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Telefonischer Krisendienst: Grüner Antrag findet Mehrheit

Lübeck: Archiv - 03.03.2022, 10.05 Uhr: Mehr als 18 Millionen Bürger sind jährlich in Deutschland von einer psychischen Erkrankung betroffen. Die Corona-Pandemie und Krisen wie der Ukraine-Krieg verstärken ein ohnehin schon dramatisches Bild zusätzlich. Im Sozialausschuss am 1. März hat die Grüne Fraktion daher einen Antrag zur Einrichtung eines Lübecker Krisendienstes eingebracht, der Menschen in akuten psychischen und suizidalen Notlagen Hilfe anbieten soll. Dieser Antrag ist auf Unterstützung der Ausschussmehrheit gestoßen.

Puja Angelika Büche, Mitglied im Sozialausschuss:

(")Wir haben zwei öffentliche Fraktionssitzungen ausschließlich dem Thema der psychischen Gesundheit gewidmet. Zusammen mit Experten und Bürgern haben wir dabei Versorgungslücken aufgedeckt und Lösungsvorschläge erarbeitet. Das enorme Interesse an diesen Veranstaltungen hat zudem die hohe gesellschaftliche Relevanz des Themas unterstrichen. Unser Antrag zielt darauf ab, den Bedarf eines neuen Angebots in Form eines telefonischen Krisendienstes nach Vorbild anderer Städte wie Berlin, Hannover und Bremen, nun auch für Lübeck prüfen zu lassen, um Menschen in akuten psychischen Krisen zu helfen. Ich bin hocherfreut, dass wir für unseren Antrag einstimmige Zustimmung bekommen haben.(")

Gerade vor dem Hintergrund der Pandemie und der kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa, sei ein telefonischer Krisendienst nicht nur wichtig für Betroffene von psychischer Krankheit, sondern darüber hinaus für alle Bürger, die für ihre Sorgen und Probleme Lösungen suchen würden.

Puja Angelika Büche weiter:

(")Daher darf es nicht nur bei einer Prüfung der Bedarfslage bleiben. Sowohl medizinisch-therapeutische Experten, als auch Betroffene haben uns bei unseren Veranstaltungen zurückgemeldet, dass ein dringender Bedarf für den Ausbau des Kriseninterventionssystems in der Stadt Lübeck besteht. Träger wie die Brücke haben angeboten, an der Implementierung eines Lübecker Krisendienstes mitzuwirken. Wir freuen uns, dass die Prüfung der Bedarfslage noch im 3. Quartal 2022 abgeschlossen sein wird, sodass wir schnell auf die Bedarfe reagieren und endlich handeln können.(")

Bruno Hönel, Bürgerschaftsmitglied und Mitglied des Deutschen Bundestages:

(")Die Versorgungslage in Lübeck sieht auf dem Papier zwar gut aus, in der Realität fehlt es aber unter anderem an niedrigschwelligen und durchgängig erreichbaren Angeboten. Immer mehr Menschen brauchen in diesen Krisenzeiten Hilfe beim Umgang mit Belastungen und sollten diese Unterstützung unbürokratisch und ohne große Hürden erhalten. Dabei ist klar: Eine psychische Krise richtet sich nicht nach den Öffnungszeiten einer Beratungsstelle. Ganz grundsätzlich brauchen wir daher einen Ausbau der präventiven Angebote, eine breit angelegte Aufklärungs- und Entstigmatisierungskampagne sowie auf Bundesebene endlich eine grundlegend neu gedachte und moderne Bedarfsplanung in der ambulanten Psychotherapie. Die Wartezeiten für Therapieplätze müssen deutlich reduziert werden.

Letztendlich brauchen die Menschen direkt vor Ort ihre persönlichen, telefonischen und digitalen Anlaufstellen, was durch einen Ausbau und die Vernetzung der vorhandenen kommunalen Kriseninterventionsstrukturen passieren kann. Hierbei muss das Rad nicht neu erfunden werden: Es gibt gut erprobte Konzepte anderer Kommunen, die sich auch auf Lübeck übertragen lassen. Die Einrichtung eines durchgängig und schnell erreichbaren Unterstützungsangebotes kann aus meiner Sicht ein erster wichtiger Verbesserungsschritt für Lübeck sein. Unser Prüfantrag ebnet hierfür den Weg. In diesem Sinne möchte ich mich bei den beteiligten Fraktionen für die konstruktive Zusammenarbeit und den gemeinsamen Beschluss bedanken.(")

Puja Angelika Büche ist Mitglied im Sozialausschuss.

Puja Angelika Büche ist Mitglied im Sozialausschuss.


Text-Nummer: 150299   Autor: Grüne Fraktion/Red.   vom 03.03.2022 um 10.05 Uhr

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