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NDR-Konzert im Zeichen der Franzosen

Lübeck: Archiv - 26.03.2022, 12.55 Uhr: Es scheint in Mode zu kommen, ein Konzert einem Land zu widmen. Bei den Lübecker Philharmonikern war es jüngst Spanien, jetzt kam das NDR-Elbphilharmonie-Orchester mit Frankreich in die MuK: Ingo Metzmacher dirigierte Werke von Olivier Messiaen, Tristan Murail (*1947), Maurice Ravel und Claude Debussy – allesamt „Programm-Musik“, denn jedes hat ein Thema. Das kann sehr spannend werden.

Messiaens Erstlingswerk, die symphonische Meditation „Les Offrandes oubliès“ über drei Kirchenfenster, nahm Metzmacher intensiv, entwickelte Phonstärke und entsprach wohl im wilden Mittelsatz („Die Sünde“) am besten den Intentionen des Komponisten, während die beiden anderen technisch ausgefeilt, doch allzu nüchtern ausgebreitet wurden.

Der Dirigent, ein ausgewiesener Experte der Moderne, war in seinem Element bei Murails Klavierkonzert „Le Désenchantement du Monde“. Das vor zehn Jahren für Pierre-Laurant Amard – er war auch hier der Solist – geschriebene halbstündige Werk entzaubert unsere Welt mit explosiver, grenzwertiger Tonalität: Dem anfänglichen Flirren im Orchester begegnet das Tastenintrument mit Hämmern, die Cluster im Tutti nehmen zu und oft keine Rücksicht auf den sich wehrenden Akkord-Arbeiter am Flügel. Es sind gewaltig viele Noten, die auf beiden Seiten eingesetzt werden, um gegen „zunehmende Intellektualisierung und Rationalisierung“ (Murail) der Welt zu protestieren. Amard war ebenso zu bewundern wie die NDR-Musiker und Metzmacher, dem das Analytische und Technische einer Partitur stets entgegenkommt.

Mit seinem Interpretieren der fast als Zwillinge gehandelten, dann doch sehr verschiedenen Impressionisten Claude Debussy und Maurie Ravel war nicht jeder Hörer in der – aus welchen Gründen auch immer – gähnend leeren MuK einverstanden. Nicht nur weil deren beider Seestücke nebeneinander doch recht monochrom sind, sondern weil technischer Schliff samt Rasanz dominierte. Bei Ravels „Une Barque sur l'océan“ schwammen und schaukelten hohe Glissandi gegen dumpfe Bässe, die NDR-Musici waren auf jeder Position auf dem Posten – ebenso bei Debussys großem „La Mer“-Gemälde. Doch hier fehlten die Naturromantizismen: die Wellen brachen unvermittelt früh, wo sie bei den meisten anderen Interpreten auslaufen, und Dräuendes wurde zu Rastlosem. Da hatte die Debussy-Zugabe, die der famose Amard vor der Pause geboten hatte, noch wie eine kleine ruhige Insel im Raum gestanden.

Die Elbphilharmoniker waren mit einem französischen Programm in der Lübecker MuK zu Gast.

Die Elbphilharmoniker waren mit einem französischen Programm in der Lübecker MuK zu Gast.


Text-Nummer: 150769   Autor: Güz.   vom 26.03.2022 um 12.55 Uhr

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