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Gedanken zum Karfreitag

Lübeck: Archiv - 15.04.2022, 09.02 Uhr: Pastorin i.R. Ellen Naß erläutert die Bedeutung von Karfreitag. Der Tag stehe für die Vergebung. Deshalb wird dieser Tag auf Englisch auch der "Good Friday", also der "Gute Freitag" genannt.

In der letzten Woche haben sich Politiker und Politikerinnen für Fehler entschuldigt. Eine Ministerin ist zurückgetreten, die Entschuldigung hat ihr nichts geholfen. Unser Bundespräsident hat sich öffentlich in einem langen Interview für seine Haltung während seiner Zeit als Außenminister zu Russland und Putin entschuldigt.

Andere halten das nicht für nötig. Ich höre oft britisches Radio, und dort wird sich selten entschuldigt – Boris Johnson zum Beispiel muss Strafe zahlen, weil er vor einem Jahr den Lockdown missachtet hat, aber er findet immer noch gute Ausreden und Entschuldigungen. Entschuldigungen zu finden, warum man etwas getan hat, ist aber etwas ganz anderes als zu sagen: „Ja, ich habe hier Fehler gemacht. Ich habe mich falsch verhalten, die Lage falsch eingeschätzt, die falschen Menschen für zuverlässig gehalten und unterstützt.“ Sich mit Entschuldigungen herauszureden ist etwas ganz anderes, als Fehler einzugestehen und sich dann zu entschuldigen.

Es fällt schwer, sich Fehler einzugestehen und vielleicht auch noch anderen gegenüber. Wir wären alle lieber fehlerfrei, würden gerne immer das Richtige getan haben. Es zerstört unser Selbstbild, wenn wir vor uns zugeben müssen, dass wir nicht so perfekt sind, wie wir gerne wären.

Dabei wissen wir alle, dass es vollkommene Menschen nicht gibt. Selbst über Mutter Theresa habe ich einmal Kritik gelesen, und wir sind alle keine Mutter Theresa. Wir sind Menschen, und dazu gehört eben auch, dass wir Fehler machen, uns irren, Unrecht begehen, vielleicht sogar absichtlich, und dass wir gerne hinterher noch Ausreden finden, warum es nötig war, das zu tun. Wir sind Menschen, da ist das so. Deshalb finde ich es auch immer traurig, wenn über Menschen, die in ihrem Leben viel Gutes geleistet haben, das Schlechte berichtet wird, als würde das das Gute entwerten. Und dass andere auch nicht besser sind als ich macht mich auch nicht zu einem besseren Menschen.

Dabei haben wir das alles gar nicht nötig. Wir feiern Karfreitag, weil dieser Kreislauf von dummen Ausreden, Selbstrechtfertigungen und Selbstentschuldigungen schon lange aufgehoben worden ist. Jesus ist am Kreuz gestorben, für unsere „Sünde“, wie es in der Bibel heißt, weil er damit alle unsere Vergehen, unsere Fehlurteile, unsere schlechte Laune, unsere Bosheit einigen Menschen gegenüber, mangelnde Hilfe – was auch immer – ausgelöscht hat vor Gott.

Wir brauchen uns seitdem vor Gott und damit nicht mehr vor uns selbst zu rechtfertigen, warum dies oder jenes schiefgelaufen ist. Es ist vergeben. Das macht mich frei, mir selbst meine Fehler einzugestehen, statt dummer Ausreden mich bei anderen ernsthaft dafür zu entschuldigen, was ich ihnen angetan habe.

Nur wenn ich meine Fehler erkenne und sie zugeben kann, kann ich mich auch ändern. Das macht die Selbstrechtfertigung ja so schlimm, dass sie Änderungen zum Besseren verhindert. Nur wenn ich Schuld erkenne, kann ich mich anders verhalten, mich bessern, zum Wohl der anderen – und von mir.

Diese Freiheit hat Jesus durch seinen Tod am Kreuz für uns erkämpft und erlitten. Er hat sie uns geschenkt. Wir müssen sie nur noch dankend annehmen. Auf Englisch heißt der Karfreitag „Good Friday“ - Guter Freitag - weil wir an diesem Tag befreit wurden. Natürlich müssen wir bereit sein, auch die Konsequenzen unseres Fehlverhaltens zu tragen, aber „Good Friday“ heißt: Auch dabei wird Gott uns helfen.

Pastorin i.R. erläutert die Bedeutung des Kafreitags.

Pastorin i.R. erläutert die Bedeutung des Kafreitags.


Text-Nummer: 151105   Autor: red.   vom 15.04.2022 um 09.02 Uhr

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