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Gemeinnützige Lübeck

Großer Opernspaß: „Viva la Mamma“

Lübeck: Endlich wieder Orchester in voller Besetzung, endlich wieder Turbulenz auf der Bühne: Gaetano Donizettis (1797-1848) Opernspaß „Viva la Mamma“ wurde bei beiden Premieren am Wochenende im Großen Haus bejubelt. Die Normalität in Lübecks Theaterleben beginnt allerdings total unnormal – denn bei diesem Werk des italienischen Meisters handelt es sich um eine Parodie auf das Musiktheater.

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Die Handlung ist schnell erzählt. Eine reisende Operntruppe will in der Provinz ein Ritterstück auf die Bühne bringen, der Impresario verschafft sich einen Einblick in das Werk – an dem Komponist und Librettist noch weiterbasteln – und lässt vorsingen, da tritt die Mutter der Sopranistin auf den Plan, spielt die unverzichtbare Diva und finanzielle Retterin des Unternehmens... So kommt es, wie es soll, zu Turbulenzen und den komischsten Situationen, bis es am guten Ende heißt „Viva la Mamma“! Der große Trick bei allem: la Mamma ist das Gegenstück zu einer Hosenrolle, wird von einem Mann gegeben...

Die Partien sind natürlich ein „Fressen“ – gesanglich und spielerisch – fürs gesamte Lübecker Ensemble, voran Andrea Stadel als Primadonna, die die halsbrecherischen Koloraturen bravourös meistert. Die beste Studie bringt Yoonki Baek, der den Tenor mit feiner Ironie und souveränen Höhen zeichnet. Ein dritter Höhepunkt: das Duett von Gerard Quinn (Impresario) und Steffen Kubach (la Mamma) mit ihren kultivierten Baritonen. Diese Stimmlage beherrschen ausdrucksvoll auch Johan Hyunbong Choi und Beomseok Choi (Komponist und Librettist). Erwin Belakowitsch gastiert als lustiger Primadonna-Gatte, Evmorfia Metaxaki als zweite Sopranistin und Milena Juhl (in der B-Premiere) als Mezzosopranistin bleiben Kostproben ihre Könnens. Zwei Sixpacks aus dem Chor hat Jan-Michael Krüger aufeinander abgestimmt.

Ein Hauptakteur sind die Lübecker Philharmoniker. Was sie an Feinabstimung, melodiöser Rasanz und Presto-Beweglicheit in allen Gruppen leisten müssen – und können! – reißt mit. Nun haben sie in Erstem Kapellmeister Takahiro Nagasaki auch einen furiosen Dirigenten, der bei Donizettis Partitur kein Tempolimit kennt.

Die Inszenierung von Effi Mendez ist hausgemacht und in die Gegenwart verlegt. Auf Stefan Heinrichs Doppel-Bühne (mit zu vielen Stühlen) und Ilona Holdorf-Schimankes Phantasie-Kostümen ereignet sich hin und wieder mehr derbes Lustspiel als lockere Komödie. So persifliert die Regisseurin die Römer-Parodie noch und dabei etwas geschmacklos. Und Komödiant Steffen Kubach steht wie ein Stock in der Brandung, wo doch just die Agilität einer italienischen Mamma den sprühenden Witz Donizettis und seines Librettisten ausmacht.

Die Premiere am Wochenende im Theater Lübeck wurde vom Publikum bejubelt. Fotos: Olaf Malzahn

Die Premiere am Wochenende im Theater Lübeck wurde vom Publikum bejubelt. Fotos: Olaf Malzahn


Text-Nummer: 147769   Autor: Güz.   vom 11.10.2021 um 12.36 Uhr

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