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Zuhause auf Zeit: In Lübeck fehlen Pflegeeltern

Lübeck: Archiv - 31.05.2022, 10.53 Uhr: Die Pflegekinder- und Adoptionsstelle der Hansestadt Lübeck sucht Familien, Paare und Einzelpersonen, die bereit sind, Kinder und Jugendliche vorübergehend, mittel- oder auch langfristig bei sich aufzunehmen. Der Dienst betreut aktuell etwa 340 Pflegekinder und 250 Pflegefamilien. Weit über ein Drittel der Kinder sind bereits in Pflegefamilien außerhalb Lübecks untergebracht. Denn es fehlen Pflegeeltern. Doch viele Menschen wissen gar nicht, dass auch sie als Pflegeeltern infrage kommen.

Wer kann Pflegefamilie sein?

Als Pflegefamilie sind viele mögliche Konstellationen denkbar. Verheiratete sowie unverheiratete, auch gleichgeschlechtliche, Paare mit oder ohne eigene Kinder können ein Kind bei sich aufnehmen, ebenso wie auch alleinstehende Personen.

Wie lange bleibt ein Kind in der Pflegefamilie?

Abhängig vom Einzelfall kann eine Vollzeitpflege eine zeitlich befristete Erziehungshilfe oder eine auf Dauer angelegte Unterbringungsform sein. Der Bereich Familienhilfen/Jugendamt prüft sorgsam, ob ein Kind zurück in seine Familie kann oder auf Dauer in einer Pflegefamilie lebt – manchmal bis zur Volljährigkeit oder darüber hinaus. Manchmal ist zu Beginn der Aufnahme eines Pflegekindes noch nicht klar, wie es zukünftig weitergeht, da die Perspektivklärung noch nicht abgeschlossen ist. In dieser Zeit sollte ein erneuter Beziehungswechsel für das Kind möglichst vermieden werden.

Um welche Kinder geht es?

Manche Kinder haben wesentlich schwierigere Startbedingungen ins Leben als andere. Wenn Eltern aus gesundheitlichen, sozialen Gründen oder anderen Problemen die Betreuung und Erziehung ihrer Kinder nicht sicherstellen können, brauchen sie Hilfe und die Kinder unseren Schutz, verlässliche Beziehungen und Geborgenheit. Dann braucht es Pflegeeltern, die das Kind entsprechend dem Alter und Entwicklungsstand sowie seinen persönlichen Bindungen zeitlich befristet oder dauerhaft pflegen und erziehen. Auch Kinder mit Beeinträchtigungen haben ein Recht auf Familie. Manchmal gilt es auch, Geschwisterkindern ein Zuhause zu geben.

Welche Unterstützung für Pflegeeltern gibt es?

Der Pflegekinderdienst der Hansestadt Lübeck begleitet den gesamten Prozess der Vermittlung und betreut die Pflegefamilien langfristig nach der Aufnahme eines Kindes, indem er mit Rat und Tat zur Seite steht. Zukünftige Pflegefamilien werden vorab ausführlich beraten und auf ihre Aufgabe vorbereitet. Zudem gibt es verschiedene Fortbildungs- und Vernetzungsangebote und natürlich auch finanzielle Unterstützung in Form eines monatlichen Pflegegeldes.

Welche Voraussetzungen sollte eine Pflegestelle erfüllen?

Eine wichtige Voraussetzung für die Aufnahme eines Kindes ist zuerst einmal das Einverständnis aller Familienmitglieder sowie Zeit für ein Pflegekind. Neben Einfühlungsvermögen, Geduld, Belastbarkeit, Flexibilität sowie Konfliktfähigkeit, sollten angehende Pflegeeltern vor allem auch den leiblichen Eltern gegenüber offen sein. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Pflegekinderdienst und anderen Institutionen sowie zur Teilnahme an Qualifizierungsmaßnahmen sollte selbstverständlich sein. Auch ausreichend Wohnraum, gesicherte finanzielle Verhältnisse und ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis sind für die Aufnahme eines Kindes erforderlich.

