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30. Kammermusikfest gedenkt der Gründer

Lübeck: Archiv - 27.05.2022, 11.36 Uhr: Das 30. Internationale Lübecker Kammermusikfest der Scharwenka-Gesellschaft kommt mit Corona-Verzögerung und findet noch bis Sonnabend im Kolosseum statt. Der Auftakt, traditionell am Himmelfahrt-Abend, stand ganz im Gedenken an die Gründer: der vor einem halben Jahr gestorbenen Pianistin Prof. Evelinde Trenkner, und ihres Mannes Hermann Boie (+2016).

Die 2. Vorsitzende der Gesellschaft, Dagmar Pohl-Laukamp, erinnerte in ihrer warmherzigen Begrüßung der zahlreichen Besucher und Weggefährten vor allem an die Prinzipalin. Noch einmal entstand die Aura der Pianistin, dieses Energiebündels, als sie mit ihrer „Erkennungsmelodie“, dem Polnischen Tanz von Xaver Scharwenka, auf der Leinwand erschien. Anschließend blieb sie auf einem Foto dort stets präsent, und künftig soll ihre bei einem Künstler in Auftrag gegebene Porträtbüste im Kolosseum an sie und die Kammermusikfest-Ära erinnern. Denn diese 30. Veranstaltung, nochmals ein Kraftakt nun für die Gesellschaft, wird vielleicht die letzte sein. Das schwang auch in der Moderation von Dr. Heinz Noftz mit, der diesmal die kundigen Hinweise auf die Kompositionen gab.

Den Auftakt machte Sontraud Speidel, jahrzehntelang das Alter Ego im so erfolgreichen Klavierduo Trenkner/Speidel. Sie brachte mit ihrer ehemaligen Schülerin Franziska Lee zwei Mendelssohn-Ohrwürmer perfekt: Bei der „Hebriden“-Ouvertüre liefen die Tasten-Wellen durch vier Hände, im 4. Satz der „Schottischen Sinfonie“ gingen kraftvoll wirbelnde Läufe über in Poesie zum fast feierlichen Finale. In memoriam Evelinde ging es von Xaver Scharwenkas nachdenklichem „Le Cardillo“ zum ausgelassenen Saltarello „Te voglio bene assaje“.

Für das wegen einer Erkrankung verhinderte Vogler-Quartett war kurzfrisitg das junge Eliot Quartett aus Frankfurt eingesprungen und unterstrich, welch hohes Niveau diese Streicher-Formationen erreicht haben. Behutsam und präzise widmeten sie sich vom Soli bis zum Quartett sechs Bach-Bearbeitungen, um dann mit dem 1. und 5. Satz aus Beethovens op. 130 den Gipfel zu erklimmen: ausdrucksstark, risikofreudig, mitreißend brachten Maryana Osipova, Alexander Sachs, Dmitry Hahalin und Michael Preuß „letzte Gedanken“ – ein würdiges Gedenken.

Dem widmete sich dann Haiou Zhang, den Evelinde Trenkner als Jüngstpianist für Lübeck entdeckt hatte, zuerst mit einem Bach-Largo und dann mit dem anderen Beethoven-Gipfel, der Sonate op. 111. Der Komponist hätte solch phänomenale Technik für unmöglich gehalten, mit der dieser Virtuose das Allegro con brio fast beängstigend schnell absolvierte und auch im Maestoso eine Präzision erreichte, die nicht von dieser Welt schien. Noftz' Hinweis, dieses Opus 111 „tritt in des Reich der Verklärung“ wurde hier verwirklicht.

Am Freitag gibt es um 19.30 Uhr im Kolosseum Werke für Cello und Klarinette im Mittelpunkt, am Sonnabend spielen u. a. das Morten Kargaard Septett und das Trio ClariNoir.

Zum Auftakt wurde an die Gründerin des Festivals Prof. Evelinde Trenkner (Mitte, Aufnahme aus dem Jahr 1989) erinnert.

Zum Auftakt wurde an die Gründerin des Festivals Prof. Evelinde Trenkner (Mitte, Aufnahme aus dem Jahr 1989) erinnert.


Text-Nummer: 151913   Autor: Güz.   vom 27.05.2022 um 11.36 Uhr

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