Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.

Die Seele des Kammermusikfests ist verstorben

Lübeck: Mit Evelinde Trenkner ist am 22. November im Alter von 88 Jahren eine Institution des Lübecker Musiklebens gestorben. Die schon in jungen Jahren international erfolgreiche Pianistin und Professorin an der Musikhochschule gründete 1988 das Internationale Lübecker Kammermusikfest und war dessen Leiterin, bis ihm die Corona-Pandemie vor zwei Jahren ein Finale setzte.

Aus einem musikalischen Elternhaus stammend, war Evelinde Trenkner ihrer großen Begabung wegen schon während des Studiums „das Wunderkind von Weimar“ und gastierte früh vor allem in Asien und in der Sowjetunion. Daraus ergaben sich die Kontakte, die sie internationale Stars wie die Cellistin Natalja Gutman, den Geiger Oleg Kagan oder den Pianisten Alexander Markovich in die Hansestadt holen ließ. Viele andere Künstler gaben sich während der drei Kammermusikfest-Tage am Himmelfahrt-Wochende ein Stelldichein: Pianisten, Trios und vor allem auch junge Streichquartette. Und sie gab Talenten aus der Hochschule die Möglichkeit zum Auftreten.

Auslöser des Kammermusikfests mit dem Untertitel „Musik der Kaisderzeit“ war die Gründung der Philip und Xaver Scharwenka-Gesellschaft, die das Erbe der seinerzeit erfolgreichen Pianisten- und Komponisten-Brüder pflegt. Die Seele der Gesellschaft wie des Kammermusikfestes war Evelinde Trenkers Mann Hermann Boie, ein Jurist und ausgezeichneter Musikkenner, der die Konzerte im Kolosseum mit Humor moderierte.

Die Pianistin trat in allen ihren Kammermusikfesten auch selbst auf, meist mit ihrer Duo-Partnerin Sontraud Speidel, mit der sie in den vergangenen Jahrzehnten viele Raritäten auf Tonträger eingespielt hat: Kontinuierlich entstanden die vierhändigen Klavier-Fassungen aus der Kaiserzeit etwa von Beethoven-, Bruckner- und Mahler-Sinfonien, die nun das musikalische Erbe einer ungewöhnlichen Musikerin bewahren.

Evelinde Trenkner (Mitte) spielte mit Natalja Gutman und Oleg Kagan das Tanejew-Klaviertrio beim Konzert 1989 im Kolosseum.

Evelinde Trenkner (Mitte) spielte mit Natalja Gutman und Oleg Kagan das Tanejew-Klaviertrio beim Konzert 1989 im Kolosseum.


Text-Nummer: 148595   Autor: Güz.   vom 24.11.2021 um 12.16 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.