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Neue Senatorin: Pia Steinrücke stellt sich vor

Lübeck: Archiv - 20.02.2022, 18.37 Uhr: Pia Steinrücke ist mit 24 Stimmen in der Bürgerschaftssitzung am 27. Januar 2022 gewählt worden. Die 49-Jährige arbeitete bisher als Stadträtin für Bildung, Jugend und Soziales in Lüneburg. In einem Interview stellt sie sich und ihre Planungen vor.

Stell Sie doch zu Beginn „Pia“ aus Ihrer Sicht einmal kurz vor.

Ich bin 49 Jahre alt und lebe mit meinem Labradorhund Bruno und meiner 23-jährigen Tochter Louisa zusammen, die zurzeit eine Ausbildung im UKE in Hamburg absolviert und ab September in England studieren wird. Privat bin ich einerseits gern in der Natur unterwegs. Ich wandere gern und fahre viel mit dem Fahrrad. Seit 1 ½ Jahren habe ich ein Lastenfahrrad, mit dem ich auch mal weitere Strecken mit Bruno fahren kann. Andererseits mag ich Städtetrips sehr gern. Berlin und Kopenhagen sind meine absoluten Favoriten. Ich bin großer Italienfan. Da ich gern koche, probiere ich gern alle möglichen italienischen Gerichte aus. Derzeit sind Südtiroler Spinat- und Rote Beete-Knödel mein Favorit. Meine liebsten Reiseziele für den Sommerurlaub sind die Toskana und Südtirol.

Was hat Sie besonders geprägt?

Was mich früh geprägt hat, war meine Situation als alleinerziehende, Vollzeit berufstätige Mutter. Hätte ich damals meine Familie nicht als Unterstützung gehabt, hätte ich diesen beruflichen Weg nicht gehen können. Aus heutiger Sicht hat meine Tochter sehr davon profitiert, eine Mutter zu haben, die für sich und die Kleinfamilie sorgen kann und muss. Deshalb ist es mir ein großes Anliegen, Teilhabe für alle Menschen zu ermöglichen und insbesondere Frauen darin zu bestärken, dass Familie und Beruf vereinbar sind.

Wie sehen Ihre beruflichen Stationen bisher aus?

Ich habe nach einer Orientierungsphase nach dem Fachabitur Sozialarbeit an der Fachhochschule in Düsseldorf studiert und mit einem Diplom abgeschlossen. Nach dem Studium habe ich meine berufliche Laufbahn bei der Stadtverwaltung Bocholt beim Jugendamt, im Allgemeinen Sozialen Dienst begonnen. Nach vier Jahren als Sozialarbeiterin im Allgemeinen Sozialen Dienst wurde ich Teamleitung eines Sozialraumteams. Nach weiteren 3 Jahren habe ich die Leitung des Geschäftsbereiches Soziale Dienste übernommen. Da mir sowohl die Beratung als auch die Leitung und das Management Spaß gemacht haben, habe ich berufsbegleitend sowohl ein Masterstudium Sozialmanagement an der Fachhochschule in Münster als auch eine Weiterbildung zur systemischen Beraterin beim KIB-Institut in Köln absolviert. Ende 2014 habe ich mich während der Erstellung meiner Masterarbeit auf die Fachbereichsstelle Soziales und Bildung bei der Hansestadt Lüneburg beworben. Dort bin ich nach einem erfolgreichen Auswahlverfahren im Mai 2015 diese Stelle angetreten. Ein Jahr später bin ich vom Rat der Hansestadt Lüneburg zur Sozial- und Bildungsdezernentin gewählt worden.

Sie arbeiten ab Mai dieses Jahres als Sozial- und Wirtschaftssenatorin in Lübeck - haben Sie das schon so richtig realisiert?

