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Konjunkturumfrage: Hohe Materialkosten und Azubischwund

Lübeck: Im Oktober haben Nordmetall, der AGV Nord sowie der Arbeitgeberverband Oldenburg ihre Mitgliedsunternehmen in Norddeutschland zum zweiten Mal in diesem Jahr und zum fünften Mal seit Beginn der Corona-Krise nach ihrer Geschäftslage und den Aussichten befragt. 192 Unternehmen mit rund 103.000 Beschäftigten nahmen an der Befragung in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein (hier: 62 Unternehmen mit rund 20.000 Mitarbeitern) und Niedersachsen teil.

"Der Fachkräftemangel ist mit voller Wucht zurückgekehrt, der Azubischwund ist dramatisch. Zusammen mit coronabedingten Lieferengpässen und stark steigenden Preisen auf dem Weltmarkt hemmt das den Aufschwung nach der Pandemie deutlich", bilanziert Nordmetall-Präsident Folkmar Ukena. "Schiff- und Flugzeugbau sowie in Teilen die Autoindustrie und ihre Zulieferer sind weiter unsere Sorgenkinder, bei denen die allgemeine Erholung in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie nur in Teilen ankommt", so der Familienunternehmer aus dem ostfriesischen Leer.

81 Prozent aller befragten Betriebe leiden nach eigenen Angaben unter stark gestiegenen Materialkosten – eine Verdreifachung gegenüber der vorhergehenden Befragung im Januar. 53 Prozent der Unternehmen belasten gestiegene Energiekosten. 68 Prozent der M+E-Unternehmen im Norden beklagen die schlechte oder unbefriedigende Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften, der höchste Wert seit drei Jahren (Schleswig-Holstein mit dem norddeutschen Spitzenwert von 80 Prozent). 57 Prozent sehen den Azubimangel (Schleswig-Holstein: 58 Prozent) als schwerwiegendes Problem.

Mittlere bis sehr starke Produktionseinschränkungen durch die Corona-Krise erleiden derzeit 59 Prozent aller Betriebe im Norden, was einem Plus von vier Prozent gegenüber dem Januar entspricht (Schleswig-Holstein: 56 Prozent). Immerhin sehen sich nur noch 26 Prozent aller Firmen nicht in der Lage vorherzusagen, wann die Produktion wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht (Januar: 41 Prozent). 35 Prozent erwarten dies bereits bis Jahresende, 39 Prozent hoffen im Laufe des kommenden Jahres darauf. 29 Prozent der Unternehmen in Schleswig-Holstein wagen keine Vorhersage zur Dauer der Corona-Lage. 39 Prozent rechnen noch 2021 mit Erreichung des Vor-Corona-Produktionsniveaus, 32 Prozent im kommenden Jahr.

Nur noch 18 Prozent der norddeutschen und der Betriebe in Schleswig-Holstein nutzen das Instrument der Kurzarbeit. Personalabbau haben sich in den kommenden drei Monaten nur sieben Prozent der Firmen im Norden vorgenommen (Schleswig-Holstein: zehn Prozent) – ein erfreulich starker Rückgang um zwei Drittel gegenüber Januar (21 Prozent). Insgesamt ist die Schaffung von rund 1200 zusätzlichen Jobs in der norddeutschen M+E-Industrie bis Anfang 2022 zu erwarten.

Die Kapazitätsauslastung aller Betriebe ist seit Januar um fast zehn Prozent auf 87,2 Prozent gestiegen. Sie liegt damit exakt auf dem Niveau vom Frühjahr 2019, aber noch rund zweieinhalb Prozent unter dem Wert vom Frühjahr 2018. Immer noch 15 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Geschäftslage als unbefriedigend oder schlecht (Schleswig-Holstein: 16 Prozent). Mit Abstand am härtesten trifft es weiterhin den Straßenfahrzeugbau, dessen Betriebe im Norden die Geschäftslage zu 33 Prozent als unbefriedigend oder schlecht bezeichnen, gefolgt von den Herstellern der Luft- und Raumfahrzeugindustrie (22 Prozent) sowie Werften/Schiffbau und industrienahen Dienstleistungen (20 Prozent). Bei 61 Prozent der Unternehmen reicht der Auftragsbestand für sechs Monate und mehr (Januar: 49 Prozent), nur bei 16 Prozent liegt er unter zwei Monaten (Januar: 36 Prozent).

Erstmals haben die norddeutschen M+E-Firmen vor dem Hintergrund des raschen Strukturwandels auch Auskunft über ihren Qualifikationsbedarf gegeben. Immerhin 35 Prozent rechnen mit mittlerem Potenzial (Anpassungsqualifikation), 13 Prozent mit hohem Bedarf (Umschulung). 46 Prozent erachten nur geringe Erhaltungsqualifikationen als notwendig, nur sechs Prozent erwarten extrem hohen Qualifizierungsbedarf, der auch den Arbeitsplatz gefährden könnte.

Folkmar Ukena warnt vor dramatischem Azubischwund. Foto: Christian Augustin

Folkmar Ukena warnt vor dramatischem Azubischwund. Foto: Christian Augustin


Text-Nummer: 148285   Autor: Nordmetall/Red.   vom 08.11.2021 um 10.28 Uhr

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