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NDR-Konzert: Bychkow in Hochform

Lübeck: Das letzte Saison-Konzert der NDR-Elbphilharmoniker in der MuK am 3. Juni war besser besucht als die vorangegangenen: Die 3. Sinfonie d-moll von Gustav Mahler war offenbar ebenso ein Magnet wie der Dirigent Semyon Bychkow. Zudem hatten sich recht viele Studierende der Musikhochschule eingefunden. Das Publikum wurde nicht enttäuscht, denn es entwickelte sich eine fulminante Aufführung, die am Ende enthusiastisch gefeiert wurde.

Bychkow wählte extrem langsame Tempi, was diese Sinfonie verträgt – wenn ein Orchester in solcher Topform ist wie es die Hamburger waren. Wie eine 1 standen die acht Hörner und vier Trompeten zum Auftakt dieses gewaltigen Werks, und dann wechselten in diesem über halbstündigen ersten Satz die Stimmungen jäh und heftig von schmerzlicher Klage (Solo-Posaune: Stefan Geiger) zu überbordendem Optimismus, immer mit der Apokalypse vor Ohren.

Mehr als hundert Musiker auf der MuK-Bühne gestalteten dann auch die folgenden Sätze mit der Akribie, wie sie ihnen der Mahler-Versteher Bychkow in den Proben vorgegeben hatte: Die raschen Tempi-Wechsel mit seligen Träumen im zweiten Satz, die Verspieltheit mit den Holzbläser-Girlanden und dem traumhaften Posthorn-Solo (Guillaume Couloumy) im dritten. Aus dem Pianissimo heraus entwickelte sich das „O Mensch! Gib Acht!“ mit dem warmen Alt von Wiebke Lehmkuhl und der Klezmer-Klage der Oboe (Paulus van der Merwe).

Gebremste Fröhlichkeit prägte „Es sungen drei Engel“ mit den Damen des Rundfunkchors Berlin und dem Knabenchor Hannover, bis im fünften Satz der balsamische Streicher-Trost sich ausbreitete, um in einer gewaltigen Verklärung zu enden. In über hundert Minuten war ein Kosmos entstanden, in dem sich die Stimmungen gerieben hatten, wie nur Gustav Mahler sie schaffen konnte – und wie sie als ein kultureller Monolith in allem trivialen Weltgeschehen stehen.

Es ist zu wünschen, dass wieder mehr Lübecker die großen Sinfoniekonzerte in der MuK erleben wollen. Für die nächste Spielzeit hat der NDR erneut acht angekündigt, davon zwei erstmals mit seiner Radiophilharmonie Hannover. Neun Doppelkonzerte gibt wie gewohnt das seit 125 Jahren spielende Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck mit einem hochinteressanten Programm. In dieser Spielzeit stehen noch zwei Events an: Alle fünf Beethoven-Klavierkonzerte am Pfingstsonntag (11 und 18 Uhr) mit GMD Stefan Vladar auch als Solisten – der dann im 9. Konzert am 26./27. Juni Werke von Rachmaninow und Brahms (4. Sinfonie) zum Abschluss der Saison bietet.

Am Freitagabend waren die Elbphilharmoniker zu Gast in der Lübeck MuK.

Am Freitagabend waren die Elbphilharmoniker zu Gast in der Lübeck MuK.


Text-Nummer: 152055   Autor: Güz.   vom 04.06.2022 um 14.25 Uhr

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