Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.

Warum rutschen wir in das neue Jahr?

Lübeck: Archiv - 31.12.2021, 09.02 Uhr: In diesen Tagen wünschen sich die Menschen einen "Guten Rutsch!". Pastorin i.R. Ellen Naß stellt diesen Spruch in den Mittelpunkt ihrer Gedanken zur Jahreswende.

Guten Rutsch“, das wünschen einige von uns anderen Menschen zum Jahresende. Es klingt gut, und wenn es draußen so glatt ist wie es über Weihnachten war, dann passt es sogar. Trotzdem fand ich den Ausdruck immer bemerkenswert.

Letztlich rutschen wir ja von einem Jahr in das nächste. Sicher hätten wir ohne Corona gefeiert, um Mitternacht angestoßen und das Neue Jahr begrüßt – aber der Rest des Jahres ist dann doch eher wirklich ein Rutschen, von einem Tag zum nächsten, und plötzlich ist dann schon wieder eine Woche, ein Monat vergangen. Man erinnert sich kaum, was man eine Woche vorher getan hat, was man z.B. zum Mittag gegessen hat. Man „rutscht“ so durch die Tage.

Wenn jetzt im Fernsehen und im Radio die Jahresrückblicke sind, dann fragt man sich oft: War das wirklich erst in diesem Jahr? Vieles von dem, was als wichtig gilt, hat man schon fast vergessen, es scheint unendlich lange her zu sein – der Sturm auf den Kongress, die Flut im Ahrtal, die Bundestagswahl. Nur Corona hat nicht an Bedeutung verloren, es bestimmt unser Leben im Moment gerade wieder sehr.

Es ragen nur die Festtage heraus, so wie heute Silvester, wie Ostern, Weihnachten, Urlaub und vielleicht noch der Geburtstag – oder vielleicht noch traurige Zeiten, der Krankheit, einer Trennung.

„Tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst, das am Morgen blüht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt“, so wird unsere Zeit hier in diesem Leben in Psalm 90 beschrieben, so kommt es uns oft vor, so habe ich den Wunsch „Guten Rutsch“ oft empfunden.

Vielleicht feiern wir deshalb so gerne so laut und so viel an Silvester, weil wir uns an diesem Tag unserer Vergänglichkeit ganz besonders bewusst werden. Am Geburtstag werden wir natürlich auch ein Jahr älter, aber das sind nur wir – am Jahresende betrifft es uns alle, das alte Jahr vergeht, ein neues kommt. Wir hoffen, dass das Neue genauso gut, besser oder mindestens nicht schlechter als das Alte sein wird, dass wir in nichts Unangenehmes oder Trauriges hineinrutschen.

Irgendwann habe ich dann gelernt, dass „guten Rutsch“ gar nichts mit rutschen zu tun hat. Es ist ein Wort, dass aus dem Jiddischen stammt, der Sprache der Juden aus dem Osten. „Rosch“ ist das hebräische Wort für Kopf oder Anfang, mit ein wenig Akzent wurde „Rutsch“ daraus, so dass wir uns mit diesen Worten einen guten Anfang, ein gutes Neues Jahr wünschen.

So vergehen unsere Jahre dann doch nicht wie ein Schlaf, wie ein Traum, durch den wir ohne Einfluss und ohne viele Entscheidungen rutschen. Ein guter Anfang bedeutet, dass auch etwas endet, dass wir die Chance haben, etwas zu beenden, anderes, besseres zu beginnen.

Vor Gott sind tausend Jahre wie ein Tag, aber Er ist es, der uns durch die Zeiten begleitet – auch wenn sie für ihn kurz sind – Er kann uns Mut geben, loszulassen und neu zu beginnen. Er ist durch alle Zeiten derselbe, Er wird auch uns helfen, Altes aufzugeben und Neues zu beginnen, wird uns stärken, Mut und Freude geben, auch in Coronazeiten.

Guten Rutsch!

Pastorin i.R. Ellen Naß wünscht einen Guten Rutsch in das Jahr 2022!

Pastorin i.R. Ellen Naß wünscht einen Guten Rutsch in das Jahr 2022!


Text-Nummer: 149215   Autor: red.   vom 31.12.2021 um 09.02 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.