Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.
Gemeinnützige Lübeck

Als die Moderne nach Lübeck kam: 100 Jahre Behnhaus

Lübeck: Im September 1921 fand in Lübeck die „Nordische Woche“ statt, eine Festwoche mit zahlreichen Veranstaltungen, die nach dem Ersten Weltkrieg den Auftakt bilden sollte, um die Beziehungen Deutschlands zu Skandinavien in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht neu zu beleben. Das Lübecker Behnhaus öffnete zu diesem Anlass erstmals seine Türen als Museum und beeindruckte unter der Leitung von Carl Georg Heise mit moderner Kunst.

Gleichzeitig hielt Thomas Mann im Rahmen der Nordischen Woche einen Vortrag mit dem Titel „Goethe und Tolstoi“, womit er zum ersten Mal von seiner Heimatstadt mit Wohlwollen angenommen wurde und zugleich auch seine politische Kurskorrektur als Fürsprecher der Weimarer Republik erstmals erkennbar wurde. Ein Ruck ging durch Lübeck – der Umbruch in die Moderne begann.

Das 100jährige Jubiläum dieser für die Hansestadt in mehrerlei Hinsicht so bedeutenden Festwoche nehmen das Museum Behnhaus Drägerhaus als auch das derzeit mit einer Interimsausstellung darin untergebrachte Buddenbrookhaus zum Anlass für eine Sonderausstellung mit dem Titel „nordisch modern. 100 Jahre Nordische Woche – 100 Jahre Museum Behnhaus“, wobei die Sonderschau des Buddenbrookhauses den Titel „100 Jahre Thomas Manns Kurskorrektur“ trägt. Die Ausstellung startet am 1. September und endet am 2. Januar 2022.

„Die Nordische Woche im Jahre 1921 vereinte gleich zwei für Lübeck bedeutende Ereignisse, die Öffnung des Behnhauses als Kunstmuseum und Thomas Manns erste, richtungweisende Festrede in seiner Heimatstadt. Dass wir nun, 100 Jahre später, eine Sonderausstellung auf die Beine stellen konnten, die das Thema aus der Perspektive der Kunst und der Literatur gemeinschaftlich an einem Ort beleuchtet, macht die Stärke unseres Museumsverbunds deutlich“, erklärt Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Leitender Direktor der Lübecker Museen.

Als das Behnhaus im Jahre 1921 vom Lübecker Staat erworben und fortan als Museum genutzt wurde, legte dessen erster Museumsdirektor Carl Georg Heise mit seiner Präsentation von Künstlern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts den Grundstein für eine moderne Kunstsammlung. Er förderte Künstler des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit, darunter bewusst auch Lübecker Kunstschaffende wie Alfred Mahlau. Dessen Gestaltung des Plakats zur Nordischen Woche, welches seinerzeit kontrovers diskutiert wurde, dient nun für die aktuelle Sonderausstellung bewusst wieder als Motiv. Denn ihr Ziel ist es, die Kunst, die in den 1920er Jahren im Behnhaus ausgestellt war, auch heute wieder am gleichen Ort zu zeigen. Werke von Friedrich Carl Gröger, Friedrich Overbeck, Gotthardt Kuehl. Maria Slavona, Emil Nolde, Ernst Barlach, Karl Schmitt-Rottluff, Karl Hofer, Anita Rée, Alexander Kanoldt, Ernst Wilhelm Nay sowie den Lübeckern Alfred Mahlau, Asmus Jessen und Erich Dummer sind zu sehen. Doch auch Kunsthandwerkliches wie Bildteppiche und Keramik sowie Fotografien sind in der Ausstellung vertreten und schlagen – zusammen mit dem Blick auf die skandinavische Kunst - den Bogen in die (nordische) Moderne.

„In unserer Jubiläumsausstellung wollen wir aufzeigen, wie vielschichtig Heise in den 1920er Jahren fürs Behnhaus sammelte. Er interessierte sich für regionale und internationale Künstlerinnen und Künstler, entdeckte die Fotografie fürs Museum und war immer an einer Anbindung der Kunst an die Stadt interessiert. Diese Leitgedanken sind auch für unsere heutige Museumsarbeit wichtig.“, so der Leiter des Museums Behnhaus Drägerhaus, Dr. Alexander Bastek.

