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Vladars Beethoven: Fünf Dreisatz-Aufgaben

Lübeck: Archiv - 06.06.2022, 09.06 Uhr: Man war gespannt: Alle fünf Beethoven-Klavierkonzerte an einem Tag – geht das gut, kommt das an? Es kam an, es ging gut, sogar über Erwarten: Ein begeistertes Publikum verfolgte am Pfingstsonntag in der MuK, wie GMD Stefan Vladar die Lübecker Philharmoniker vom Flügel aus dirigierte und auf demselben zugleich die fünf Dreisatz-Aufgaben als Pianist souverän löste – um 11 Uhr die drei ersten, um 18 Uhr dann Nr. 4 und 5 des großen Klassikers.

Vladar hatte sich für die Opus-Nr.- Reihenfolge entschieden, wenngleich das Zweite vor dem Ersten entstanden ist und noch mehr an die Wiener Vorgänger-Klassik erinnert. Dieses C-Dur-Werk op. 15 ging Vladar überaus schnell an, setzte fast schroffe Akzente, wo ansonsten gelassene Geläufigkeit vorherrscht. Im Largo löste er sich jedoch aus der Überkonzentration und musizierte im Einvernehmen mit den Philharmonikern, zu denen 1. Konzertmeister Carlos Johnson aufmerksam den Kontakt herstellte. Das finale Rondo lief mehr vivacissimo als scherzando ins Ziel.

Das Streicher-dominierte, erzählende B-Dur-Konzert op. 19 bot Stefan Vladar fein dynamisiert und zeigte, dass er auf zwei gleichstarken Händen baut, denen etwa in der virtuosen Kadenz keine der anderen den Rang abläuft. Im Largo wurde selbst im Pianissimo die Spannung gehalten und das Rondo wirbelte attacca voran. Das 3. Konzert c-moll op. 37 zeigte den gereiften Beethoven: Dramatische Stimmungswechsel im 1. Satz mit einer Kadenz, in der Vladar arpeggieren, trillern und lauffreudig sein konnte, um im introvertierten Largo dann fein zu phrasieren. Von Solo und Tutti in der Waage gehalten das voranstürmende Finale – zumal in „idealem“ Tempo, das erneut alle Finessen der Komposition zur Geltung brachte.

Fünf Stunden Pause bis zum Abschluss am Abend waren hochverdient. Bei den sicheren Bläsern hatte es mehrere Wechsel – wie auch beim Publikum – gegeben, die Streicher gingen komplett in die zweite Runde. Nach zartem Auftakt mit dem Zwiegespräch zwischen Holzbläsern und Solist, entwickelte sich im 4. Klavierkonzert G-Dur ein feines Musizieren in bestem Einverständnis. Auch hier unterstrich Vladar in der Kadenz seine Eigenständigkeit, bot höchstes Besinnen im Andante und stürmte voller Überschwang ins Finale – es war die reifste Wiedergabe dieses Tages.

Dann kam der Sprung ins „Fünfte“, dem attraktiven Es-Dur-Konzert, mit enormem Allegro und zu wenig Moderato vom Solisten, was auch aufs Orchester wirkte. Das Adagio aber bot Stefan Vladar so zart, fast entrückt, dass diese Stimmung ins Orchester glitt und im feinen Übergang zum Rondio-Finale eine Demonstration wurde: Hier wirkt ein Pianist – versehen mit allen technischen Fähigkeiten und Beethoven-Verständnis von Jugend an – auch als Dirigent verantwortungsvoll. Das Auditorium dankte mit standing ovations, die Philharmoniker dankten ebenfalls mit Applaus (und einem Blumenstrauß) ihrem GMD: Stefan Vladar hatte mit einer Souveränität eine Mamutaufgabe gelöst, wie sie ganz selten sich ein Künstler selber stellt.

Generalmusikdirektor Stefan Vladar und die Philharmoniker begeisterten das Publikum mit dem zweiteiligen Konzert am Pfingstsonntag. Foto: Jochen Quast

Generalmusikdirektor Stefan Vladar und die Philharmoniker begeisterten das Publikum mit dem zweiteiligen Konzert am Pfingstsonntag. Foto: Jochen Quast


Text-Nummer: 152070   Autor: Güz.   vom 06.06.2022 um 09.06 Uhr

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