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Wir sollen nicht stehlen!

Lübeck: Archiv - 18.09.2021, 09.00 Uhr: Pastorin i.R. Ellen Naß geht in ihren Gedanken zum Wochenende auf sogenannte "Schock-Anrufe" ein, die sie auch selbst schon erhalten hat. Sie fragt sich, was in den Tätern vorgeht.

Montag klingelte bei uns das Telefon, unbekannte Nummer sagte das Display. Eine Frauenstimme mit leichtem Akzent fragte, ob ich Frau Naß sei. Ich fragte zurück, worum es denn ginge. Sie sagte: „Hier ist die Polizei. Ihre Tochter hatte einen Unfall.“

„Oh“, sagte ich, „Natalie hatte einen Unfall?“ Ja, Natalie hatte einen Unfall, sie ließen Natalie dann einige Zeit in das Telefon weinen. Nun heißt meine Tochter gar nicht Natalie, es war also klar, dass das Ganze ein Betrugsversuch war -.nicht der erste übrigens, meine angebliche Tochter hatte schon zum 2. Mal einen Unfall, mein Neffe rief an, die Tochter meiner (nicht existenten) Schwester Gisela. Ich habe Anzeige erstattet, sie werden die Täter nicht finden.

Trotzdem beschäftigt mich dieser Anruf. Wie können Menschen es mit ihrem Gewissen vereinbaren, so etwas zu tun? Wie können sie überhaupt noch in den Spiegel schauen, ohne das ihnen übel wird? In der Bibel heißt es klar und deutlich: „Du sollst nicht stehlen.“ Man soll auch das nicht tun, es schadet auch uns allen, aber ich kann gerade noch Verständnis für Menschen aufbringen, die große anonyme Firmen betrügen, aber hier werden zum größten Teil arme und alte Menschen um die letzten Besitztümer, um sauer Erspartes gebracht.

Nun kann man sagen, dass diese Anrufer ja nicht stehlen. Sie brechen nicht ein, sie begehen keinen Taschendiebstahl, sie nehmen im Geschäft nichts mit. Sie rufen nur an, andere holen nur ab, was Menschen ihnen anscheinend freiwillig geben.

Deshalb ist es gut, sich Martin Luthers Erklärung zu diesem Gebot einmal anzusehen: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unseres Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten.“

Damit wird deutlich, dass solche Anrufe sehr wohl unter das 7. Gebot fallen, genauso übrigens wie die Cum-Ex Geschäfte einiger großer Banken, Maskendeals einiger Politiker, „Schummelsoftware“ beim Auto. Das wird oft nicht als „Stehlen“ angesehen - solch ein unschönes Wort! – und doch handeln diese Menschen gegen Gottes Gebot, zerstören damit auch unsere Gemeinschaft.

Zwar bin ich auf die Betrüger nicht hereingefallen, aber ihretwegen melden wir uns nie mit Namen, rufen keine unbekannten Nummern zurück. Manchmal ist das sehr hinderlich, einige Anrufer sind deshalb sehr irritiert. Wir sind generell sehr viel misstrauischer als früher, vor allem, weil auch angebliche Lotteriegewinne, neue Stromanbieter und Hauseigentümergemeinschaften anrufen.

Weil wir Gott lieben und Ehrfurcht vor ihm haben, deshalb sollen wir auch unsere Mitmenschen liebevoll behandeln und vor ihnen Ehrfurcht haben. Dazu gehört eben auch, dass wir ihre Dinge, die uns nicht gehören, auf irgendeine Art und Weise an uns bringen. Es gibt keine Entschuldigung dafür, denn es zerstört unser Zusammenleben, es ist gegen Gottes Gebot.

Jede und jeder von uns kann dazu beitragen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Wenn sich niemand fände, der das Geld und die Wertsachen abholt, wenn niemand seinen Lebensunterhalt damit verdienen wollte, solche Anrufe zu tätigen, dann hätten auch die an der Spitze keine Chance. Auch im Kleinen ist es wichtig, ehrlich zu bleiben.

Es gelingt vielleicht nicht immer, aber es ist gut, sich immer wieder dieses Gebot vor Augen zu führen. Wir sollen unseren Nächsten, andere Menschen, nicht um ihren Besitz bringen, wie groß oder klein der auch sein mag, wir sollen auch nicht daran mitwirken, wenn andere es tun. Wir sollen nicht stehlen, weil es Gottes Gebot ist, weil es anderen und uns und damit allen schadet.

Pastorin i.R. Ellen Naß mahnt: Auch im Kleinen ist es wichtig, ehrlich zu bleiben.

Pastorin i.R. Ellen Naß mahnt: Auch im Kleinen ist es wichtig, ehrlich zu bleiben.


Text-Nummer: 147311   Autor: red.   vom 18.09.2021 um 09.00 Uhr

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