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Grüne: Bruno Hönel
Grüne: Bruno Hönel

Gedanken zum Wochenende: Das Gute behaltet

Lübeck: In ihren Gedanken zum Wochenende geht Pastorin i.R. Ellen Naß auf den Predigttext an diesem Sonntag ein. Es geht um die Aufgabe, Bewährtes und Neues abzuwägen: Prüft aber alles und das Gute behaltet.

Morgen ist der 14. Sonntag nach Trinitatis – kein besonderer Tag. Doch der Predigttext für morgen enthält einen Satz, den ich seit vielen Jahrzehnten zu beherzigen versuche. „Prüft aber alles und das Gute behaltet“.

Der Satz steht im 1. Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher, zusammen mit vielen anderen Ermahnungen, wie man sich als Christ richtig verhält. Er redet nur die „Brüder“ an, aber ich denke, auch die Christinnen sind gemeint. In der neuesten Lutherübersetzung hat man deshalb die Schwestern im Text auch gleich hinzugefügt. Aber damals war das so.

Der Thessalonicherbrief sagt vielen gar nichts, doch ist er sehr wichtig. Denn er ist das älteste Buch im Neuen Testament. Sicher gab es viele Erzählungen über Jesus, doch aufgeschrieben wurden sie sehr viel später als dieser Brief aus dem Jahr 50/ 51 nach Christus. Damit wurde er knapp 20 Jahre nach Jesu Tod geschrieben, wir erleben hautnah die Fragen, Probleme und Antworten der ersten Christen in ihrem Bemühen, ihren Glauben zu leben.

Viele Menschen glauben ja, dass sie genau wissen, was denn genuin christlich ist. Christen, so wird es oft gesehen, sind Menschen, denen ganz viel verboten ist. Christen sollen gute Menschen sein, dürfen nicht zu viel trinken, niemanden belügen, niemanden bestehlen, nicht schummeln, nicht betrügen… sie sollten immer nett, höflich und zurückhaltend sein und nie an sich selbst denken. Meistens, so lautet das (Vor)urteil, sind Christen deshalb vorsichtig, konservativ und Neuem gegenüber eher kritisch eingestellt, wenn nicht sogar ablehnend.

Für die Menschen in Thessalonich (dem heutigen Saloniki), an die Paulus hier geschrieben hat, galt das nicht. Der christliche Glaube war neu, anders. Sie waren nicht konservativ, sondern hatten sich auf etwas Neues, Unbekanntes, eingelassen. Es war fortschrittlich, denn sie glaubten an einen Gott statt an viele wie andere Griechen, sie behandelten Frauen und Sklaven als relativ gleichwertig, anders als es sonst üblich war.

Deshalb stellte sich ihnen immer wieder die Frage: Wie soll das aussehen? Was sollen/ dürfen/ müssen wir verändern an unserem bisherigen Leben, was kann so bleiben, wie es ist? Das war bestimmt spannend und nicht immer leicht.

Mit dem Satz: „Prüft aber alles und das Gute behaltet“ schenkte Paulus den Christ*innen damals und damit uns heute eine Richtschnur, die große Freiheit und eine große Verantwortung bedeutete. Neuem gegenüber sollen wir schon kritisch, aber doch aufgeschlossen sein. Wir sollen jeweils prüfen, ob etwas gut ist, ob etwas nützlich ist, oder ob etwas dem Glauben widerspricht.

Natürlich gibt es Dinge, die man nicht erst prüfen muss, um zu wissen, dass sie nicht gut für uns sind. Gewalt und Betrug sind solche Dinge. Aber gerade wenn etwas neu ist – und für die ersten Christen war ja alles neu – dann weiß man es erst nicht, muss sich entscheiden.

Auch heute begegnen uns immer wieder Dinge, die neu sind. Wenn ich an die Welt meiner Kindheit denke, dann hat sich enorm viel verändert, und selbst meine Kinder sagen das selber über ihre ja sehr viel kürzere Lebenszeit. Ich kann mich noch dunkel erinnern an Zeiten ohne Kühlschrank, Kühltruhe, Waschmaschine, keine Tiefkühlkost, wenige Telefone, Fernseher. Internet ist relativ neu, Elektroautos, Ehe für alle, Elternzeiten, und noch viele andere Dinge. Über vieles davon wurde heiß diskutiert, es war umstritten, wurde verteufelt.

Freiheit bedeutet, nicht alles Neues grundsätzlich abzulehnen oder auch zu übernehmen, sondern zu prüfen. Ich habe festgestellt, dass oft das Neue besser ist als das Alte, dass nur die Gewohnheit und die Angst einen am Gewohnten festhalten lässt. Gott möchte uns Mut machen, Neuem gegenüber offen zu sein, es zu prüfen und anzunehmen, damit es uns allen besser geht.

Pastorin i.R. Ellen Naß veröffentlicht die Gedanken zum Wochenende im Wechsel mit Heinz Rußmann.

Pastorin i.R. Ellen Naß veröffentlicht die Gedanken zum Wochenende im Wechsel mit Heinz Rußmann.


Text-Nummer: 147039   Autor: red.   vom 04.09.2021 um 08.36 Uhr

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