Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.

Ein Lübecker Denkmal wird 80

Lübeck: Archiv - 12.04.2022, 07.02 Uhr: Wenn er heute, wie er immer so schön sagte, durch seine Vaterstadt geht, wird er immer noch von zahlreichen Lübecker Bürgern angesprochen, die in ihm immer noch den Stadtpräsidenten der Herzen sehen. Peter Sünnenwold hat der Hansestadt seit 1998 in dieser Funktion gedient.

Zunächst als Stellvertreter des Sozialdemokraten Peter Oertling, dann als Stadtpräsident von 2003 bis 2008, danach wieder als Stellvertreter der Sozialdemokratin Gabriele Schopenhauer. Die erwies ihm am Ende seiner politischen Tätigkeit eine besondere Ehre. In der letzten Sitzung, an der Peter Sünnenwold nach langen Jahren teilnahm, zog sie sich zurück und gab ihm damit Gelegenheit, diese allerletzte Sitzung seiner langen politischen Karriere noch einmal zu leiten. Das war ein Zeichen für die große Anerkennung, die Peter Sünnenwold für seinen Einsatz für die Hansestadt Lübeck erfuhr und wir haben uns entschlossen, diesen Rückblick auch aus der subjektiven Sicht der Redaktion von HL-live.de zu gestalten, denn der Gründungstag unseres Internetportals im März 2004 fiel in seine Amtszeit als Stadtpräsident der Hansestadt Lübeck.

Peter Sünnenwold gehörte zu unseren ersten 20 Lesern an Tag 1 und setzte mit einem Werbebanner ein deutliches Zeichen seiner Unterstützung. Im Hauptberuf ist er Geschäftsführer eines alteingesessenen Lübecker Bestattungsunternehmens. Zunächst hat er eine Lehre zum Groß- und Einzelhandelskaufmann absolviert, aber bereits während dieser Zeit, hat er in einem Lokal in der Königsstraße oft hinter dem Tresen ausgeholfen.

"Dabei habe ich mehr über die Menschen gelernt, als so mancher in jahrelangen Studien in soziologischen Seminaren", erzählte er gern, wenn die Lehr- und Wanderjahre an den zahlreichen Lübecker Stammtischen, denen er angehört, immer einmal wieder Thema waren. Er hat ein natürliches Gespür für die Anliegen und Sorgen der Menschen und das prädestinierte ihn für die Politik. Dort fiel er allerdings erst 1987 auf, als er im Alter von 45 Jahren für eine damalige Splitterfraktion, die Unabhängigen Lübecker Bürger (ULB) in die Lübecker Bürgerschaft nachrückte. Diese Formation verlor schnell an Bedeutung, allerdings reichte die Zeit für die anderen Parteien, das rhetorische Talent und politische Geschick des Newcomers zu erkennen. Schon bald hatte die CDU Fraktion mit ihren Anwerbegesprächen Erfolg. 1989 trat er in die Partei ein und war für sie seitdem kommunalpolitisch tätig.

Das war nicht immer einfach für die Partei. Peter Sünnenwold ließ sich ungern in Parteidisziplin einbinden und den Mund verbieten. In diesem Zusammenhang entdeckte er die CDU-Mittelstandsvereinigung MIT als ideales Vehikel, auch seiner eigenen Partei gelegentlich kräftig auf die Zehen zu klopfen. Er flutete die Presselandschaft mit MIT-Presseerklärungen, die er ohne Rücksprache mit Partei und Fraktion über die politische Landschaft streuen konnte, und verärgerte damit den politischen Gegner und die eigenen Partei gleichermaßen. Mit anderen Worten, er war in seinem Element und sein Bekanntheitsgrad in der Hansestadt wuchs natürlich durch diese ständig laute Präsenz in den Medien.

Seine große Stunde kam dann im Jahre 2003, und die hatte er letztlich Kanzler Gerhard Schröder zu verdanken. Ein halbes Jahr vor der Lübecker Urnengang kamen die Hartz IV Gesetze und die Bürger rächten sich an den Sozialdemokraten mit dem Stimmzettel bei der anschließenden Kommunalwahl. Die CDU erhielt sogar die absolute Mehrheit in der Bürgerschaft und bereits am Wahlabend war damit klar, dass Peter Sünnenwold Stadtpräsident wird.