In der umbaubedingten Interimsausstellung „Buddenbrooks im Behnhaus“ des Buddenbrookhauses soll es im Rahmen der thematisch passenden Sonderschau „100 Jahre Nordische Woche – Thomas Manns Kurskorrektur“ um Thomas Manns Rede zu „Goethe und Tolstoi“ auf der Nordischen Woche am 4. September 1921 im Johanneum gehen. Dabei trat der Literaturnobelpreisträger, der nach dem Erscheinen seines Romans „Buddenbrooks“ in der Hansestadt lange Zeit auf Ablehnung und Skepsis stieß, erstmals als Festredner in Lübeck auf, was die Wahrnehmung seiner Person in ein zunehmend positiveres Licht rückte und einen biografischen Wendepunkt in seinem Leben darstellte. Seine neue politische Haltung nach dem Ersten Weltkrieg als Befürworter der Weimarer Republik und Gegner des aufkommenden Nationalsozialismus kann ebenfalls als bedeutender Schritt in Richtung Moderne gewertet werden. Für ihn stand nun nicht mehr das Nordische als Gegensatz zur südlichen Sphäre im Mittelpunkt, sondern eine ausgleichende Mitte.

In der Ausstellung ist unter anderem ein Gästebuch des Katharineums zu Lübeck zu sehen, in dem sich Thomas Mann verewigte. Außerdem erklärt Lodovico Settembrini, eine Figur aus dem Roman „Der Zauberberg“, an einer der Stationen persönlich die Zusammenhänge rund um Thomas Manns politischen Wandel. Der thematische Bogen zur Ausstellung des Behnhauses wird über verschiedene Gemälde wie zum Beispiel „Die Söhne des Dr. Max Linde“ von Edvard Munch geschlagen, das als Titelmotiv einer englischen Buddenbrooksausgabe der damaligen Zeit diente, die ebenfalls zu sehen ist.

„Der Norden und das Nordische hatten für Thomas Mann immer eine große Bedeutung.“, so die Leiterin des Buddenbrookhauses Dr. Birte Lipinski. „Warum also spricht er auf der Nordischen Woche nicht wie geplant über Knut Hamsun, sondern über Goethe und Tolstoi? Diese und viele weitere Fragen beantwortet die Sonderausstellung zu Thomas Manns ‚Kurswechsel‘ – und ergänzt damit wunderbar die Ausstellung ‚Buddenbrooks im Behnhaus‘ ebenso wie die Kunstausstellung des Museum Behnhaus Drägerhaus ‚Nordisch modern‘. Schließlich haben sich Mann und Heise auf der Nordischen Woche im Behnhaus getroffen – und hatten durchaus ähnliche Ansichten von Modernität. Es gibt also interessante Parallelen zwischen dem Schriftsteller und dem Museumsdirektor zu entdecken.“

Die Ausstellung wird am Mittwoch, 1. September um 18 Uhr eröffnet. Monika Frank, Senatorin für Kultur und Bildung, Jugend und Sport, sowie Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Leitender Direktor der Lübecker Museen, sprechen Grußworte. Dr. Alexander Bastek, Leiter Museums Behnhaus Drägerhaus, führt in die Ausstellung ein. Die Veranstaltung wird musikalisch begleitet von Stefan Kuchel und dem Florian Galow Duo.

Die Teilnahme kostet acht Euro. Da nur wenige Plätze zur Verfügung stehen, ist eine Anmeldung zur Teilnahme unter den geltenden Corona-Regeln dringend erforderlich unter behnhaus@luebeck.de, Tel. 0451/122-4260 oder 122-4148.

Die Geschichte zur Eröffnung des Behnhauses finden Sie hier.

Das Behnhaus zeigt noch einmal die Ausstellung aus dem Jahr 1921. Foto: JW

Das Behnhaus zeigt noch einmal die Ausstellung aus dem Jahr 1921. Foto: JW


Text-Nummer: 146978   Autor: Museen   vom 31.08.2021 um 16.09 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.