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Ist Ostern schon zu Ende?

Lübeck: Pastorin i.R. Ellen Naß geht in ihren Gedanken zum Wochenende der Frage nach, ob das Osterfest bereits vorbei ist. Sie verweist darauf, dass Christen die Auferstehung früher bis Himmelfahrt gefeiert haben.

Nun ist Ostern schon fast eine Woche lang vorbei. In den Gärten werden die Plastikostereier von den Büschen abgenommen, die Osterdekoration verschwindet, es konzentriert sich alles auf den 1. Mai – der ja dieses Jahr ein Sonntag ist – und auf den Muttertag.

Dabei hat letzten Sonntag die Osterzeit eigentlich erst angefangen, nicht aufgehört. Wenn man auf die Bedeutung der Feiertage blickt, dann ist die zeit vor Ostern mit Gründonnerstag und Karfreitag eine traurige Zeit, in der gefastet und verzichtet wird. Gefeiert wird erst nach Ostern, in der Zeit bis Himmelfahrt. Bei uns hat es sich im Laufe der letzten Jahrzehnte anders entwickelt, ich habe auch nicht den Eindruck, als könnte man die Zeit wieder zurückdrehen.

Der Sonntag morgen heißt: Quasimodogeniti. Das ist lateinisch, kommt aus dem Psalm der an diesem Sonntag gelesen wurde, und weil der Psalm früher auf lateinisch gelesen wurde, ist der Name eben lateinisch. Es bedeutet: Wie die neugeborenen Kindlein.

Wenn ein Kind geboren wird, ist es etwas ganz Besonderes. Alle Chancen dieser Welt stehen diesem Kind offen. Es ist unschuldig, unberührt, als Eltern kann man sich gar nicht vorstellen, dass es einmal anders sein wird.

Die ersten Christen und Christinnen, die ja hauptsächlich als Erwachsene getauft wurden, vertrauten darauf, dass sie durch die Taufe wieder so unschuldig wie die neugeborenen Kinder sein würden/ geworden waren. Wir werden durch die Taufe neu geboren, fangen wieder von vorne an, so glaubten sie, alles, was vorher war, ist vergessen, die Festplatte ist sozusagen leer.

Getauft wurde anfangs zu Ostern. In der Nacht, in der Jesus auferstanden war, wurden neue Christen getauft, so dass dann eine Woche nach Ostern seit einer Woche getaufte neue Mitglieder in der Gemeinde waren. Wahrscheinlich haben alle bis dahin schon gemerkt, dass man doch nicht so unschuldig wie ein neugeborenes Kind ist, dass nach einer Woche sich schon wieder die ersten Fehler, schlechte Gewohnheiten eingeschlichen haben. Im Mittelalter gab es einmal eine Sekte, die Katharer, deren Mitglieder sich teilweise sich erst auf dem Sterbebett taufen ließen oder sich gleich nach der Taufe zu Tode hungerten, um das zu verhindern – aber letztlich ist das auch keine Lösung.

So ist der morgige Sonntag eine Erinnerung daran, dass auch Christen und Christinnen Menschen sind und es bleiben, auch nach der Taufe. Man wünscht sich das anders, aber es geht eben nicht, dazu ist unser Leben zu vielschichtig, zu kompliziert, zu wenig eindeutig. Es ist eben nicht nur immer Ostern und Frühling, sondern viel Alltag und viele Probleme sind dazwischen, es bleiben Fragen, wie Friedfertigkeit mit und ohne Waffen, was tun bei einem Angriffskrieg, was tun, wenn Menschen uns beleidigen und mobben.

Wir haben Gottes Zusage, dass wir als Getaufte ein neues Leben geschenkt bekommen haben, sollen wir uns bemühen, dieses Leben auch zu leben, Frieden halten mit anderen, rücksichtsvoll sein, liebevoll sein, Gott vertrauen, Seinen Willen tun. All das gehört zu diesem neuen Leben seit Ostern dazu. Wir werden nie wieder so unschuldig sein wie am Tag unserer Geburt, aber wir werden immer Gottes Kinder sein, was auch geschieht.

Pastorin i.R. Ellen Naß geht auf den Sonntag Quasimodogeniti ein.

Pastorin i.R. Ellen Naß geht auf den Sonntag Quasimodogeniti ein.


Text-Nummer: 151229   Autor: red.   vom 23.04.2022 um 08.46 Uhr

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