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Nicht auf den ersten Blick urteilen

Lübeck: Archiv - 16.10.2021, 09.09 Uhr: In ihren Gedanken zum Wochenende geht Pastorin i.R. Ellen Naß auf biblische Gleichnisse ein. So zeige die Erzählung von einem Vater und seinen zwei Söhnen, dass wir nicht auf den ersten Blick urteilen und verurteilen sollten.

Jesus hat den Menschen um sich herum viele Gleichnisse erzählt. Ein Gleichnis ist eine Geschichte, die so nicht stattgefunden hat, die aber etwas verdeutlicht, etwas über Menschen, über Gott, über unsere Welt.

Einige Motive in diesen Gleichnissen kehren immer wieder, andere haben Vorlagen aus den Zeiten davor. Jesus erzählt sie, um zu erklären, was er meint, wie er Gott sieht und die Welt.

Eine Ausgangslage, die öfter wiederkehrt, ist die von dem Mann mit den zwei Söhnen. Mich hat besonders eine davon beeindruckt , weil sie auf den ersten Blick so offensichtlich zu sein scheint.

Jesus erzählt folgendes: Ein Weinbergbesitzer bittet seinen Sohn, ihm bei der Arbeit im Weinberg zu helfen. Der Sohn sagt: „Nein!“ - wir erfahren nicht, warum. Da bittet der Mann seinen zweiten Sohn, ihm zu helfen, und dieser Sohn erklärt sich bereit, dem Vater zu zur Hand zu gehen. Dann geht es aber ungewöhnlich weiter. Der Sohn, der es abgelehnt hatte, im Weinberg zu arbeiten, verspürt Reue, er geht doch los und arbeitet dort. Der andere überlegt es sich anders, trotz seiner Zusage tut er nichts.

Jesus fragt seine Zuhörer nun, wer denn wohl dem Vater geholfen habe, und natürlich sagen alle: „Der Sohn, der die Arbeit gemacht hat, nicht der, der nur Ja gesagt hat“. Genauso würden wir auch alle urteilen, beim ersten Lesen des Gleichnisses im Matthäusevangelium fragt man sich, warum Jesus es überhaupt erzählt und dann noch diese dumme Frage stellt.

Aber wenn wir die Welt um uns herum betrachten, dann ist die Frage nicht so dumm. Gleichgültig, ob es um den Arbeitsplatz geht, um die Familie, oder vielleicht auch um das Hobby – das Lob und die Anerkennung ernten nicht unbedingt die Menschen, die die Arbeit machen. Oft reicht es, einfach so zu tun, als würde man etwas leisten, und schon erntet man Lob und Anerkennung.

Wenn dann jemand vorher gesagt hat, er oder sie würde etwas nicht tun, so wie es in Jesu Gleichnis der erste Sohn tut, und sich dann umentscheidet, dann merken die anderen endgültig nicht mehr, dass sich derjenige oder diejenige geändert hat, dass sie helfen, sich engagieren, etwas tun.

So kann uns diese Erzählung Jesu dazu aufrufen, genauer bei anderen Menschen hinzusehen, nicht auf den ersten Blick zu urteilen oder zu verurteilen. Oft ist es anders als es den Anschein hat. Genaueres Hinsehen hilft, denjenigen gerecht zu werden, die oft nicht gesehen werden, und doch die Stützen von allen sind – im Betrieb, in der Familie, im Verein.

Und wenn unsere Leistungen nicht gesehen werden, kann das Gleichnis uns trösten. Denn Jesus erzählt nicht nur irgendeine Geschichte. In seinen Erzählungen steht der Weinbergbesitzer für Gott, die Söhne, die Kinder, sind wir.

Er sagt uns, dass Gott uns sieht, wie wir wirklich sind. Er erkennt die Blender, die nur gut und aktiv zu sein scheinen, und Er erkennt diejenigen, die Gutes tun, Seinem Willen folgen. Jesus hat sich seine Freunde und Freundinnen unter solchen Menschen gesucht, die von anderen gering geschätzt wurden, unter Kollaborateuren, Fischern, Frauen mit zweifelhaftem Ruf.

Gott irrt sich nicht und fällt nicht auf schöne Worte herein. Er kennt uns, liebt uns, schätzt unseren Wert. Das kann uns Mut geben für unser Leben, neu auf uns und auf andere zu blicken.

Ellen Naß veröffentlicht die Gedanken zum Wochenende im Wechsel mit Heinz Rußmann.

Ellen Naß veröffentlicht die Gedanken zum Wochenende im Wechsel mit Heinz Rußmann.


Text-Nummer: 147859   Autor: red.   vom 16.10.2021 um 09.09 Uhr

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