Bild ergänzt Text

Schade, Prinz Charles war für ihn ein halbes Jahr zu früh in Lübeck, aber noch im Jahre 2003 war Sünnenwold Gastgeber von Königin Margrethe und Prinz Henrik von Dänemark und im Folgejahr gelang der Empfang von Jacques Chirac im Rathaus so überzeugend, dass der französische Präsident fortan von Lübeck als einer "Perle Europas" sprach.

Als Stadtpräsident war Sünnenwold bekannt für knackigen Sitzungsverlauf. Als die Bürgerschaft sich wieder einmal hoffnungslos verquasselt hatte, gab es oftmals kurz vor Ende der Sitzung den legendären "Ritt" von acht Minuten durch die Verwaltungsvorlagen. Bei den Abstimmungen hat er gar nicht mehr aufgeblickt. Die Verwaltung muss schließlich arbeiten können, kommentierte er nur trocken.

Auch sonst gab es gelegentlich Heiteres bei den Sitzungen. Als er noch nicht Stadtpräsident war und ein Bürgerschaftsmitglied einer kleinen Fraktion aus einem anderen Lager einmal einen Schwächeanfall während der Sitzung hatte, steckte Sünnenwold mit den Worten "kann man immer gebrauchen," eine Visitenkarte mit Geschäftsadresse in die obere Jackettasche.

Er musste aber auch einstecken. Als er in einer Bürgerschaftssitzung einmal seine Festplatte mit der Rede über die Herzlosigkeit der Sozialdemokraten anwarf und nicht aufhören wollte, ließ der damalige Fraktionschef Dietrich Szameit einfach das Handy in Sünnenwolds Jackettasche endlos klingeln. Sünnenwold schaffte es trotzdem seine Rede zu beenden, obwohl sich die gesamte Bürgerschaft vor Lachen bog. Anschließend beim Bier im Ratskeller hat man dann gemeinsam herzlich darüber gelacht - damals traf man sich noch auf einen Absacker nach den Bürgerschaftssitzungen.

Bei neuen Ideen ist er auch heute noch sofort dabei. Während einer Kommunalwahl tauchten plötzlich CDs mit Sünnenwold Konterfei und seiner Stimme in den Briefkästen auf. Bei einer folgenden Wahl waren es dann sogar DVDs mit Lübeck-Impressionen und seiner sonoren Stimme im Hintergrund. Von der Presse nach dem Aufwand gefragt kommentierte er nur: "Im Einsatz für meine Partei scheue ich weder Kosten noch Mühe."

Für die Kringelhöge spendete er stets den Verdauungsschnaps und lieferte dazu passend eine flammende Rede für den Ausbau des Kanals ab, am Bismarck Stammtisch ist er selbstverständlich vertreten, seine Jazz Frühstücke bei der Polizeiakademie waren ein Geheimtipp und in der Loge zur Weltkugel bekleidete er das Amt des Distriktredners. Im Lions Club sieht man ihn natürlich auch und im Rahmen der Pflege der internationalen Verbindungen engagierte er sich darüber hinaus im Verein Lübeck Partner. Als Stadtpräsident war ihm die Pflege der Verbindung zur Fregatte Lübeck immer ein besonderes Anliegen.

Als das Internet immer weiter in Mode kam, gab es im Jahre 2005 einmal eine Übersicht nach dem Motto 'Welche Lübecker Persönlichkeit wird bei Google am meisten geklickt?' Da musste er sich doch Günter Grass, Sabine Meyer und Björn Engholm, die die ersten drei Plätze belegten, geschlagen geben. Zu seinem Missvergnügen wurde sogar Parteifreundin Anke Eymer 200 mal häufiger angeklickt als er. Schwamm drüber, warum erwähnen wir das überhaupt? Auch Anke Eymer hat am heutigen 12. April Geburtstag. Beiden Jubilaren daher ganz herzliche Glückwünsche von der gesamten HL-live.de Redaktion.

Lübecks ehemaliger Stadtpräsident Peter Sünnenwold feiert 80. Geburtstag. Fotos: JW/Archiv

Lübecks ehemaliger Stadtpräsident Peter Sünnenwold feiert 80. Geburtstag. Fotos: JW/Archiv


Text-Nummer: 151058   Autor: Harald Denckmann   vom 12.04.2022 um 07.02 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.