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NDR-Konzert: Musikalische Bilder

Lübeck: Archiv - 15.05.2022, 10.56 Uhr: Die laufende Saison des NDR-Elbphilharmonie-Orchesters in der Hansestadt wird zum Desaster: Bei einem doch attraktiven Programm im vorletzten der acht Konzerte verloren sich in der MuK etwa zweihundert Zuhörer, die auch noch vergeblich ein Programmheft suchten.

Wer hatte noch im Kopf, was es gab und wer der Dirigent, wer der Solist waren? Doch man konnte sich auf die Kompositionen einlassen, denn Benjamin Britten, Manuel de Falla und Robert Schumann waren erkennbar und versprachen musikalische Bilder.

Pablo Heras-Casado am Pult versteht sich mit dem NDR-Orchester, was gleich Brittens „Four Sea Interludes“ aus der Oper „Peter Grimes“ vernehmen ließen: In der „Dämmerung“ rieben sich Streicher- und Holzbläser-Glissandi mit dem Stentor-Blech, im „Sonntagmorgen“ meinte man den Flug der Seevögel zu hören, im „Mondlicht“ seufzten die tiefen Streicher, im „Sturm“ brachen die Naturgewalten los, die der Dirigent von der Brücke aus sicher steuerte. Für hiesige Musikfreunde war das eine willkommene Ergänzung der Britten-Saison im Theater.

Technisch große Anforderungen stellen de Fallas „Nächte in spanischen Gärten“, diese über andalusischem Fundament wirbelnden „Sinfonischen Impressionen für Klavier und Orchester“. Der aus Granada stammende Dirigent versteht sich auf die vertrackten Rhythmen seiner Heimat und das Orchester auf die Staccati, Synkopen und melodisch-melancholischen Passagen. Die erforderliche Kraft brachte auch der Solist mit: Bertrand Chamayou aus Lyon muss sich 25 Minuten unentwegt einbringen – kommentierend, reflektierend, konterkarierend; griffsstutzig darf er nicht sein. Er behauptete sich in diesem Wirbel der Leidenschaft und zeigte mit der Zugabe (Ravels „Pavane pour une infante défunte“) seine sensible Seite.

Bei so viel vorausgeschickter Programm-Musik ist man versucht, auch Schumanns 3. Sinfonie, der „Rheinischen“, bildhaft zu folgen – obwohl sich der Name auf einen kurzen Abschnitt des Komponisten und nicht auf die Natur bezieht. Wer aber wollte, konnte Fließen und Stromschnellen, Idyllen am Ufer, breites Strömen und Fröhlichkeit über guten Ver-Lauf vernehmen: Pablo Heras-Casado nahm manches ein wenig schnell, aber die NDR-Sinfoniker folgten ihm mit einer geschlossenen Leistung auf allen Positionen, wobei das Hornquartett an diesem Abend eine Super-Unisono-Leistung bot. Großer Applaus – und beim Hinausgehen die Frage (angesichts des miserablen Besuchs): Was ist los in Lübeck, das sich eine Kulturstadt nennt?

Nur rund 200 Zuschauer kamen zu dem attraktiven Programm des Elbphilharmonie-Orchesters in die Lübecker MuK.

Nur rund 200 Zuschauer kamen zu dem attraktiven Programm des Elbphilharmonie-Orchesters in die Lübecker MuK.


Text-Nummer: 151688   Autor: Güz.   vom 15.05.2022 um 10.56 Uhr

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