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Grüne: Bruno Hönel
Grüne: Bruno Hönel

Kaputte Wege: ADFC hält Masterplan für ungenügend

Lübeck: Archiv - 13.08.2021, 10.16 Uhr: Am 11. August hat die Hansestadt Lübeck den Entwurf eines Masterplans Geh- und Radwegsanierung veröffentlicht (wir berichteten). Der Plan bezieht sich auf einen Auftrag der Bürgerschaft vom 20. Juni 2019. Vom 16. August bis zum 26. August soll über den Masterplan in den städtischen Gremien beraten und entschieden werden. Zu dem Vorhaben hat jetzt auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) e.V., Kreisverband Lübeck, Stellung genommen.

Der ADFC:

(")Die Oberfläche von Lübecker Radwegen wurde im Frühjahr 2020 durch Befahrung mit einem Messquad bewertet. Zur befahrenen Strecke schwanken die Angaben in den städtischen Dokumenten zwischen 190 und 210 Kilometern, danach dürften die straßenbegleitenden Radwege annähernd vollständig erfasst sein. Zutreffend formuliert der Masterplan auf Seite 15: "Erfahrungsgemäß ist das subjektive Empfinden der Nutzer eines Geh- und Radwegs für die Gebrauchstauglichkeit/Ebenheit maßgebender als der Substanzerhalt." Allerdings geht der Masterplan nach traditionellen Schulnoten von einer Durchschnittsnote von 3,1 für Lübecks Radwege aus, während im aktuellen Fahrradklimatest eine Durchschnittsnote von 5,4 für die Radwegeoberflächen vergeben wurde. Die Grundlage für diese überraschend gute Selbsteinschätzung der Baubehörde bleibt unklar, zumal die streckenbezogenen Ergebnisse der Messungen noch immer nicht veröffentlicht wurden.

Neben Oberflächenmängeln weisen Lübecks Radwege weitere Probleme auf, die die Sicherheit der Nutzer gefährden: sie sind weit überwiegend zu schmal, und es fehlen Sicherheitsräume zu geparkten und fahrenden Kraftfahrzeugen sowie zu Einbauten. Diese entscheidenden Sachverhalte wurden im Messprozess offenkundig nicht erfasst, und sie sind auch explizit nicht Gegenstand des Masterplans. Die Verwaltungsvorlage empfiehlt die jährliche Oberflächensanierung von 10.000 m² Radwegen (entsprechend 5 – 6 Kilometern). Nach der im Masterplan prognostizierten Zustandsentwicklung (Diagramm 6) hätte dieses Vorgehen bis zum Jahr 2040 eine Verbesserung der Oberflächenqualität um 0,4 Schulnoten zur Folge. Dies entspräche im Fahrradklimatest einer Verbesserung von 5,4 auf eine glatte 5 in der Kategorie Oberflächenqualität, und von 4,30 auf etwa 4,28 in der Gesamtnote. Ein nennenswerter Zuwachs des Radverkehrs ist damit nicht zu erwarten.

Eine Zunahme der Fahrradnutzung ist auch in Lübeck aus Gründen des Gesundheits- und Klimaschutzes und aus wirtschaftlichen Gründen unverzichtbar. Eine solche Zunahme setzt eine deutliche Verbesserung der Infrastruktur zwingend voraus. Zurecht verweist die Vorlage der Stadt in diesem Kontext auf den Radschnellweg von Bad Schwartau nach Groß Grönau. Sie benennt auch allgemein die Notwendigkeit einer Neuaufteilung des Verkehrsraums zugunsten des Fußgänger- und Radverkehrs. Darüber hinaus werden aber keine konkreten Schritte benannt. Aus Sicht des ADFC sollten deshalb bis 2030 20 Kilometer Radwege jährlich saniert und konsequent dem Stand der Technik (ERA) angepasst werden. Grundlegende Fahrbahnsanierungen von Hauptstraßen sind obligatorisch mit einer solchen Anpassung zu verbinden. Wo dies aus örtlichen Gründen nicht möglich ist, sind entweder geschützte Radstreifen auf der Fahrbahn zu schaffen, oder es sind attraktive und sichere Radverkehrsführungen auf benachbarten Fahrradstraßen herzustellen. Der Masterplan Geh- und Radwegsanierung kann dieses Vorgehen sinnvoll ergänzen; allein ist er aber vollkommen ungenügend.(")

Eine Zunahme der Fahrradnutzung sei aus wirtschaftlichen Gründen unverzichtbar, so der ADFC.

Eine Zunahme der Fahrradnutzung sei aus wirtschaftlichen Gründen unverzichtbar, so der ADFC.


Text-Nummer: 146641   Autor: ADFC L.   vom 13.08.2021 um 10.16 Uhr

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