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Gemeinnützige Lübeck

NDR-Konzert: Sternstunde mit Bruckner

Lübeck: Archiv - 17.10.2021, 08.50 Uhr: Das 2. Konzert der NDR-Sinfoniker in der MuK mit Werken von Anton Bruckner (4. Sinfonie) und Max Bruch (Schottische Fantasie) hatte zwei konträre Hälften. Obwohl beide Romantiker fast derselben Generation angehören, sind sie im Personalstil und in ihrer Aussage grundverschieden.

Bruch ist der schwärmerischere, virtuosere Komponist. Ganz im Schatten seines beliebten Violinkonzerts steht die „Schottische Fantasie“ für Violine und Orchester. Diese nun lieferte zum Auftakt des Abends der US-amerikanische Solist Stefan Yackiw technisch ausgereift und sauber in der Tongebung ab – aber geradezu brav gegenüber der Interpretation, die das „Vollblut“ Kirill Troussov hier vor drei Jahren mit den Lübecker Philharmonikern bot. Vielleicht hätte etwas Whisky allen Mitwirkenden gutgetan, um das Adagio zu lockern, das Scherzo aus akademischem Rhythmus zu führen und im Finale den Dialog mit der Harfe noch kesser zu gestalten.

Nun war NDR-Chefdirigent Alan Gilbert hier auch nicht der unbedingte Inspirator, der den Kontakt zum Solisten immer suchen musste und beim Ordnen des Tutti einiges durchgingen ließ; so hielten sich die Blechbläser zumal anfangs weder genügend zurück noch folgten sie ihm mit der gebotenen Genauigkeit.

Wie verwandelt kamen alle aus der Pause. Bruckners 4. Sinfonie, die ebenso beliebte wie überstrapazierte „Romantische“, wurde zur Sternstunde. Ganz anders als der disziplinierende Bruckner-Exeget Günter Wand ließ Gilbert das Gefühl überborden. Wie selten ein Dirigent nahm er die Satz-Anweisungen „Nicht zu schnell“ bei den Noten nach dem Sprichwort „Gut Ding will Weile haben“. Dabei folgte Ihm das Orchester mit einer Präzision und Hingabe bis fast zur akustischen Entgrenzung. Solch Ausreizen tastender Verzögerungen im seligen Pianissimo, solch schreitende Dynamik bis zum gewaltigen Fortissimo – und dabei alles organisch im Sinn des Komponisten: Was sich hier mit unendlich behutsam gestalteten Details zu einem gewaltigen Ganzen fügte, dem ist das Prädikat „Summa cum laude“ auszustellen. Das Publikum feierte den Maestro und seine große Gefolgschaft – die sich mit dieser Leistung in der deutschen Spitzengruppe zurückmeldete – mit hochverdienten „Bravos“.

Alan Gilbert überzeugte das Lübecker Publikum. Foto: NDR/Peter Hundert

Alan Gilbert überzeugte das Lübecker Publikum. Foto: NDR/Peter Hundert


Text-Nummer: 147869   Autor: GüZ   vom 17.10.2021 um 08.50 Uhr

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