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Psychische Gesundheit: Grüne sehen Handlungsbedarf

Lübeck: Archiv - 27.10.2021, 11.15 Uhr: Die öffentliche Fraktionssitzung der Grünen Lübeck stieß auf enormes Interesse und verdeutlichte den hohen gesellschaftlichen Stellenwert dieses Themas. Rund 90 Zuhörer verfolgten in der Großen Börse im Lübecker Rathaus vor Ort und online die Diskussionsveranstaltung "Psychische Gesundheit und Krisenintervention: Hilfsangebote in Lübeck ausreichend?". Experten aus dem Gesundheitsbereich und Betroffene diskutierten mit den interessierten Teilnehmern.

Eine Aufzeichnung der Veranstaltung steht ab sofort bei YouTube zur Verfügung und kann dort kostenlos und ohne Registrierung auf dem Profil von "Grüne Lübeck" angesehen werden.

In der Veranstaltung wurde schnell deutlich, wie groß der Handlungsbedarf in diesem Bereich ist und wie sehr die Corona-Pandemie die ohnehin schon angespannte Situation noch dramatisch verschlechtert hat. Sowohl Dr. med. Martin Lison, Ärztlicher Leiter der AMEOS Klinika Lübeck, als auch Dr. Bernd Hillebrandt, Landesgeschäftsführer BARMER Krankenkasse skizzierten in ihren Impulsvorträgen die vielfältigen Probleme in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung.

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Dabei wurde auf das bestehende Paradoxon hingewiesen, dass Lübeck faktisch eine psychotherapeutische Überversorgung von 160 Prozent habe, auf der anderen Seite diese Zahl bei Weitem nicht die Realität mit sehr langen Wartezeiten für Betroffene abbilde. Dies seien lediglich relative Zahlen basierend auf Berechnungen aus dem Jahr 1999, betonte Dr. Martin Lison. Hier wären Gesetzesänderungen auf Bundesebene nötig, um der aktuellen Situation durch eine aktualisierte Bedarfsplanung gerecht zu werden.

Auch mangele es an einer zielführenden Steuerung der Therapie, da Personen aus strukturschwachen Verhältnissen es seltener schaffen, sich im Dschungel langer und zum Teil geschlossener Wartelisten erfolgreich um einen stationären, teilstationären oder ambulanten Therapieplatz zu kümmern. In den psychiatrischen Notaufnahmen hätten Wartezeiten ebenfalls zugenommen, was insbesondere für suizidal gefährdeten Personen eine Zumutung sei. Neben den grundsätzlichen Problemen wurde auch vonseiten des "Frauennotrufs" auf die besondere Situation betroffener Frauen aus unterschiedlichen Gründen hingewiesen.

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Hervorgehoben wurde auch die Gruppe der Geflüchteten. Bereits 2018 sei in einer Studie festgestellt worden, dass es in dieser Personengruppe zunehmend Behandlungsbedarf geben würde. Sprachbarrieren würden die Versorgung zusätzlich erschweren. Auch hier fehle es an niedrigschwelligen und pragmatischen Lösungen. Als mögliche Lösungsansätze auf kommunaler Ebene wurden diskutiert: ein Ausbau der Angehörigenarbeit, eine stärkere Förderung von genesungsbegleitenden Personen, eine bessere Vernetzung zur Überwindung der Schnittstellenproblematik, Schaffung von günstigem Wohnraum sowie die Bekämpfung von Armut. Mehrfach lobten Teilnehmer, dass das Thema in den Fokus gerückt wird.

Die hohe Komplexität der Thematik verlange es, sich weiter intensiv auszutauschen und an Lösungen zu arbeiten. Entsprechend hielten Simone Stojan und Mara-Lena Zeplin, die für die Grüne Fraktion durch den Abend führten, abschließend fest, dass diese Diskussion nur der Auftakt für weitere Veranstaltungen vergleichbarer Art sein könne. Die Grüne Fraktion werde das Thema weiterhin begleiten und sei für Anregungen und Ansprache immer gerne erreichbar.

Simone Stojan und Mara-Lena Zeplin haben durch den Abend geführt. Fotos: Grüne

Simone Stojan und Mara-Lena Zeplin haben durch den Abend geführt. Fotos: Grüne


Text-Nummer: 148075   Autor: Grüne Fraktion/Red.   vom 27.10.2021 um 11.15 Uhr

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