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Kerzen leuchten für verstorbene Kinder

Lübeck: Archiv - 11.12.2021, 10.45 Uhr: Der zweite Sonntag im Dezember ist der Weltgedenktag für verstorbene Kinder - in diesem Jahr ist es der 12. Dezember. In aller Welt werden an diesem Tag Kerzen zum Gedenken entzündet. Im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg findet ein zentraler Gottesdienst für Eltern und Angehörige in der St.-Lorenz-Kirche in Lübeck statt.

Pro Tag sterben in Deutschland etwa 50 Kinder und Jugendliche. Das sind 20.000 Fälle pro Jahr - und hinter jedem einzelnen Schicksalsschlag stehen Eltern, Geschwister, Verwandte und Freunde, deren Schmerz schier grenzenlos ist. Julia Herrmann und Michaela Binge kennen dieses Gefühl der Ohnmacht, der Fassungslosigkeit und der quälenden Fragen. Seit Jahren engagieren sich die beiden Lübeckerinnen in Selbsthilfe- und Trauergruppen verwaister Eltern. Einmal im Jahr organisieren sie einen Gottesdienst, in diesem Jahr erstmals mit der neuen Trauer- und Hospizseelsorgerin des Kirchenkreises, Mareike Hansen.

„Die Advents- und Weihnachtszeit ist am schwersten“, sagen die beiden verwaisten Mütter. Es ist die Zeit, in denen die Menschen, Familien näher zusammenrücken. Es ist die Zeit der Traditionen, des Miteinanders „und es ist die Zeit, in der man so sehr spürt, dass ein Platz am Tisch oder auf dem Sofa für immer frei bleiben wird“, sagt Michaela Binge. Vor mehr als zehn Jahren wurde ihre damals noch junge Tochter aus dem Leben gerissen. „Ich habe meinen Glauben nicht in Frage gestellt, aber nach dem Tod meiner Tochter war es doch eine intensive und kritische Auseinandersetzung mit Gott. Eltern bitten immer um die schützende Hand Gottes für ihr Kind - und dann wird meiner Familie und mir das Kind genommen“, berichtet die 50-Jährige.

Sie suchte Hilfe - das Gespräch, den Austausch mit anderen verwaisten Eltern. „Das hat so unsagbar geholfen, mit der Trauer umzugehen“, sagt Michaela Binge. Von dieser Unterstützung in einer Zeit, die so schmerzhaft ist, wie kein Außenstehender nachzuempfinden vermag, will die Lübeckerin etwas zurückgeben. „Ich möchte für andere Betroffene da sein, weil ich weiß, was sie fühlen.“ Eine Motivation, die auch Julia Herrmann als ehrenamtliche Mitarbeiterin bis heute antreibt.

Unterschiedliche Trauergruppen werden durch den Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg angeboten: für verwaiste Eltern, für Angehörige von Kindern und Jugendlichen, die durch Suizid verstorben sind, und für Eltern von Sternenkindern. In keiner der Gruppen geht es allerdings darum, das Kind gedanklich loslassen, sondern der eigenen Trauer und Fragen einen Raum zu geben. „Ein Kind wird immer fester Bestandteil des eigenen Lebens sein“, beschreibt Julia Herrmann. Ihr Sohn, der als junger Erwachsener aus dem Leben schied, sei immer bei ihr. „Heute ist er so etwas wie ein Schutzengel.“

Der Gottesdienst, der am 12. Dezember 2021 für verwaiste Eltern, Geschwister und Freunde in der St.-Lorenz-Kirche in Lübeck ausgerichtet wird, knüpft daran an. „Aus den vergangenen Jahren wissen wir, wie nah uns allen die Kinder bei dieser Andacht sind. Es ist ein Ort, an dem wir uns treffen - in unseren beiden Welten, die in diesem Rahmen ineinandergreifen“, berichten die beiden Mütter.

In diesem Jahr steht der Gottesdienst unter dem Schwerpunkt „Der Leuchtturm mit seinem Licht”. „Wir werden Kerzen für jedes verstorbene Kind entzünden und dessen Namen verlesen“, kündigt Pastorin Mareike Hansen an. Für die Trauer- und Hospizseelsorgerin ist dies elementar wichtig: „Nach einer bestimmten Zeit wird häufig nach dem Verlust nicht mehr über das verstorbene Kind im Alltag gesprochen. Für die Hinterbliebenen ist es aber so so wichtig, dass der Name des Kindes gehört wird.“ Drei Eltern werden in dem Gottesdienst ihre persönliche Geschichte erzählen. Musikalisch wollen Elisabeth Oltzen, Esther Jung und Lukas Kowalski aus Hamburg mit Gesang, Querflöte und Gitarre akustisch Trost und Hoffnung spenden. Beginn des Gottesdienstes ist um 19 Uhr in der St.-Lorenz-Kirche, Steinrader Weg 11a, in Lübeck. Es gelten die an diesem Tag aktuellen Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

Entstanden ist die Idee des weltweiten Kerzenleuchtens für verstorbene Kinder übrigens in den USA. Dort hatte eine Vereinigung verwaister Eltern und Angehöriger den ersten zentralen Gottesdienst 1996 am 12. Dezember gefeiert. In Deutschland übernahmen Mitglieder der „Sternkinder-Eltern im Netz“ den Gedenktag erstmals 1999.

Michaela Binge, Pastorin Mareike Hansen und Julia Herrmann laden zum Gottesdienst für Eltern verstorbener Kinder ein. Foto: KKLL-bm

Michaela Binge, Pastorin Mareike Hansen und Julia Herrmann laden zum Gottesdienst für Eltern verstorbener Kinder ein. Foto: KKLL-bm


Text-Nummer: 148918   Autor: KKLL   vom 11.12.2021 um 10.45 Uhr

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