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Gedanken zum dritten Advent

Lübeck: Archiv - 11.12.2021, 08.49 Uhr: In ihren Gedanken zum Wochenende geht Pastorin i.R. Ellen Naß auf die Vorweihnachtszeit ein. Für viele Menschen ist das eine stressige Zeit, in der Geschenke gekauft und die Wohnung dekoriert wird. Ellen Naß erinnert an die ursprüngliche Bedeutung der Adventszeit.

Vor vielen Jahren, als die Kinder noch klein waren und ich im Erziehungsurlaub, wollte mein Mann plötzlich am Tag vor dem Heiligen Abend – der in dem Jahr auf den 4. Advent, also einen Sonntag fiel – plötzlich in die Stadt fahren. Ich konnte mir nicht erklären, was er dort wollte – es war für mich der eine Tag im Jahr, an dem man auf keinen Fall einkaufen gehen sollte. Er wollte auch gar nicht einkaufen – er wollte nur zusehen, wie andere sich abhetzten, auf der Suche nach den letzten Geschenken, der schönsten Dekoration.

Unsere Kinder haben damals natürlich Geschenke bekommen, die hatten wir aber schon lange besorgt, und wir Erwachsenen schenkten uns schon seit Jahren nichts. Das war sein Vorschlag gewesen, und dieser Entschluss sorgte dafür, dass selbst in den Jahren, als ich dann als Pastorin gearbeitet habe und in der Adventszeit viel zu tun hatte, wir sehr viel weniger gestresst waren als die meisten anderen Menschen, denen ich begegnete.

Ich frage mich deshalb immer wieder, WARUM wir uns eigentlich zu Weihnachten beschenken, oft mit Dingen, die der oder die andere gar nicht braucht und auch nicht will. Wenn ich die Werbung im Fernsehen um diese Jahreszeit sehe, würde ich mich über die meisten der dort beworbenen Dinge nicht freuen, auch wenn sie angeblich für mein Alter gedacht sind.

Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu, und zum Geburtstag bekommt man Geschenke, so lautet eine Erklärung für das Schenken. Natürlich sind es nicht wir, die Beschenkten – bis auf wenige Ausnahmen – die an diesem Tag Geburtstag haben, aber in Jesu Auftrag machen wir uns gegenseitig eine Freude, so wird es gerne erklärt.

Außerdem bekam Jesus zu seiner Geburt auch Geschenke. Die Weisen aus dem Orient brachten ihm Weihrauch, Myrrhe und Gold. Myrrhe und Weihrauch sind Baumharze, Weihrauch kennen wir aus der katholischen Kirche, Myrrhe wurde unter anderem als entzündungshemmendes Medikament eingesetzt. Alle Geschenke waren wertvoll.

Aber auch die Hirten waren willkommen. In den Krippenspielen bringen auch sie immer Geschenke mit; in der Bibel wird davon nichts berichtet. So unbedingt gehören Geschenke zum Weihnachtsereignis also gar nicht dazu.

Morgen feiern wir den 3. Advent. Die Adventszeit war eigentlich eine Zeit der Umkehr, des inneren und vielleicht auch des äußeren Aufräumens, eine Zeit der Besinnung und der Stille. Das sagen auch noch viele Menschen, dass sie sich das für diese Zeit wünschen: Besinnlichkeit. Doch dann kommt der Stress, die Vorbereitungen, und ehe wir es genau bemerken, ist Weihnachten da, sind wir erschöpft von all der Arbeit. „Weihnachten ist ein Fest für Kinder“, so hat es im Fernsehen neulich jemand gesagt – wir anderen haben damit anscheinend nur Arbeit und Mühe.

Deshalb möchte ich Mut machen, es einmal mit weniger zu versuchen. Man muss es ja nicht gleich so gründlich machen wie mein Mann (und dann so mitleidig auf andere herabsehen, wie er es damals getan hat), aber man kann sich ja fragen, ob das, was ich plane, wirklich notwendig ist.

Muss wirklich diese zusätzliche Dekoration sein, dieses aufwändige Weihnachtsessen, noch ein oder zwei Geschenke mehr? Müssen so viele Plätzchen gebacken werden, die letztlich dann doch zu viel sind, noch eine Überraschung mehr geplant? Ich kann aus Erfahrung sagen, dass Weihnachten auch mit weniger schön sein kann.

Die Hirten wurden mitten bei ihrer Arbeit in der Nacht von Gottes Herrlichkeit überrascht, weil Jesus geboren wurde. Wir sollten vor lauter Festvorbereitungen nicht diese Herrlichkeit Gottes übersehen, die zu Weihnachten zu uns gekommen ist.

Pastorin i.R. Ellen Naß mach Mut, Weihnachten mit weniger Dingen und weniger Hektik zu feiern.

Pastorin i.R. Ellen Naß mach Mut, Weihnachten mit weniger Dingen und weniger Hektik zu feiern.


Text-Nummer: 148916   Autor: red.   vom 11.12.2021 um 08.49 Uhr

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