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Grüne: Bruno Hönel
Grüne: Bruno Hönel

Hanse- Unternehmerinnen diskutierten mit Kandidaten

Lübeck: Um die Arbeitswelt und damit zusammenhängende soziale Fragen sollte es gehen bei dem Informations- und Diskussionsabend der Hanse-Unternehmerinnen im Europäischen Hansemuseum am Mittwochabend. Geladen hatte man die Bundestagskandidaten Claudia Schmidtke von der CDU, Tim Klüssendorf von der SPD, Bruno Hönel von den Grünen und Heike Stegemann von der FDP.

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Sie sind Direktkandidaten für den Wahlkreis 11 und gleichzeitig natürlich Wahlkämpfer für den Stimmenanteil ihrer Partei im kommenden Deutschen Bundestag. Von daher hatten auch alle Verständnis für Claudia Schmidtke, die leicht verspätet zur Runde erschien, weil noch ein Fototermin mit dem Ministerpräsidenten und ebenfalls Unternehmerinnen des IHK-Kongresses anstand.

Da wir uns in der heißen Phase des laufenden Wahlkampfes befinden, treffen die Kandidatinnen und Kandidaten natürlich bei vielen Gelegenheiten aufeinander um ihre Argumente an die Wählerinnen und Wähler zu bringen. Bei den Hanse-Unternehmerinnen waren das natürlich vor allem Wählerinnen, die über die Nöte von Familien, den Strukturwandel, die Armutsfrage und vor allem die Organisation des Arbeitsalltages aus erster Hand hervorragend Bescheid wussten.

Felicitas Sternfeld vom Hansemuseum und die Lübecker TH-Präsidentin Muriel Kim Helbig setzten daher anfangs bereits Richtungsimpulse für die nachfolgende Diskussion. Es wurde dann auch konkret nachgefragt, wie die steuerliche Gestaltung einer künftigen Regierung denn wohl aussehen würde, besonders beim Ehegattensplitting. Da verwies Tim Klüssendorf auf neue Lebensformen, die sich entwickelt haben, die von der momentanen Steuergesetzgebung einfach nicht mehr abgedeckt werden. Seine Partei, die SPD, will daher den Weg einer Kindergrundsicherung gehen. Auch Bruno Hönel von den Grünen möchte das Ehegattensplitting abschaffen, weil es konservative Lebensmodelle verfestigt. Auch er möchte sich eher auf eine Absicherung der Kinder konzentrieren. Claudia Schmidtke hält dagegen eine Abschaffung des Ehegattensplitting für nicht richtig und verweist darauf, dass Kindergeld erst kürzlich erhöht wurde. Heike Stegemann von der FDP rückte die Familie noch einmal in den Fokus. Familie bestehe nicht nur aus Eltern und Kindern, auch Großeltern, unter Umständen pflegebedürftig, müssten von der Politik wahrgenommen und in steuerlichen Familienmodellen beachtet werden.

Als es um die Arbeitszeit ging, blickte man gern in den hohen Norden. Dort ist man mit Familienmodellen sehr viel weiter und hat bereits verlässliche Arbeitszeitmodelle entwickelt. Da ist mit der Arbeitszeit so früh Schluss, dass man sich noch um die Familie kümmern kann, war man sich weitgehend einig, und forderte einen kreativen Umgang mit Arbeitszeit und Freizeit unter Einbeziehung von Zeitkonten. Schön wenn das geht, warf Tim Klüssendorf ein und brachte in Erinnerung, dass heutzutage viele Arbeitnehmer in schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen sich nach Dienstschluss in einem zweiten oder dritten Job bewegen müssen, um die Familie überhaupt über die Runden zu bringen, und das gilt eben gerade auch für etliche Beschäftigte in den Pflegeberufen.

Auch die Finanzprobleme, die in der Folge der Privatisierung von Krankenhäusern entstanden sind, wurden thematisiert. Auch aus ihrer Sicht als Patientenbeauftragte machte Claudia Schmidtke hier deutlich, dass diese Entwicklung nicht zurückzudrehen ist. Trotz aller Probleme, die es derzeit gibt ist eine Rekommunalisierung von Kliniken ihrer Auffassung nicht mehr machbar. Da war man sich auch einig auf dem Podium, die Veränderung der Trägerschaft bewirkt allein noch keine positive Veränderung. Eher setzt man darauf, die Rahmenbedingungen deutlich zu verbessern.

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Zu guter Letzt ging es noch um die Ausbildung. Auch niederschwellige Ausbildungsabschlüsse brauchen mehr Anerkennung durch die Gesellschaft hieß es aus dem Publikum. Bruno Hönel räumte dabei freimütig ein, dass er mehr Handwerker in seiner Grünen Partei auch gern sehen würde und Tim Klüssendorf berichtete aus dem Rathaus, dass man qualifizierte Mitarbeiter mit einem niedrigen Basisabschluss gern auf höherwertige Positionen befördern möchte. Da will er mehr Bewegung im System.

Man hatte sich ein zeitliches Limit gesetzt, von daher beendete die Vorsitzende Ellen Ehrich eine Diskussion, die nach Ansicht vieler Teilnehmerinnen gern noch länger hätte dauern dürfen.

Ellen Ehrich überreichte allen noch eine Brotdose und eine Getränkeflasche für wohlverdiente selbstbestimmte Ruhepausen im sicher noch kräftezehrenden Wahlkampf bis zum 26. September.

Im Original-Ton hören Sie ein Interview von Harald Denckmann mit Dr. Muriel Helbig, Präsidentin der Technischen Hochschule Lübeck.

Ellen Ehrich (Mitte) von den Hanse-Unternehmerinnen leitete die Diskussion mit den Kandidaten. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann

Ellen Ehrich (Mitte) von den Hanse-Unternehmerinnen leitete die Diskussion mit den Kandidaten. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 147003   Autor: Harald Denckmann   vom 01.09.2021 um 22.53 Uhr

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