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Grüne: Bruno Hönel
Grüne: Bruno Hönel

Fußgänger-Stau an der Priwallfähre

Lübeck - Travemünde: Archiv - 08.08.2021, 18.57 Uhr: Bei auswärtigen Gästen zeigt man als Lübecker natürlich gern die Schönheiten von Travemünde. Die sind natürlich bei weitgereisten Gästen bereits bekannt, aber das neueste Highlight kennen viele noch nicht. Es ist der "maritime Rundlauf" um die Trave-Mündung. Was man nicht ahnt, der Trip beginnt für viele mit geduldigem Warten und einem Intelligenztest. Ein Erfahrungsbericht von Harald Denckmann.

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Als Familie mit leicht quengeligen Kindern beginnt die Fahrt an der Autofähre bei der Vogtei. Schon von weitem ist eine lange Schlange erkennbar, die in einem überdachten Bereich endet. Es sind Touristen, viele ortsunkundig, die zum Priwall übersetzen wollen und auf zahlreichen Schildern gelesen haben, dass zunächst ein Fahrschein für eine einmalige Fahrt zu lösen ist und zwar am Automaten oder im ServiceCenter. Wegen der langen Schlange sucht man das ServiceCenter, das am Sonntag allerdings geschlossen hat. Man fragt das Personal nach der langen Schlange, erhält einen leicht resignierten Blick und erfährt, dass der zweite Automat schon etwas länger kaputt ist und deshalb keine Fahrscheine ausstellen kann.

Auf der Fähre scheint man das zu wissen, denn unüblicher Weise werden vor Betreten der Autofähre die Fußgänger Fahrscheine tatsächlich kontrolliert. Die Leute, die aus Frust an Bord bezahlen wollen, was nicht möglich ist, werden auf diese Weise erfolgreich von der Seefahrt ferngehalten.

Also wieder in die Schlange und geduldig warten. Da wursteln sich natürlich etliche Sonderfälle durch die Benutzerführung. Radfahrer, die für ihre Zweiräder mitlösen wollen, Familien, die den Knopf für die Familienkarte suchen, oder Senioren, die wissen wollen wo die Bonustaste ist. Wenn man auf die Stoppuhr sieht, dauert ein erfolgreicher Besuch am Automaten durchschnittlich etwa drei Minuten. Man möge ausrechnen, was das bei zwanzig Kunden ausmacht.

Endlich ist man an der Reihe. Vier Erwachsene werden eingegeben und mit einer gängigen EC-Karte bezahlt. Eine Eieruhr orgelt und orgelt und orgelt, bis sie so etwas wie "Game Over" ausspuckt. Sie mag die EC-Karte nicht. Ungeduldiges Raunen bei den immer noch Wartenden. Ein Zehner wird gefunden und in den Schlitz für Papiergeld geschoben. Das mag der Automat und vier Erwachsenenkarten fallen in den Ausgabeschacht, zusammen mit 4 Euro Wechselgeld. Damit werden die Kinderkarten bezahlt und nach etwa 40 Minuten hat man die Passierscheine in den Händen.

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Am kaputten Automaten erfährt man noch durch einen Aufkleber, dass man auch die App FährTic hätte herunterladen können. Dann wäre man digital am Start gewesen, natürlich nur, wenn man seine ganzen persönlichen Daten samt Kontoverbindung eingegeben hätte. Das hätte bei etwas wackeliger Datenverbindung sicher auch mindestens eine halbe Stunde gedauert, aber man hätte wenigstens das gute Gefühl gehabt, das Problem zeitgemäß gelöst zu haben.

Nach Durchqueren der Beach Bay kam dann die Erlösung an der Nordermole. Es war Sonntag, und die Ticketautomaten dort waren abgeschaltet. Man durfte einfach so an Bord. Die lange Warteschlange wurde vollständig abgearbeitet und die Fähre, die so lange in der Werft zubringen musste, zog störungsfrei ihre Kreise. Die Wolken rissen auf, die Sonne schien und der Ärger mit den Ticket-Automaten verschwand langsam im Nebel der Erinnerungen.

Ein komplizierter Automat für viele Kunden: Das Erreichen des Priwall ist auch für Fußgänger schwierig. Fotos: Harald Denckmann

Ein komplizierter Automat für viele Kunden: Das Erreichen des Priwall ist auch für Fußgänger schwierig. Fotos: Harald Denckmann


Text-Nummer: 146539   Autor: Harald Denckmann   vom 08.08.2021 um 18.57 Uhr

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