in der Natur und vergessen dabei, dass vieles dort zwar ewig scheint, aber letztendlich genauso vergänglich ist wie wir, vergessen, dass die Linden eben nicht unsterblich duften, sondern auch nur zeitlich begrenzt.

Trotzdem können wir dort Trost und Hilfe finden. Denn die Natur – alles was wir dort erleben und sehen, ist letztendlich Gottes Gabe an uns. Sie weist uns hin auf Gott, der sie geschaffen hat. Und in Ihm finden die Fragen eine Antwort: Auch wenn alles vergeht, Ihm bin ich wichtig, von Ihm komme ich her, zu Ihm gehe ich.

„Du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt erschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit“, so heißt es in Psalm 90. Die Natur ist nicht unser Trost und unsere Hilfe, sondern sie weist auf Gott hin, der uns und sie geschaffen hat.

Deshalb freue ich mich jedes Jahr am Duft der Linden, an den Schönheiten der Natur: nicht, weil sie mich trösten, sondern weil sie mich erinnern in Gott, der sie geschaffen hat, in dem ich bleiben werde und nicht vergehen, der meine Spuren im Gedächtnis behält und aufbewahrt. Gott liegt etwas an mir, das gibt mir Halt und Zuversicht.

Pastorin i.R. Ellen Naß widmet ihre Gedanken zum Wochenende einem Gedicht von Ina Seidel.

Pastorin i.R. Ellen Naß widmet ihre Gedanken zum Wochenende einem Gedicht von Ina Seidel.


Text-Nummer: 146023   Autor: red.   vom 10.07.2021 um 09.02 Uhr

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