Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.

NDR-Konzert: Turbo-Romantik

Lübeck: Archiv - 08.04.2022, 10.27 Uhr: Vor ein paar Jahren hätte das Programm des 6. Saisonkonzerts der NDR-Elbphilharmoniker für ein ausverkauftes Haus gesorgt. Nun kennen offenbar immer weniger die Perlen der deutschen Romantik, die Gastdirigent Petr Popelka servierte – und die MuK war (erneut) gähnend leer bei Werken von Carl Maria von Weber, Gustav Mahler, Hugo Wolf und Richard Wagner.

Popelka, vor zwei Jahren erster „Conductor Fellow“ des Orchesters, kommt vom Kontrabass her und ist ein Technik-Perfektionist. Das ließ schon Webers „Oberon“-Ouvertüre vernehmen, die er etwas akademisch-getragen nahm – was auch an der zu „dicken“ 16er Streicherbesetzung lag –, ehe der befreiende Jubel aufklang. Die Elbphilharmoniker (diesmal unterstützt von Lukas Paulenz, Trompete, von den Lübecker Philharmonikern) beeindruckten hier schon durch makellosen Hochglanz.

Es folgte eine (halbe) Sternstunde mit Mahlers „Rückert-Liedern“. Wo sonst ein Bariton oder Alt diese sehnsuchtsvolle Lyrik interpretieren, widmete sich die Sopranistin Christiane Karg diesen fünf „himmlischen“ Weisen mit wunderbar weichen Bögen, sanftem Fließen in der Höhe und hervorragender Artikulation – hier sprach das romantische Adjektiv „beseelt“ aus jeder Phrase. Und Popelka hatte die vielen solistischen Tupfer vor allem der Holzbläser im Blick, auf dass das Orchester all seine Piano-Kultur zeigen konnte.

Nach der Pause wandelte sich das Hörbild. Petr Popelka legte den Turbo ein. Der bekam schon „Scherzo und Finale“ einer nie vollendeten Sinfonie von Hugo Wolf nicht, die (Wegen des Unkraine-Kriegs) statt der martialischen „Le Préludes“ von Franz Liszt ins Programm genommen worden waren. Diese unausgegorenen, überinstrumentierten Fingerübungen des blutjungen Komponisten zeigten ihn partiell als Mendelssohn-Enkel – sie sollten weiter in der Schublade bleiben.

Mit Ouvertüre und Venusberg-Bacchanal aus Wagners „Tannhäuser“ ging Petr Popelka nochmals in die Vollen. Hörner und Posaunen stimmten perfekt – wie überhaupt das Orchester all seine Klasse demonstrierte – auf diese „sagenhafte“ Romantik ein, bis der Dirigent die Metronom-Schlagzahl um zwei Stufen erhöhte und das Bacchanal zu einer wütenden Orgie machte. Damit entsprach er wohl Gegenwartsempfinden, aber nicht dem, was Romantik ausmacht: In der Ruhe liegt die Kraft.

Die NDR-Elbphilharmoniker präsentierten in der MuK die Romantik in modernem Gegenwartsempfinden.

Die NDR-Elbphilharmoniker präsentierten in der MuK die Romantik in modernem Gegenwartsempfinden.


Text-Nummer: 151006   Autor: Güz.   vom 08.04.2022 um 10.27 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.