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Gemeinnützige Lübeck

Absolute Spitze: „Dorian Gray“-Ballett

Lübeck: Seit drei Jahrzehnten hat Lübeck kein eigenes Ballett mehr – eingespart. Seit einem Jahrzehnt füllt die Lücke das Kieler Theater mit einem jährlichen Gastspiel – auch hier die Einsparung einer Eigenproduktion im Musiktheater. Allerdings bringt die Compagnie von der Förde eine große Bereicherung des Spielplans, denn Kiels Ballettchef Yaroslav Ivanenko ist ein Könner. Das zeigt er nun auch mit „Das Bildnis des Dorian Gray“ im Großen Haus.

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Ivanenko hat Oscar Wildes Romanhandlung verdichtet, die Musik zusammengestellt – und fesselt mit seiner Choreographie, in der klassisches Ballett moderne Ausdrucksmöglichkeiten nutzt. Immer wieder treibt er das Geschehen regelrecht auf die Spitze, wenn Dorian Gray, der partout nicht altern will, der Spiegel vorgehalten wird: Dorian, angetrieben vom zynischen Lord Wotton, ist verliebt in sein Bild, verliebt in Sybil Vane – und erblickt nach dem Rausch sein Alter, seine Vergänglichkeit.

Es braucht nur wenige mattspiegelnde mobile Wände, einen Flügel, einen Sockel und eine Staffelei (Ausstattung: Heiko Mönnich), um den Raum und die Illusion für Dorians Erlebnisse und Ivanenkos Bewegungstheater zu geben. Bei der Lübecker Premiere standen von den mehrfach besetzten Hauptrollen im Mittelpunkt die sprungmächtigen Christopher Carduck (Dorian Gray) und Amilcar Moret Gonzales (Lord Wotton) sowie die durchtrainierte, pirouettensichere Kaito Yamamoto (Sibyl Vane): Was sie an Figuren perfektionieren, ist immer wieder eine Spitzen-Leistung und stellt ihnen und Ivanenko das beste Zeugnis aus – vor allem die beiden amourösen und diabolischen Pas de deux. Dazwischen sorgt das Corps de ballet für vehemente Szenen.

Einen unbedingten Anteil am Erfolg haben die Musik und ihre fünf Interpreten. Ivanenko unterlegt den Tanz lediglich mit Kammermusik – und die Ausführenden sind Feuer und Flamme: Kiels 1. Kapellmeister Daniel Carlberg erweist sich als mitreißender Pianist mit den vier Lübecker philharmonischen Solo-Streichern: Carlos Johnson, Daniela Dakaj (Violinen), Bennet Ortmann (Viola), Hans-Christian Schwarz (Cello) spielen all ihre Qualitäten aus. Sie entfachen oft widerborstigen Schostakowitsch-Furor, bei stillen Momenten glimmt Chopin und die Liebesszene ist mit softigem Sound von Ludovico Einaudi (Komponist der „Ziemlich beste Freunde“- Filmmusik) unterlegt. - Zumal die Ballettomanen im Premierenpublikum waren aus dem Häuschen; sie hatten ja auch mitreißende 65 Minuten erleben können.

Das Kieler Ballett ist im Großen Haus des Lübecker Theaters zu erleben. Fotos: Olaf Struck

Das Kieler Ballett ist im Großen Haus des Lübecker Theaters zu erleben. Fotos: Olaf Struck


Text-Nummer: 147193   Autor: Güz   vom 12.09.2021 um 18.06 Uhr

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