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Historische Stunde: Erste Online-Sitzung im Rathaus

Lübeck: Archiv - 14.03.2022, 20.56 Uhr: Detlev Stolzenberg war zuversichtlich. Nach längerem rechtlichen Händel mit der Rathausverwaltung, das es sogar bis zum Verwaltungsgericht geschafft hat, stand am Montag endlich die lang ersehnte erste Hybridsitzung eines Bürgerschaftsausschusses an.

Erstritten hatte das der Kultur- und Denkmalsausschuss und Detlev Stolzenberg. Er durfte daher als Vorsitzender diese historische Sitzung leiten. Dass der Bürger über einen 'Livestream' ebenfalls Zugang zum Geschehen im Großen Börsensaal des Rathauses haben sollte, war für Detlev Stolzenberg eine besonders schöne Zugabe, haben sich doch die Unabhängigen, denen er angehört, maximale Transparenz der Rathausvorgänge ohnehin auf die Fahnen geschrieben. Seine Beharrlichkeit wurde im Vorfeld besonders gewürdigt von Wolfgang Neskovic von Fraktion21, der die vergangenen Ausschusssitzungen aufgrund pandemiebedingter Gefährdung gemieden hatte, und jetzt gut sichtbar aus dem Homeoffice der Sitzung zugeschaltet war.

Hier hören Sie ein Interview von Harald Denckmann mit Detlev Stolzenberg:


Gut sichtbar war auch eine professionelle Fernsehkamera, die mitten im Saal aufgebaut war und jeweils auf das gerade sprechende Ausschussmitglied geführt wurde. Die zugeschalteten Mitglieder und weitere Teilnehmer, beispielsweise vom Seniorenbeirat, erschienen auf der großen Leinwand an der Stirnseite des Saales.

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Dann ging es los im Saal, aber für die neugierigen Bürger an den Rechnern passierte erst einmal gar nichts. Der Livestream funktionierte nicht, die Bürger blickten in ein schwarzes Loch, in dem sich ein Windows-Kringel heftig drehte, aber nichts hervorbrachte. "Kann passieren", kommentierte Stolzenberg, "aber das kriegen die gleich hin."

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Das war richtig, etwa nach einer Viertelstunde kam plötzlich Bild und Ton für alle Haushalte. Die Bürger erlebten, wie die Tagesordnung festgeklopft wurde, erfuhren dass die Frage der Restitution von Kulturgütern erneut vertagt wurde und gelangten dann zum ersten großen Knackpunkt des Tages, der Einleitung der nächsten Schritte zur Verwirklichung der Neugestaltung des Museums für Natur und Umwelt.

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In dieser Frage hatte es jüngst einmal wieder schwer gekracht. Strafanzeigen gegen Bürgermeister, Kultursenatorin und Museumsleitung wurden auf den Weg gebracht. Darüber wurde im Kulturausschuss nicht verhandelt, aber die Frage stand im Raum, ob man denn weiterplanen kann, wenn nicht abschließend entschieden ist, ob die wertvollen Funde aus der Grube von Groß Pampau nun in das Museum integriert werden können oder nicht. Einige wollten noch ein halbes Jahr warten, bis die Eigentumsverhältnisse gerichtlich geklärt sind. Andere wiederum bemängelten, dass man mal wieder das Pferd vom Schwanz her aufzäumt. Erst muss klar sein, was ins Museum hineinkommt, dann kann man den Bau darum herum entwickeln. Mitten im babylonischen Sprachgewirr versagte dann auch noch die Technik. Wolfgang Neskovic hörte sich plötzlich im zehnfachen Echo reden. Wild wurden alle möglichen Knöpfe gedrückt, bevor irgendjemand beherzt einen Stecker zog. Dann war Stille und Detlev Stolzenberg ordnete eine Pause an.

Als Monika Schedel von den Grünen anschließend das ganze Projekt viel zu überdimensioniert fand und meinte, man sollte lieber erstmal eine dringend benötigte Stelle für das derzeitige Museum für Natur- und Umwelt schaffen, brach besonders bei den Sozialdemokraten leichte Verzweiflung aus. Senatorin Frank erinnerte daran, dass dieses von ihren Vorgängern geerbte Projekt bereits 10 Jahre lang durch die Lübecker Gremien hin und her bewegt wird und endlich einmal vorankommen muss.

Was wir jetzt anschieben, erläuterte Sozialdemokrat Peter Petereit, muss ohnehin erfolgen, ob die Wale nun nachher dabei sind oder nicht. Das sah am Ende auch die Mehrheit der Ausschussmitglieder so. Mit 7 Ja-Stimmen, 4 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen wird der Bürgermeister jetzt beauftragt, die nächsten Schritte zur Realisierung des großen Projektes einzuleiten. Für 42 Millionen soll alles machbar sein, was die bisherigen Gutachter vorgeschlagen haben. Das Buddenbrookhaus und seine jetzigen Kosten vor Augen haben einige Ausschussmitglieder dabei schon ein wenig Bauchgrimmen, wie sie freimütig bekannten.

Ein wenig Bauchgrimmen hatten die Ausschussmitglieder auch, was den Mitteleinsatz für die historische Hybridsitzung anging. Unbestätigten Gerüchten zufolge sollen die Kosten für das elektronische Spektakel bei rund 2.400 Euro gelegen haben.

Der Kulturausschuss wollte mit Technik pandemiekonform tagen. Fotos, O-Töne: Harald Denckmann

Der Kulturausschuss wollte mit Technik pandemiekonform tagen. Fotos, O-Töne: Harald Denckmann


Text-Nummer: 150521   Autor: Harald Denckmann   vom 14.03.2022 um 20.56 Uhr

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