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Lübecker Museen verzeichnen Anstieg der Besucher

Lübeck: Archiv - 11.01.2022, 14.39 Uhr: Mit etwas über 100.000 Besucher schneidet die Bilanz der Lübecker Museen für das Jahr 2021 trotz mehrerer Monate des Lockdowns zu Jahresbeginn mit einem Plus von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab. Außerdem gaben die Museen einen Ausblick auf das neue Jahr.

Dabei konnte sich vor allem das Museumquartier St. Annen um 43 % steigern, was auf die Ausstellung „Cranach – Kemmer – Lübeck“ rund um den bislang nahezu unbekannten Lübecker Maler Hans Kemmer im Dialog mit seinem berühmten Lehrmeister Lucas Cranach d.Ä. im St. Annen-Museum (Laufzeit noch bis 6. Februar 2022) sowie die Kunsthalle St. Annen mit ihrer Ausstellung rund um das malerische Schaffen von Weltstar Armin Mueller-Stahl zurückzuführen ist. Das stets gut besuchte St. Annen-Museum konnte seine Besucherzahlen um 20 % steigern, während der Kunsthalle St. Annen im Vorjahresvergleich sogar ein Sprung von 77 % nach oben gelungen ist. Des Weiteren verzeichnete das Buddenbrookhaus einen Besucherzuwachs von satten 57 % im Vorjahresvergleich. „Augenscheinlich hat sich dessen Interimsausstellung ‚Buddenbrooks im Behnhaus‘ nun bei den Besucher etabliert“, vermutet Wißkirchen. Auch das Museum Behnhaus Drägerhaus, das mit seiner Jubiläumsausstellung punktete, konnte ein Plus von 16 % gegenüber dem Jahr 2020 erreichen. Gut angenommen wurde zudem die Abendveranstaltung „Wir bleiben auf!“, die als Ersatz für die 2021 erneut pandemiebedingt abgesagte Museumsnacht einen entspannten Museumsbesuch in nächtlicher Atmosphäre ermöglichte.

Das Jahr 2022 in Lübecks Museen

Ein großes Thema wird im Jahr 2022 „Afrika“ sein, da ausgehend von Objekten der Lübecker Völkerkundesammlung rund um den Kontinent gleich drei Sonderausstellungen geplant sind, die sich neben dem stets präsenten Aspekt des Kolonialismus verschiedenen Fragestellungen widmen: Um Tiere in der afrikanischen Kunst geht es zum Auftakt im und gemeinsam mit dem Museum für Natur und Umwelt ab 14. Januar unter dem Titel „Macht und Magie - Tiere in den afrikanischen Kulturen“, religiöse Kunst steht ab 23. April bei „Du sollst dir kein Bildnis machen“ im St. Annen-Museum im Vordergrund und die in diesem Zusammenhang zentrale Kolonialismusdebatte stellt ab dem Herbst das Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk bei seiner Suche nach afrikanischen Spuren in Lübeck („Afrika in Lübeck“) noch einmal gesondert in den Mittelpunkt. Im Zentrum aller drei Teilausstellungen stehen die afrikanischen Kunstwerke aus der Nachlassschenkung Muhlack, die die Völkerkundesammlung zu Beginn des vergangenen Jahres erhielt. Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Häuser des Museumsverbundes ermöglicht hierbei eine Betrachtung der Kunstwerke aus verschiedenen Blickwinkeln.

Das Günter Grass-Haus hat zum Jahresauftakt gleich zwei Eisen im Feuer: Voraussichtlich im Februar wird die neue Dauerausstellung eröffnet, die völlig neu und modern konzipiert in die Welt und die verschiedenen Lebensstationen von Günter Grass einlädt und dabei mit vielen originalen Exponaten des Literaturnobelpreisträgers punktet. Ab 6. März nimmt das Museum zudem in einer Sonderausstellung rund um die finnische Malerin, Karikaturistin und Schriftstellerin Tove Jansson, bekannt durch die Mumins, eine starke Frau in den Blick. Im Oktober kooperiert das Museum im Rahmen der Ausstellung „Indienbilder“ mit der Völkerkundesammlung. Darin geht es um die Darstellung Indiens im Werk von Günter Grass und anderer Reisender im Lauf der Jahrhunderte. Darüber hinaus feiert das Günter Grass-Haus Mitte Oktober sowohl den 95. Geburtstag seines berühmten Namensgebers als auch sein 20 jähriges Bestehen als Museum.

Am 13. März nimmt das Museum Behnhaus Drägerhaus nach fast drei Monaten sanierungsbedingter Schließung in den Räumen des Drägerhauses mit der Sonderausstellung „Von Caspar David Friedrich bis Edvard Munch“ den musealen Betrieb wieder auf. In der Schau sollen komprimiert ausgewählte Highlights der Sammlung präsentiert werden. Am 14. April zieht dann das Buddenbrookhaus nach: In einer etwas konzentrierteren und den neuen Räumlichkeiten angepassten Variante ist ab diesem Termin in der Festraumfolge des Drägerhauses wieder die Interimsausstellung „Buddenbrooks im Behnhaus“ zu sehen.

