Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.

Brahms-Konzert für den Frieden

Lübeck: Auch die Musikhochschule gibt ein Zeichen für den Frieden in der Ukraine und widmet ihm das Auftaktkonzert des Brahms-Festivals 2022, das unter dem Motto "Fantastisch" steht. Das Motto gilt dem romantischen Ausdruck um das von Brahms geschätzte Multitalent E. T. A. Hoffmann – hier nimmt es Bezug auf das Unfassbare eines Krieges. Also stellte das Sinfonieorchester seinem Programm (geboten am Sonnabend und Sonntag im großen Saal) noch das "Gebet für die Ukraine" von Valentin Silvestro voran.

Auf die kurze Elegie des Nestors der urkainischen Komponisten, vornehmlich von den Streichern getragen, ließ Gastdirigent Clemens Schuldt die Uraufführung von „THAW“ folgen: Das kurze Werk von Philipp Wallis Nicolai, hervorgegangen aus einem internen Wettbewerb der Kompositionsstudierenden an der MHL, beginnt mit tonlos „atmenden“ Streichern und irritierenden Einwürfen tiefer Bläser; langsam wird physikalisches Tauen in Klang gesetzt, Cluster fallen in sich zusammen, Unruhe kommt auf und steigert das Tempo in ein rekordverdächtiges Finale: Eine Idee wird zum immer spannenderen Hörbild und ein Werk, weit mehr als eine Fingerübung, nimmt seine Hörer gefangen.

Brahms lässt grüßen mit dem Klavierkonzert seines Mentors Robert Schumann. Das erste Thema entfaltete am Sonnabend seinen Schwung und der Solist Florian Uhlig, seit 2019 Professor an der MHL, korrespondierte mit den Streichern und den Soli der Bläser. Das Intermezzo atmete warm, versiegte jedoch zuhörens. Im rhythmisch zugespitzten Finale waren an diesem Abend der stets griffbereite, aber allzu schnelle Pianist und der Dirigent bemüht auf dem Weg zur Ideallinie. Ergo suchte auch das Orchester noch zu einer einheitlichen Leistung zu finden.

Dann aber schlug die Stunde der Studierenden und ihres Gastes am Pult mit Gustav Mahlers 1. Sinfonie. Auf der Basis einer starken Cello-Gruppe und sehr guter Blechbläser entwickelte Schuldt alle Facetten dieses „Titans“, nahm sich die Zeit (die bei Schumann gefehlt hatte), um zu erzählen, um die Spannung zu schüren mit den Tonart- und Taktwechseln. Schwung kam in den Ländler, in dessen zweiten Thema sich der Konzertmeister mit Tanzschritten wiegte. Die Ostinato-Steigerung des 3. Satzes nahm gefangen. Und mit einem Urknall ging es ins Turbo-Finale. Wie Clemens Schuldt hier einen „Zufalls“-Klangkörper zu Homogenität und einer großen Leistung führte, stellte ihm, den Lehrenden wie den Lernenden das beste Zeugnis aus. Der Applaus war frenetisch und hochverdient.

Das Auftaktkonzert zum Brahms-Festival wurde vom Publikum bejubelt.

Das Auftaktkonzert zum Brahms-Festival wurde vom Publikum bejubelt.


Text-Nummer: 151542   Autor: Güz.   vom 08.05.2022 um 12.12 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.