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Gemeinnützige Lübeck

NDR-Konzert: Volle Kraft voraus!

Lübeck: Vom Dirigenten zum Maestro de la cappella ist es oft ein langer Weg. Case Scaglione, US-amerikanischer Gast am Pult der NDR-Sinfoniker bei ihrem jüngsten Konzert in der MuK, ist ihn noch nicht zuende gegangen: Seine Wiedergaben von Wagner und Dvorak standen unter dem Motto: Volle Kraft voraus!

So ließ er durch das Vorspiel zu „Die Meistersinger von Nürnberg“ die Blechbläser und Kontrabässe dröhnen, dass nur noch pompöser Parteitag-Klang durch den Saal toste – ohne Anzeichen von Beweglichkeit oder den Funken Ironie, den Wagner nicht ganz ausgespart hat.

Bei Schumanns Cellokonzert stellte sich Scaglione voll auf den Solisten ein. Nun ist Steven Isserlis ein Schelm, der sich nicht die Noten vom Griffbrett nehmen lässt. Der renommierte Brite fasste den 1. Satz („Nicht zu schnell“) als einen Traum auf, bei dem das Orchester fast das Atmen vergessen musste. Bei diesem nahezu selbstvergessenen Spiel blieb dem Dirigenten nur schemenhaftes Begleiten, aus dem er im 2. Satz („Langsam“) etwas heraustrat. Dann aber ging feines Passagenwerk über in „Sehr lebhaft“ – und hier, im federnden Übermut, stellten sich die schönsten Momente des Abends ein, zu denen Isserlis mit fordernden Kopfbewegungen den Dirigenten animierte.

Auch bei Dvoraks romantischer 7. Sinfonie machte Scaglione zuviel Druck, die Feinabstimmung blieb auf der Strecke. So gerieten die hohen Streicher im 1. Satz total ins Hintertreffen. Dem 2. Satz ist mit weniger akademischer Nüchternheit besser beizukommen – der Meister aus Böhmen „swingt“ mehr. Technisch brillant lief das Scherzo vorüber in ein zu dick aufgetragenes Finale. So paradox es klingt: Das Angespannte darf durchaus verspielt klingen – sonst kommt ihm die Wärme abhanden. - Das Publikum war's dennoch zufrieden: Die lange Konzert-Durststrecke wegen der Pandemie scheint endlich vorbei.

Die NDR Elbphilharmonie war am Donnerstagabend in der Lübecker MuK zu Gast.

Die NDR Elbphilharmonie war am Donnerstagabend in der Lübecker MuK zu Gast.


Text-Nummer: 147590   Autor: Güz.   vom 01.10.2021 um 12.00 Uhr

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