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Verleih uns Frieden

Lübeck: Archiv - 19.02.2022, 10.18 Uhr: Pastorin i.R. Ellen Naß geht in ihren Gedanken zum Wochenende auf ein Lied aus dem Jahr 1525 ein. "Verleih uns Frieden". Das sei nicht nur bei internationalen Konflikten ein wichtiger Wunsch, sondern auch im alltäglichen Zusammenleben.

Fast am Ende eines Gottesdienstes, zwischen dem Vaterunser und dem Schlusssegen, wird in vielen Gemeinden gesungen, nicht aus dem Gesangbuch, sondern auswendig, was für ungeübte Gottesdienstbesucher und Besucherinnen überraschend ist.

„Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine“, so lautet der gesamte Text des Liedes, das da gesungen wird. Text und Melodie stammen von Martin Luther aus dem Jahr 1525. Er hat es nach einem noch älteren Musikstück gedichtet, es ist ursprünglich wohl aus dem 9. Jahrhundert, und ist damit mehr als 1000 Jahre alt. Wenn wir es singen, stellen wir uns in diese jahrtausendealte Tradition.

Das Lied zeigt, dass wir Menschen uns schon immer nach Frieden gesehnt haben, dass Krieg und Streit gefürchtet und nicht gewollt waren. Frieden wurde erhofft nicht für irgendeine ferne Zukunft, sondern für die Gegenwart, für die eigenen Zeiten. Gleichzeitig wird gesagt, wie vergeblich im Grunde genommen die Hoffnung auf solchen Frieden ist. Nur Gott kann ihn schaffen, nicht wir Menschen. Dass nur Gott für uns streiten kann, darf man nicht missverstehen, so wie früher Soldaten in den Krieg zogen in dem Glauben, dass Gott auf ihrer Seite kämpft, der Gegner – ohne Gott auf seiner Seite – schon von vornherein verloren war. Es ist ein Missbrauch Gottes, und geholfen hat es auch nichts. Dass häufig beide Kriegsparteien in diesem Glauben kämpften, zeigt, wie Gott hier von Machthabern benutzt wurde, um ihre Untertanen zu motivieren.

In den letzten Wochen wurde immer wieder Kriegsgefahr heraufbeschworen. Russland soll an den Grenzen zum Westen viele Truppen zusammengezogen haben, deshalb fühlt sich die Ukraine bedroht. Da schon die Krim von Russland besetzt wurde, und auch die Ostukraine, ist die Angst sehr gut zu verstehen. Zwar ist die Ukraine nicht in der Nato, aber betroffen wären wir wohl auch. Ich kann mir vorstellen, dass deshalb Menschen morgen in den Gottesdiensten diese Zeilen viel bewusster singen.

Aber nicht nur der Krieg zwischen Völkern bedroht den Frieden. Heute erinnern wir uns an die Opfer, die auf den Tag genau vor zwei Jahren in Hanau erschossen wurden. Vorher gab es andere Taten, in Halle gegen die Synagoge, Mölln, Walter Lübcke, eine Aushilfskraft an einer Tankstelle, viele sind Opfer von Attentaten geworden. Das Internet ist voll mit Morddrohungen, Beschimpfungen, Beleidigungen, besonders gegenüber Ehrenamtlichen, Helfern und Kommunalpolitikern. Menschen nehmen für sich in Anspruch, sich und ihre Meinungen über das geltende Recht zu stellen.

Auch solch ein Verhalten bedroht den Frieden. Wenn keiner die Gesetze beachtet oder es keine gibt, dann herrscht das Recht des Stärkeren. Das ist auch etwas, was niemand will, weil Schwache und Benachteiligte leiden. Niemand hat das Recht, das Recht in die eigenen Hände zu nehmen.

Ob es Krieg gibt (und ich hoffe es nicht) zwischen Russland und der Ukraine können wir nicht beeinflussen. Aber wir können in unserer Umgebung versuchen, für Frieden zu sorgen. Wir können uns an die Gesetze halten, können rücksichtsvoll sein gegenüber anderen Menschen, anderen helfen und uns für sie einsetzen, können selbst im Internet freundlich und zuvorkommend sein.

Trotzdem wird es immer wieder zu Konflikten kommen. Deshalb sollen wir dieses Lied immer wieder singen, deshalb ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass nur Gott wirklich Frieden schaffen kann und darum zu bitten. Das entlastet uns bei Selbstvorwürfen, wenn es uns wieder einmal nicht gelungen ist – und gibt immer wieder neu Hoffnung auf eine bessere Welt.

Pastorin i.R. Ellen Naß stellt den Frieden in den Mittelpunkt ihrer Gedanken zum Wochenende.

Pastorin i.R. Ellen Naß stellt den Frieden in den Mittelpunkt ihrer Gedanken zum Wochenende.


Text-Nummer: 150047   Autor: red.   vom 19.02.2022 um 10.18 Uhr

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