Ja, das habe ich. Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe, auf die Stadt und die Kolleginnen und Kollegen in der Stadtverwaltung. Ich habe nach den ersten Gesprächen den Eindruck, dass ich gut in diese Stadt passe. Gerade bin ich intensiv auf Wohnungssuche und fahre so oft es geht nach Lübeck, um die Stadt und die Menschen besser kennenzulernen.

Waren Sie schon mal in Lübeck?

Ja, schon mehrmals. Vor einigen Jahren mit meinen Freundinnen für ein Wochenende. Damals hat mir die Stadtführung durch die Altstadt gut gefallen. Seitdem ich in Lüneburg lebe, ist Lübeck immer mal wieder Ausflugsziel für einen Tagestrip gewesen. Dabei haben mich sowohl das Hansemuseum als auch das Willy-Brandt-Haus beeindruckt.

Wir war Ihr erster Eindruck von der Lübecker Bürgerschaft?

Besonders fand ich, dass es sehr lebendig und quirlig war. Dass es kritische Stimmen gab, gehört dazu und macht deutlich, dass es eine sehr engagierte Bürgerschaft ist. Ich finde, das ist eine gute Basis für demokratische Entscheidungsprozesse. Persönlich hatte ich positive und freundliche Begegnungen, auch mit denjenigen, die mich nicht gewählt haben. Das ist doch erst einmal eine gute Basis für die zukünftige Zusammenarbeit.

Sie wirkten bei Ihrer Vorstellung sehr sicher und entschlossen, woher kommt das?

In der Tat war ich sehr entschlossen, die Bürgerschaft und im ersten Schritt die SPD von mir zu überzeugen. Wenn ich etwas möchte, wenn ich für etwas „brenne“, dann setze ich mich sehr entschlossen und klar dafür ein. So war es hier auch. Dass ich sicher gewirkt habe, freut mich. Ich muss aber zugeben, dass ich vor der Bürgerschaftssitzung ganz schön aufgeregt war.

Sie haben bei Ihrer Vorstellung betont, dass „Teilhabe“ und „soziale Integration“ für Sie von zentraler Bedeutung sind – was meinen Sie damit konkret?

Eine besondere Herausforderung in allen Themenfeldern und bei der Beteiligung ist es, diejenigen zu erreichen und zu überzeugen, die sich nicht dazugehörig und „abgehängt“ fühlen, die Politik und auch kommunalem Handeln misstrauisch und ablehnend gegenüberstehen. Diese Menschen mitzunehmen, ernst zu nehmen und sie zu überzeugen, ohne die eigenen Werte zu verraten, sehe ich als die notwendige Aufgabe in den kommenden Jahren, damit der gesellschaftliche Zusammenhalt erhalten und gesichert bleibt. Diese Erkenntnis ist für mich wesentlicher Motor. Teilhabe für alle als Leitmotiv in der Stadtentwicklung, sei es beim Thema Bildung, Wohnen, Mobilität oder Arbeit – dafür setze ich mich ein.

Was waren in Lüneburg als Stadträtin Ihre größten Herausforderungen?

Die größte Herausforderung war die Bewältigung der sogenannten Flüchtlingskrise. Ich war neu in der Stadt und im Amt und war gleich dafür verantwortlich, dass die Unterbringung und Integration der Geflüchteten gelingt und die Stadtgesellschaft diese Verantwortung mitträgt. Es ist uns gemeinsam gut gelungen. Wir haben innerhalb kürzester Zeit Gemeinschaftsunterkünfte und dezentrale Wohneinheiten geschaffen, die Betreuungsquote der Flüchtlingssozialarbeit mit Landkreis und Land gut verhandelt und gemeinsam mit der gesamten Stadtgesellschaft ein Konzept „Integration und Teilhabe geflüchteter Menschen“ erarbeitet. Eine weitere Herausforderung war die notwendige Modernisierung des Dezernates, um den stetig wachsenden Anforderungen einer wachsenden Stadt gerecht zu werden. Ich habe eine umfassende Organisationsentwicklung initiiert und umgesetzt, gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in meinem Dezernat. Eine große Herausforderung angesichts des angespannten Wohnungsmarktes war der Umgang mit einer massiv steigenden Zahl an Wohnungslosen. Auch hier haben wir gemeinsam mit Wohlfahrtsverbänden und Interessenvertretungen ein Konzept und neue Wohnformen auf den Weg gebracht.

