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Grüne: Bruno Hönel
Grüne: Bruno Hönel

Gedanken über das achte Gebot

Lübeck: Archiv - 07.08.2021, 09.02 Uhr: Pastorin i.R. Ellen Naß widmet ihre Gedanken zum Wochenende dem achten Gebot: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Das sei im Zeitalter des Internets mit seiner Verbreitung von Falschmeldungen besonders bedeutsam.

In einem Vorlesebuch Religion fand ich vor vielen Jahrzehnten die Erzählung von Künzelmann und seinem bösen Nachbarn. Der Nachbar hatte Lügen über Künzelmann verbreitet, und als Künzelmann ihn deswegen zur Rede stellte, entschuldigte er sich. Er wollte es wieder gut machen, und so ließ Künzelmann ihn ein Kopfkissen voller Federn aufschneiden und draußen zufällig ausstreuen. Danach sollte er sie wieder einsammeln.

Das ging natürlich nicht mehr. „So ist das auch mit Gerüchten“, erklärte ihm Künzelmann daraufhin, „man kann sie ausstreuen, aber nicht wieder einsammeln.“

Diese Erzählung ist lange vor der Erfindung des Internets geschrieben worden. Heute ist sie aktueller als je zuvor. Ich bin immer wieder erstaunt, welche tollen Geschichten erzählt werden. Geschichten über mich kommen manchmal ja wieder bei mir an, und ich finde es teilweise wirklich unglaublich, was andere sich da haben einfallen lassen.

Wesentlich schlimmer ist es im Internet. Dort werden Menschen regelrecht zerstört, Geschichten frei erfunden und tausendfach geteilt. Gerade in Coronazeiten hatte das Hochkonjunktur, ehrenamtliche und hauptamtliche Politiker werden verfolgt. Manche geben einfach auf, engagieren sich deshalb nicht mehr. Gesichter von Frauen werden auf nackte Frauenkörper montiert, dass es so aussieht, als wären sie das selbst.

„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“, so lautet das 8. Gebot, das Gott vor langen Zeiten den Menschen gegeben hat. Dass er es uns geben musste, zeigt, dass wir immer schon dazu neigten, Unwahrheiten und Lügen zu reden.

Martin Luther hat in seinem kleinen Katechismus das 8. Gebot so erklärt: „Wir sollen Gott fürchten (das heißt: Ehrfurcht vor ihm haben) und lieben, dass wir unseren Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum besten kehren.“

Erst einmal ist wichtig, dass wir uns anderen gegenüber gut verhalten sollen, weil Gott sich gut zu uns verhält. Nicht, was der/ die andere getan hat, ist entscheidend, sondern was Gott getan hat. Das ist deshalb wichtig, weil man oft denkt: „So, wie der/ die sich verhält, da haben sie es nicht besser verdient.“ Martin Luther sagt in seiner Erklärung, dass nicht das Verhalten anderer der Maßstab sein sollte, sondern Gottes Verhalten uns gegenüber, unsere Liebe und Ehrfurcht zu Gott.

Deshalb sollten wir niemanden verleumden, schlecht machen, belügen, nicht im kleinen Umfeld, im Freundes- und Bekanntenkreis, und auch nicht im Internet. Und nicht nur das, wir sollen es auch nicht weitergeben, nicht teilen mit anderen Menschen. Wer Lügen und Fakenews im Leben oder virtuell teilt, der/ die macht sich in Gottes Augen genauso schuldig wie diejenigen, die sie erfunden haben. Wir stehen in der Verantwortung, sollten an die ausgestreuten Federn denken, die man auch nicht wieder einsammeln kann. Jede Nachricht, die man teilt, sollte man vorher genau auf den Wahrheitsgehalt prüfen.

Der Wahrheit und der Hilfe kann es auch dienen, wenn man den/ die Verleumdeten informiert, was über ihn/ sie – und wenn möglich, auch von wem – über ihn/ sie erzählt wird. Künzelmann hat davon erfahren, so konnte er sich zur Wehr setzen. Das Geschwür konnte nicht mehr im verborgenen weiter wachsen, es war nun in der Öffentlichkeit.

Wir sollen Menschen entschuldigen, Gutes von ihnen reden, alles zum Besten kehren – und prüfen, bevor wir etwas weitererzählen, ob es denn stimmt. Eigentlich ist es ganz einfach mit dem 8. Gebot , und doch ist es schwer zu halten, scheitern wir immer wieder daran. Gott hat uns dieses Gebot gegeben, weil es notwendig war – und immer noch ist. Wenn wir uns alle daran halten würden, dann wäre unsere Welt eine sehr viel bessere Welt. Deshalb ist es wichtig, dass wir damit anfangen, jeden Tag neu.

Pastorin i.R. Ellen Naß erinnert an die Bedeutung des achten Gebotes.

Pastorin i.R. Ellen Naß erinnert an die Bedeutung des achten Gebotes.


Text-Nummer: 146517   Autor: red.   vom 07.08.2021 um 09.02 Uhr

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