Um selbstbestimmte Frauen und ihre künstlerischen Perspektiven geht es ab dem 19. März in der Kunsthalle St. Annen, wo die scheidende Leiterin Dr. Antje-Britt Mählmann in ihrer letzten eigens für Lübeck kuratierten Ausstellung entgegen üblicher Konventionen den Fokus einmal auf Modefotografinnen von der Moderne bis zum digitalen Zeitalter legt. Gibt es einen spezifisch weiblichen Blick auf Mode und Frauen? Fragen wie dieser geht die Schau nach. Dabei sollen unter anderem queere und feministische Identitätsentwürfe ebenso Teil der Ausstellung sein wie die heutige Selbstinszenierung junger Frauen unter dem Einfluss der sozialen Medien. Einen spektakulären Blick wirft der Museumsverbund ab dem 20. Mai auf das Wahrzeichen Lübecks, wenn vor dem Holstentor eine begehbare Camera Obscura des Künstlers Martin Streit aufgebaut wird, die das Bauwerk buchstäblich „auf dem Kopf“ stehen lässt. Nach dem Kölner Dom ist das Holstentor das zweite große Wahrzeichen, das mit einer Camera Obscura auf diese Art neu erlebbar gemacht wird. Mit einer Gesamtgröße von 13,6 m Länge, 2,40 m Breite, einer Höhe von 5,20 m und einem Gewicht von ca. 13 Tonnen dürfte das Konstrukt zum Highlight für Lübecker und Touristen gleichermaßen werden. Begleitend dazu gibt das St. Annen-Museum mit einer Ausstellung einen Überblick über das Schaffen des Kölner Malers und Fotografen Martin Streit.

Um Industriekunst geht es ab dem 13. Mai im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk, wo Radierungen des eher unbekannten Industriekünstlers Dirk van Hees anlässlich des 25-jährigen Werksjubiläums des Hochofenwerks im Jahre 1930 gezeigt werden. Dabei soll nicht nur die Kunst an sich im Vordergrund stehen, die Radierungen sollen auch in einen historischen Kontext gesetzt werden.

Kunst mit einem ganz anderen Fokus gibt es ab dem 24. Juli dagegen in der Kunsthalle St. Annen zu sehen: Unter dem Titel „Farbe im Kopf“ werden die Arbeiten der in Utrecht lebenden Künstlerin Marliz Frencken rund um den menschlichen Körper, Weiblichkeit, Mutterschaft und die psychische Situation des Individuums in der Gesellschaft präsentiert. Zudem hat sich Frencken zusammen mit ihrem Ehemann, dem Entertainer Hans Liberg, eine eigene Kunstsammlung aufgebaut, die ebenfalls zu sehen sein wird – darunter Werke von berühmten Künstlern wie George Condo, Marlene Dumas, Alex Katz, Rosa Loy oder Thomas Ruff.

Um Insekten und ihre immense ökologische Bedeutung geht es ab dem Sommer in der Ausstellung „Facettenreiche Insekten – Vielfalt, Gefährdung, Schutz“ im Museum für Natur und Umwelt. Die große interaktive Wanderausstellung weckt das Interesse an den faszinierenden Sechsbeinern, klärt über ihren Rückgang auf und berichtet über mögliche Lösungsansätze. Sie richtet sich alle Altersgruppen, bezieht Menschen jeden Wissensstandes in die Diskussion ein und lädt ein an Schutzmaßnahmen teilzunehmen, um dem Schwund an Biodiversität entgegenzuwirken. Die Ausstellung wurde gemeinsam von Naturkundemuseen des Museumsverbundes der Nord- und Ostsee Region e.V. (NORe) entwickelt, darunter auch das Lübecker Museum für Natur und Umwelt.

Heinrich Manns Roman „Der Untertan“ stellt das Buddenbrookhaus ab dem 10. September in den Fokus einer neuen Sonderausstellung, die in den Räumen des St. Annen Museums zu sehen sein wird. Die Schau behandelt unter anderem die im Roman zentralen und bis heute aktuellen Themen wie Macht, Autorität, Gehorsam, Patriarchat, Zensur und Antisemitismus. Integrativer Bestandteil der Ausstellung werden zudem zahlreiche Schulkooperationsprojekte sein, in denen sich Schüler aus ganz Norddeutschland mit der Aktualität des Textes befassen.

Wie Tee Nordeuropa verändert und geprägt hat, zeigt die Ausstellung „Luxus, Lotterleben, Lifestyle“ im St. Annen-Museum ab dem 2. Oktober. Tee ist inzwischen das nach Wasser beliebteste Getränk der Welt und gilt vielen als treuer Alltagsbegleiter. Bunte Bubble-Tea-Läden erobern die Innenstädte und Matcha-Tea-Latte macht dem Latte-Macchiato Konkurrenz. Um den weiten Weg der aus China stammenden Teeblätter nach Europa ab 1610 bis hin zum heutigen Kultgetränk geht es in der Schau. Die spannenden Entwicklungen rund um Teehandel und -konsum werden präsentiert. Themen sind u.a. die Gründung der ersten Aktiengesellschaften und das Aufleben des Kolonialismus, die Erfindung von Porzellan, Samowaren und Teesieben, das Aufkommen einer sagenhaften China-Mode, Tee-Verbote, Thermoskannen, die Philosophie der Aufklärung und die Konkurrenz zu bisherigen Alltagsgetränken wie Bier und Wein. Stationen für alle Sinne machen die Ausstellung neben erlesenen Leihgaben zu einem ganzheitlichen Erlebnis.

In den Räumen der Kunsthalle St. Annen wird schließlich das Schaffen des amerikanischen Künstlers Matt Mullican ausgestellt, der in diesem Jahr den Possehl-Preis für Internationale Kunst erhält. Nach der Preisvergabe ist ab dem 29. Oktober Mullicans vielschichtiges Werk zu sehen, das von Installationen, Malerei und druckgrafischen Techniken bis hin zu bildhauerischen Arbeiten und Performances reicht.

Besonders die Ausstellung im St. Annen Museum war beliebt. Foto: JW

Besonders die Ausstellung im St. Annen Museum war beliebt. Foto: JW


Text-Nummer: 149381   Autor: Museen/red.   vom 11.01.2022 um 14.39 Uhr

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