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Handwerk: Deutliche Abstriche beim neuen Trave-Campus

Lübeck: Der Trave-Campus, das Neubauvorhaben der Handwerkskammer Lübeck, kann nur in einem deutlich geringeren Umfang weitergeplant werden als ursprünglich vorgesehen. Diesen Beschluss fasste die Vollversammlung der Kammer auf ihrer Sitzung am 20. September.

Kammerpräsident Ralf Stamer: „Wir halten eine Realisierung des ursprünglichen Bauvolumens nach wie vor für erforderlich, um negative Konsequenzen für die handwerkliche Berufsausbildung in Schleswig-Holstein und darüber hinaus abzuwenden. In der jetzigen Situation sehen wir uns aber zu diesem Schritt gezwungen.“

Konkret heißt es in dem Beschluss, dass die weiteren Planungen nur noch für eine Bauvariante vorangetrieben werden können, die sich auf die folgenden Gewerke und Bereiche konzentriert: Elektrotechnik, Feinwerkmechanik, Friseur, Kraftfahrzeugtechnik, Metallbau, Sanitär-Heizung-Klima und Schweißen. In diesen Gewerken führt die Kammer die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung ausschließlich für die Lehrlinge der Mitgliedsbetriebe aus dem Kammerbezirk durch. Die Konzentration auf diese Variante ermöglicht ein deutlich geringeres Bauvolumen als in der ursprünglichen Planung vorgesehen und wird die Durchführung der Lehrlingsunterweisung in diesen Gewerken sicherstellen. Es ist die einzige finanzierbare Variante, da nur sie sich im dem ursprünglich vorgesehenen Kostenrahmen bewegt. Für die Kammer nicht mehr finanzierbar sind alle weiteren Aufgaben und Trägerschaften für die Landesberufsschulen auf dem Priwall. Sie sieht sich daher gezwungen, diese mittelfristig, spätestens aber mit dem Wechsel in den Trave-Campus, aufzugeben.

Der Beschluss der Vollversammlung war nötig, da aktuelle Kostenschätzungen zuletzt Baukosten in Höhe von 182,5 Millionen Euro prognostiziert hatten. Trotz einer in Aussicht gestellten Förderung durch den Bund und das Land Schleswig-Holstein sind diese Baukosten für die Handwerkskammer Lübeck durch die Beiträge ihrer Mitgliedsbetriebe nicht finanzierbar. Der Eigenanteil, den die Kammer aufbringen kann, liegt bei maximal 25 Millionen Euro. Die Landesregierung hatte der Kammer zuvor mitgeteilt, über bereits zugesagte 38,25 Millionen Euro hinaus keine zusätzlichen Fördermittel für das Bauvorhaben zur Verfügung stellen zu können.

Die Vollversammlung macht in ihrem Beschluss deutlich, dass die Kammer sämtliche Anforderungen von Fördergebern und Gutachtern bezüglich der Planungen für den Trave-Campus erfüllt habe. Die Mitglieder der Vollversammlung, Inhaber von Handwerksbetrieben und Arbeitnehmervertreter, weisen nachdrücklich darauf hin, dass sie eine Realisierung des ursprünglichen Bauvolumens nach wie vor für erforderlich halten. Dazu Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Lübeck: „Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen. Wir sehen uns aber zu dem Schritt gezwungen. Die Baukosten sind für die Handwerkskammer nicht finanzierbar. Hinter uns liegt ein monatelanger Prozess, in dem wir unter Hochdruck jede erdenkliche Möglichkeit geprüft haben, wie wir Kosten reduzieren können und gleichzeitig so wenige Einschnitte wie möglich verkraften müssen. Die wichtigste Erkenntnis nach diesem Prozess ist: Einen gemeinsamen, den heutigen Standards entsprechenden Lernort für alle Gewerke zu errichten, die wir derzeit in Travemünde auf dem Priwall beschulen, ist nur mit einer deutlich höheren Förderung zu realisieren. Wir bedauern außerordentlich, jetzt in einen Planungsprozess übergehen zu müssen, in dem wichtige und identitätsstiftende Handwerke wie zum Beispiel die Bootsbauer, Glaser, Bäcker oder Fleischer nicht mehr berücksichtigt werden können. Dadurch werden diese Gewerke in ihren Bemühungen um eine attraktive und zukunftsorientierte Ausbildung massiv zurückgeworfen. Für die Durchführung der Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung und für die Beschulung müssen neue Standorte gefunden werden, die auch außerhalb von Schleswig-Holstein liegen können. In einzelnen Gewerken besteht bundesweit noch nicht einmal eine Alternative für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung und den Berufsschulunterricht. Die über Jahrzehnte bewährte und praktizierte Lernortkooperation von Schule und Bildungsstätte wird zerstört. Ich möchte das ganz deutlich machen: Jede Einschränkung des Bauvolumens wird die duale Berufsausbildung in Schleswig-Holstein und darüber hinaus nachhaltig negativ beeinflussen. Es ist aber leider auch eine Tatsache, dass sich das Handwerk den Neubau einer so breit aufgestellten Bildungseinrichtung nicht leisten kann.“

Unter dem Namen Trave-Campus plant die Handwerkskammer Lübeck seit 2017 den Neubau dreier Einrichtungen: die Berufsbildungsstätte Travemünde, sechs Landesberufsschulen in Trägerschaft der Handwerkskammer Lübeck (Landesberufsschulen für Augenoptiker, Bootsbauer, Glaser, KFZ-Mechatroniker Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik, Orthopädieschuhmacher/Maßschuhmacher, Segelmacher) und das Fortbildungszentrum der Handwerkskammer. Die erste, von Gutachtern mehrfach bestätigte Kostenschätzung aus dem Jahr 2017 belief sich auf 91 Millionen Euro. Auf dieser Basis wurden die Planungen vorangetrieben und Anfang 2019 ein europaweiter Architektenwettbewerb durchgeführt. Im Sommer 2020 stellte die Vollversammlung der Handwerkskammer Lübeck die Planungen für den Trave-Campus auf den Prüfstand, nachdem eine Vorkosteneinschätzung der Planer bereits einen erheblich höheren Kostenaufwand prognostiziert hatte.

Die Handwerkskammer wird den neuen Trave-Campus deutlich kleiner bauen müssen.

Die Handwerkskammer wird den neuen Trave-Campus deutlich kleiner bauen müssen.


Text-Nummer: 147408   Autor: HWK   vom 22.09.2021 um 14.45 Uhr

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