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Demo am Freitag: 11 Jahre Fahrradstraße Dorfstraße

Lübeck - St. Jürgen: Archiv - 19.10.2021, 14.29 Uhr: Die St.-Jürgen-Runde, der Radentscheid und der ADFC laden ein zur Fahrrad-Demo "11 Jahre Fahrradstraße - Tops und Flops" am Freitag, 22. Oktober 2021, ab 16 Uhr. Start und Ziel ist der Bahnübergang in der Dorfstraße. Es ist mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Der Fahrplan der Linie 2 ist nicht betroffen.

Die rund 90-minütige Demo führt durch die Dorfstraße, Kahlhorststraße, Kronsforder Allee, St.- Jürgen-Ring, Körnerstraße, Kahlhorststraße, Röntgenstraße, Trendelenburgstraße, Helmholtzstraße und zurück zur Dorfstraße.

Der Hintergrund: Im Herbst 2008 forderten die Bewohner der Dorfstraße eine Verkehrsberuhigung ihrer Straße. Zwei Monate später schlug Bausenator Boden den Vertretern der St.-Jürgen-Runde die Umwandlung der Dorfstraße in eine Fahrradstraße vor. Es ging schnell. Mit intensiver Beteiligung der Bewohner und des Bauausschusses wurde die Fahrradstraße entwickelt. Die alten, benutzungsfreien Radwege wurden zu Grün- oder Parkstreifen, die Bürgersteige an den Kreuzungen wurden vorgezogen, die Straße wurde frisch asphaltiert und zur Vorfahrtstraße gemacht. Am 22. Oktober 2010 weihten Senator Boden, die Fahrradbeauftragten Frau Spiller und Herr Fechtel, sowie die Bewohner auf ihren Rädern die neue Fahrradstraße ein. Es gilt seitdem ein Kfz-Verbot für die Straße, ausgenommen sind Anlieger und die Buslinie 2. "Das ist eindeutig ein Schritt in die richtige Richtung", lobte damals Rolf Hagen, Vorsitzender des ADFC Lübeck.

Die Zahl der Radfahrer gab die Stadt damals mit "etwa 1000" pro Tag an. Im September 2019 zählte die Uni Wuppertal 1839 Radfahrer und 411 Kfz in 13 Stunden. Vor drei Wochen zählte die St.-Jürgen-Runde stadteinwärts zwischen 7.30 und 8 Uhr 138 Radfahrer, überwiegend Schüler der GGS-St.-Jürgen. Die Asphaltierung der Dorfstraße zwischen den Bahngleisen und dem Hochschulstadtteil im Juli hat die Attraktivität der Route noch gesteigert. Die Frage nach der "vorherrschenden Verkehrsart" ist eindeutig geklärt.

"Die Tops gehen an die Bauverwaltung, die Bus- und die Radfahrer", erklärt die Bewohnerin Kerstin Anders. "Die Busfahrer und Fahrerinnen schleichen selbst langsamen Radfahrern geduldig hinterher. Klagen der Radfahrer über die Busfahrer habe ich nicht gehört."

2015 beruhigte die Stadt die Kalkbrenner- und die Röntgenstraße. Zeitgleich änderte die Verkehrsaufsicht des Landes die Vorfahrt der Fahrradstraße an den Kreuzungen zu "Rechts vor Links". Durchgangsverkehr in der Fahrradstraße war plötzlich ein Thema. Bei Zählungen im Oktober 2015 kam die Stadt auf 906 Kfz in 10 Stunden in der Dorfstraße. 616 Kfz wurden als Durchgangsverkehr eingestuft. Die St.-Jürgen-Runde kam bei mehreren Zählungen im südlichen Abschnitt der Dorfstraße in den letzten zwei Jahren auf 77 bis 96 Prozent Durchgangsverkehr.

Vor einem Jahr erklärten Polizei und Städtischer Ordnungsdienst im Polizeibeirat, dass sie den Durchgangsverkehr in Lübecks Fahrradstraßen nicht kontrollieren. "Als Anwohner fahre ich mindestens 800 Mal im Jahr mit dem Rad durch die Dorfstraße," schätzt Volker Koß von der St. Jürgen Runde. "Ich werde zu eng überholt, bei Gegenverkehr muss ich dicht an den parkenden Autos vorbei. Vor drei Monaten knallte vor meinem Haus ein Pizza-Bote mit seinem E-Fahrrad in die Tür eines parkenden Autos. Ausweichen konnte er nicht. Ihm kam gerade ein Auto entgegen."

"Die veränderte Vorfahrt und der starke Durchgangsverkehr sind eindeutig die Flops", so die St. Jürgen Runde. Die Bewohner fordern seit Jahren öffentlich Maßnahmen gegen den Durchgangsverkehr. Seit August zieren Plakate und Schilder die Dorfstraße. Bewohner Dr. Prüßmann sieht den Protest in einem größeren Zusammenhang: "Solange die Stadt den Durchgangsverkehr in ihren Fahrradstraßen nicht in den Griff bekommt, fühlen sich die Menschen unsicher und steigen nicht aufs Fahrrad um. Lübeck wird seine Klimaziele verfehlen."

Mit Plakaten und Schildern protestieren Anwohner gegen den Durchgangsverkehr. Eine Demo soll ihre Forderungen unterstützen. Foto: St. Jürgen Runde

Mit Plakaten und Schildern protestieren Anwohner gegen den Durchgangsverkehr. Eine Demo soll ihre Forderungen unterstützen. Foto: St. Jürgen Runde


Text-Nummer: 147919   Autor: St. Jürgen Runde/red.   vom 19.10.2021 um 14.29 Uhr

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