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Kulturausschuss vor unlösbaren Aufgaben

Lübeck: Archiv - 14.02.2022, 21.09 Uhr: Zwei spannende Themen standen am Montag auf der Tagesordnung des Kulturausschusses: Die Rückgabe von wertvollen Stücken der Völkerkundesammlung und der Umgang mit den historischen Funden aus Groß Pampau.

Gleich am Anfang wurde schon klar, greifbare Ergebnisse würde es am heutigen Tag nicht geben. Ein Geschäftsordnungsantrag, die Dinge heute zu debattieren, aber nicht abschließend zu entscheiden, wurde mit Mehrheit angenommen. Danach folgte eine dreistündige Debatte, ohne Ergebnis. Die Ausschussmitglieder sind in zwei Fragen, die die Kulturdebatte in Lübeck zurzeit bewegen, weit auseinander.

Zunächst wurden die Wale von Groß Pampau aufgerufen. Der hochverdiente Grabungsleiter Gerhard Höpfner und sein designierter Nachfolger Andreas Malchow saßen bereits angespannt im Zuschauerbereich. Als sachverständige Bürger sollten sie später Rederecht erhalten.

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Gerhard Höpfner und Andreas Malchow nahmen als Zuschauer an der Sitzung teil.

Zunächst gab es aber Sachinformation von Jens Nitschke und Volker Reimers, den Leitern der Projektstudie zur Errichtung eines Umweltbildungszentrums in Lübeck. Die hatten vor Monaten den Auftrag bekommen, ein Haus unter Einbeziehung der Funde aus Groß Pampau zu entwerfen, und sahen sich jetzt mit der Lage konfrontiert, dass noch gar nicht klar ist, ob und in welchem Umfang die Funde der Stadt überhaupt gehören. Darüber gibt es Streit, und mit Grabungsleiter Gerhard Höpfner und Kultursenatorin Monika Frank prallten wahrhaft Giganten aufeinander. Die Spannungen im Saal waren förmlich spürbar und die Positionen schienen so festgefahren, dass eine Kompromisslösung kaum vorstellbar war. Zudem hat das Grabungsteam noch eine Option im Lauenburgischen, die sie mittlerweile offenbar favorisieren. In trockenen Tüchern ist diese Lösung aber auch noch nicht und so hängen die wertvollen Funde sprichwörtlich in der Schwebe.

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Jurist Hermann Junghans von der CDU kennt derartige Lagen aus seinem beruflichen Alltag und schlug in diesem Zusammenhang ein Mediationsverfahren vor. Über einen Prozess in dieser Sache würden sich nur die Anwälte freuen, denn fünfstellige Honorare und ein jahrelanges, nervenaufreibendes Gezerre mit ungewissem Ausgang wäre letzten Endes das, was absehbar dabei herauskommen würde.

Damit ist niemandem gedient, denn das Umweltbildungszentrum, nach Möglichkeit mit den Funden aus Groß Pampau als Alleinstellungsmerkmal, sollte nach jahrelangen Vorüberlegungen endlich auf den Weg gebracht werden. Das wünschen sich auch Ulrike Heindorf vom Förderverein des derzeitigen Museums für Natur und Umwelt und Reinhard Degener, der in Doppelfunktion für BUND und NABU vor Ort war. "Wir haben enorme gesellschaftliche Veränderungsprozesse vor uns", mahnte er. "Wir brauchen einen solchen Ort, an dem die Menschen durch mitdenken und mithandeln diesen Wandel begleiten."

Man kann nur gespannt sein, ob es noch einen sinnvollen Kompromiss in dieser Sache geben wird. Die Aussichten dafür sind nicht besonders rosig, von daher war Versammlungsleiter Detlev Stolzenberg auch froh, dass er das Gremium an diesem Tage nicht in eine Kampfabstimmung führen musste.

Dann kam eine ebenso schwierige Debatte über die Rückgabe von Kulturgütern an afrikanische Staaten. Auch die bewegt die Gemüter tief. Die Gemeinnützige Gesellschaft hatte sich zuletzt gemeldet, und eine Einbeziehung in den Entscheidungsprozess gefordert. Eine Stellungnahme der Gesellschaft befindet sich laut Versammlungsleiter Stolzenberg aber noch in der Abstimmung. Von daher scheint bisher nur eins klar zu sein. Ein Gutachten des Rechtsamtes, das auch im Ausschuss erläutert wurde, besagt, dass laut Vertrag von 1934 die Völkerkundesammlung eindeutig an die Hansestadt Lübeck übertragen wurde. Die Gemeinnützige ist..."nicht mehr Eigentümerin der Gegenstände und kann somit auch aus dieser Rechtsposition keine Rechte an den Gegenständen oder mit deren Umgang ableiten", heißt es in dem von Stephan Papke unterzeichneten Rechtsgutachten.

Trotzdem bleibt die Frage, wie nun mit den strittigen Objekten verfahren werden soll, und die Positionen stehen sich ebenso unversöhnlich gegenüber wie bei den Walen von Pampau.

Ein mit Sachverstand besetztes Symposium wurde von Manfred Prüß, dem zweiten Vorsitzenden der Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde gefordert, ein Vorschlag, der auch von FDP Kulturexperte Ulf Hansen bereits in die Diskussion eingeführt wurde.

Kultursenatorin Monika Frank ist da sehr skeptisch. "Machen Sie ruhig ihr Symposium, aber ich kann Ihnen versprechen, am Ende stehen wir wieder genauso da, wie heute."

Erst einmal wurden beide Entscheidungen vertagt, damit sind die Probleme aber leider nicht gelöst. Bei der nächsten Sitzung liegen sie wieder auf dem Tisch. Man kann sehr gespannt sein, ob sich bis dahin irgendetwas bewegt.

Im Original-Ton hören Sie ein Interview von Harald Denckmann mit Hermann Junghans zur Sitzung.

Detlev Stolzenberg moderierte die heftigen Diskussionen. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann

Detlev Stolzenberg moderierte die heftigen Diskussionen. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 149975   Autor: Harald Denckmann   vom 14.02.2022 um 21.09 Uhr

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