Was wird in Lübeck ähnlich wie in Lüneburg sein?

Auch in Lübeck werde ich u.a. mit den Themen bezahlbarer Wohnraum und Vermeidung von Wohnungslosigkeit befasst sein. Was meine Arbeit in Lüneburg besonders geprägt hat, ist eine vernetzte Herangehensweise an die Themen und über Zuständigkeitsgrenzen hinweg gut miteinander zu arbeiten. Als Senatorin für Wirtschaft und Soziales wird das wesentlich sein: die Themen verzahnt und nicht konkurrierend angehen und die Akteure mit ein binden.

Und was wird wohl ganz anders sein als in Lüneburg?

Privat wird es für mich anders sein, weil ich zum ersten Mal seit der Geburt meiner Tochter allein den Umzug nach Lübeck plane und meine Tochter nun ihre eigenen Wege geht. Für sie ist aber natürlich trotzdem ein Zimmer eingeplant. Für mich ist das ein Wendepunkt und auch nochmal ein Antrieb, in einer größeren Stadt wirken und leben zu können. Lübeck hat zwar viel Ähnlichkeit mit Lüneburg wirkt aber großstädtischer, was sich mit Sicherheit auch auf die Arbeit auswirken wird. Da Lübeck anders als Lüneburg kreisfrei ist, werde ich in Lübeck mehr und intensiveren Kontakt zur Landesebene haben. Die hatte ich in Lüneburg zwar auch durch Mitgliedschaft in mehreren Gremien des Niedersächsischen Städtetages. In Lübeck wird es aber sicher direkter sein.

Was werden Ihre ersten Schritte als Sozial- und Wirtschaftssenatorin sein?

Zunächst einmal freue ich mich darauf, die Kolleginnen und Kollegen in der Stadtverwaltung kennenzulernen und mich zu informieren, was aus ihrer Sicht ansteht. Auch freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit den Senatorinnen, dem Senator und dem Bürgermeister. Ich möchte gern alle Akteure, mit denen ich zusammenarbeiten werde, aus Wirtschaft und dem Sozialbereich kennenlernen und ins Gespräch kommen. Thematisch werde ich mir zuerst die Abläufe und die Situation im Gesundheitsamt ansehen. Die Corona-Pandemie verlangt den Gesundheitsämtern bzw. deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel ab. Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Stadtgesellschaft und die Wirtschaft werde ich mir ansehen und dies angehen.

Das Thema „bezahlbarer Wohnraum“ ist Ihnen besonders wichtig! Warum und was wollen Sie in dem Bereich machen, damit die Situation in Lübeck besser wird?

Wohnen ist ein Menschenrecht und günstiger Wohnraum sichert die Teilhabe. Über eigene Flächen und Steuerung über städtebauliche Verträge können wir eine Quote von 30 Prozent sozialer Wohnungsbau sichern. Dies möchte ich gern gemeinsam mit der Bausenatorin und dem Bürgermeister angehen. Als Wirtschaftssenatorin möchte ich zudem überprüfen, welche Anreize wir schaffen können, damit Unternehmen günstigen Wohnraum für ihre Beschäftigten schaffen können. Das steigert die Attraktivität als Wirtschaftsstandort und sichert Teilhabe.

Pia Steinrücke wird ab 1. Mai neue Wirtschafts- und Sozialsenatorin in Lübeck.

Pia Steinrücke wird ab 1. Mai neue Wirtschafts- und Sozialsenatorin in Lübeck.


Text-Nummer: 150066   Autor: SPD/red.   vom 20.02.2022 um 18.37 Uhr

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