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Grüne: Bruno Hönel
Grüne: Bruno Hönel

Wir sehnen uns nach Frieden

Lübeck: Archiv - 21.08.2021, 08.55 Uhr: Pastorin i.R. Ellen Naß geht in ihren Gedanken zum Wochenende dem Wunsch nach Frieden nach, der seit Jahrhunderten die meisten Menschen verbindet. Das gelte auch für die Menschen in Afghanistan, die seit Jahrzehnten mit kriegerischen Auseinandersetzungen leben müssen.

In vielen Kirchengemeinden wurde – jedenfalls vor Corona – vor dem Schlusssegen im Gottesdienst noch eine Liedstrophe gesungen. Da ich in den unterschiedlichsten Gemeinden vertreten habe, habe ich oft nicht daran gedacht und wurde dann davon überrascht. Dabei finde ich das Lied schön, freute mich immer, wenn es erklang.

Der Text ist kurz und knapp: „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine.“

Text und Melodie stammen von Martin Luther, geschrieben im Jahr 1529. Er hat es nach einem anderen, lateinischem Gesang gedichtet. Der stammt aus dem 9. Jahrhundert. Es zeigt, wie tief verwurzelt in uns Menschen der Wunsch nach Frieden ist, wie lange wir uns schon danach sehnen, im Frieden zu leben.

Meine Generation hier in Deutschland und alle, die jünger sind – und es sind viele – haben keinen Krieg erlebt, nur den „kalten“ Krieg, der zwar vielleicht Angst machte, dass es ein „heißer“ Krieg werden könnte, aber mehr auch nicht.

Gerade erleben wir das Ende – oder vielleicht die Fortsetzung - eines Krieges, an dem auch deutsche Soldaten teilgenommen haben, getötet und verwundet und traumatisiert wurden. Ich denke, dass die Bilder der letzten Wochen aus Afghanistan an niemandem bei uns spurlos vorübergegangen sind. So viele Jahrzehnte Krieg – und eigentlich noch länger. Es gibt ein Gedicht von Theodor Fontane von 1858, das von einer Schlacht in Afghanistan handelt.

Trotzdem bin ich mir sicher, dass die meisten Menschen dort sich genauso nach Frieden sehnen wie wir, wie es Martin Luther tat, wie es der unbekannte Verfasser des lateinischen Liedes im 9. Jahrhundert tat – und wie es die Millionen Menschen taten, die dieses Lied in dieser langen Zeit gesungen haben.

Wir sehnen uns nach Frieden, wir bitten Gott um Frieden. Das tun nicht nur wir Christen, sondern auch alle anderen Religionen. „Islam“ bedeutet zwar hauptsächlich „Hingabe“ und nicht „Frieden“, hängt aber sprachlich mit dem Wort Salaam für Frieden zusammen. So sehnen sich Menschen aller Religionen nach Frieden, nicht nur wir.

In diesem Lied wird um Frieden in „unseren Zeiten“ gebetet, nicht für Frieden in der Vergangenheit – die kann man ja sowieso nicht ändern – und auch nicht für Frieden in der Zukunft. Mich macht das auch immer misstrauisch, wenn Frieden, Reichtum, Glück, Zufriedenheit in die Zukunft verlegt werden, ich jetzt leiden muss, Gewalt ausüben muss, damit wir es irgendwann besser haben. Natürlich muss man manchmal Opfer bringen, aber oft ist der Trost mit der Zukunft nur eine Verschleierung der Tatsache, dass uns im Moment niemand helfen will.

Frieden jetzt, darauf hoffen wir, darum bitten wir. Dafür sollen wir uns einsetzen, darauf hinarbeiten, und bemühen, Frieden zu halten mit den Menschen, mit denen wir es zu tun haben.

Letztlich, so wissen es die Menschen schon seit dem 9. Jahrhundert, kann nur Gott den Frieden schenken. Das bedeutet nicht, dass Er mit uns in den Kampf zieht, wie es ja noch im 1. Weltkrieg geglaubt wurde, sondern dass Er es ist, der uns Einsicht, Friedfertigkeit, Verständnis untereinander erleben lässt. Wenn wir Menschen versuchen, alleine Frieden zu schaffen, dann führt das oft nur zu noch mehr Gewalt. Gottes Frieden ist keine Friedhofsruhe, sondern lebendig und gut für alle.

Deshalb können wir uns auf diesen Gott verlassen, in Konflikten auch erst einmal Ihm vertrauen, statt selbst tätig zu werden, sollen uns bemühen, friedlich zu leben, uns für Frieden einzusetzen, nicht nur bei Liedern im Gottesdienst, sondern immer.

Und wir wünschen den Menschen in Afghanistan, dass bei ihnen vielleicht doch wirklicher Frieden einkehrt, so wie sie es sich, so wie wir es uns alle wünschen.

Pastorin i.R. Ellen Naß widmet ihre Gedanken zum Wochenende dem Wunsch nach Frieden.

Pastorin i.R. Ellen Naß widmet ihre Gedanken zum Wochenende dem Wunsch nach Frieden.


Text-Nummer: 146809   Autor: red.   vom 21.08.2021 um 08.55 Uhr

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