Das Leben mit Pflegekindern ist dynamisch und jedes bringt eine eigene Geschichte – eigene Erfahrungen – eigene Bedürfnisse mit, die insbesondere auch durch den Wechsel aus ihren Familien, hinein in die Pflegefamilie geprägt ist. Aus all dem kann für Pflegefamilien ein Bedarf an vielfältiger Unterstützung erfolgen. Hierfür braucht es Profis, die die Pflegefamilien beraten und unterstützen. Der Pflegekinderdienst betreut aktuell etwa 340 Pflegekinder und 250 Pflegefamilien. Weit über ein Drittel der Kinder sind bereits in Pflegefamilien außerhalb Lübecks untergebracht. Doch es gibt immer noch nicht ausreichend Pflegeeltern. Die Anzahl der Bewerber liegt immer noch unter dem Bedarf. Dabei ist es seit Jahren ein erklärtes Ziel des Bereiches Familienhilfen/ Jugendamt der Stadt Lübeck, Kinder und Jugendliche verstärkt in Pflegefamilien statt Jugendhilfeeinrichtungen unterzubringen.

Um diese Herausforderung anzugehen, wird sich die Pflegekinderhilfe reformieren und weiterentwickeln. In diesem Prozess wird es um die Fragen gehen, was Pflegefamilien über die bisherige Begleitung hinaus noch benötigen und wie sie mehr Wertschätzung für ihre Aufgabe erfahren können. Ebenso sollen die Öffentlichkeitsarbeit und die Akquise intensiviert werden. Neben personeller Aufstockung steht dabei auch die kontinuierliche Fortbildung der Fachkräfte im Pflegekinderdienst auf dem Plan.

Mit der Auftaktveranstaltung "Aufwachsen in Lübeck – Pflegekindern ein Zuhause geben." wurde jetzt unter Begleitung von Dr. Christian Erzberger (GISS, Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung) der Prozess angeschoben und aufgezeigt, welche Rahmenbedingungen für ein modernes Pflegekinderwesen erforderlich sind. Fragen wie "Was brauchen Kinder heute für ein gesundes Aufwachsen auch in schwierigen Situationen?" oder "Welche Erwartungen haben die Pflegeeltern an die Unterstützung?" wurden mit Fachleuten, Politik und Pflegeeltern diskutiert. Ein Ziel der Planung ist es, ein "Kompetenzzentrum für Pflegekinderhilfe" zu schaffen, das alle relevanten Beteiligten unter einem Dach vereint. Dies ermöglicht kurze Wege und schnelle, kompetente Entscheidungen, um allen Kindern mit Unterbringungsbedarf einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.

Informieren und Bewerben

An einer Vollzeitpflege Interessierte können sich bei der Pflegekinder- und Adoptionsstelle informieren und vorab beraten lassen:

Pflegekinder- und Adoptionsstelle
Verwaltungszentrum Mühlentor/Haus Trave Kronsforder Allee 2-6
23560 Lübeck

Servicetelefon: 0451 / 122-2528
Servicezeiten: Montag bis Freitag, von 8.30 bis 12.30 Uhr
Weitere Informationen gibt es zudem online unter luebeck.de/pflegekinder

Diskutierten bei der Auftaktveranstaltung (von links): Julia Schark (Pflegemutter), Senatorin Monika Frank, Sarah Frenz (Leitung Allgemeiner Sozialer Dienst), Christian Erzberger (GISS), Herbert Wiegert (Leiter Pflegekinderdienst) und Julia Giering-Kasch

Diskutierten bei der Auftaktveranstaltung (von links): Julia Schark (Pflegemutter), Senatorin Monika Frank, Sarah Frenz (Leitung Allgemeiner Sozialer Dienst), Christian Erzberger (GISS), Herbert Wiegert (Leiter Pflegekinderdienst) und Julia Giering-Kasch


Text-Nummer: 151974   Autor: Presseamt L./Red.   vom 31.05.2022 um 10.53 Uhr

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