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Geh aus mein Herz und suche Freud

Lübeck: Pastorin i.R. Ellen Naß widmet ihre Gedanken zum Wochenende dem Kirchenlied „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit“. Sie erinnert an das schwere Schicksal des Verfassers, der den Mut nicht verloren hat.

Ein sehr bekanntes Sommerlied ist das Lied: „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit“. Viele wissen wahrscheinlich gar nicht, dass es ein Kirchenlied ist, weil es viele Strophen lang einfach voll ist von Sommerfröhlichkeit und Sommerglück. Ich habe mich immer gewundert, warum Tulpen und Narzissen zum Sommer gehören sollen, aber das Lied besingt den Frühsommer, Mai und Juni in all seiner Schönheit und Hoffnung.

Die Vögel singen, die Blumen blühen, die Bächlein rauschen, Lämmer und Rehkitze springen, Bienen summen, Getreide und Weinreben wachsen – es ist eine wunderschöne Idylle, die Paul Gerhardt hier beschreibt, wenn man sich die vielen Strophen einmal anschaut. Meistens kennt man ja nur die ersten beiden, mit Gärten, Narzissen und Tulpen.

So wünschen wir uns oft unsere Welt, so harmonisch, so idyllisch, ohne Probleme, keine Klimakrise, kein Corona und kein Krieg in der Ukraine. Wenn man das Lied auf vollem Herzen singt, dann wünscht man sich das: So unkompliziert und wunderschön müsste unsere Welt auch sein.

Damit sehen wir Paul Gerhardt und sein Leben falsch. Die Zeiten waren nicht idyllisch, wahrscheinlich hat es nie solche idyllischen Zeiten gegeben. Er wurde 1607 in Sachsen-Anhalt geboren. Als er 11 Jahre alt war, 1618, brach der dreißigjährige Krieg aus. Wir sehen im Moment mit Entsetzen, was ein Krieg einem Land antun kann, zwar gab es damals keine Langstreckenraketen, aber brutal und grausam war dieser Krieg trotzdem. Die Zivilbevölkerung litt, es gab keinerlei Rücksicht.

Seine Eltern starben, als er noch ein Kind war. Er hat erst spät geheiratet, wahrscheinlich weil er vorher nicht genug verdiente. Von 5 Kindern hat ihn nur eins überlebt, vier sind gestorben.

Er verlor seine Stelle als Pastor, weil er dem Berliner Kurfürsten widersprach, der die Kirche stärker unter seinen Einfluss bringen wollte. Selbst das berühmte Sommerlied war umstritten – ein Körperteil, der den Körper verließ, galt als schlechtes Bild, und zu viel Natur wollte man in einem Kirchenlied auch nicht haben.

Trotz all dieser Traurigkeiten und der Probleme hat er dieses Lied geschrieben – und nicht nur dies, viele schöne Lieder voller Zuversicht und Hoffnung stammen von ihm. Während der Coronazeit haben ja auch viele von uns Spaziergänge im Wald und an der Ostsee gemacht, fanden dort Entspannung und neue Kraft. Paul Gerhardt erfreut noch zusätzlich, dass Gott alle diese Schönheiten geschaffen hat, dass sie Abbild Seiner Liebe und Großzügigkeit sind. Gott will die Welt nicht dunkel und zerstört haben, sondern so, wie wie sie in dem Lied beschrieben wird – schön und idyllisch.

In den letzten unbekannteren Strophen bittet Paul Gerhardt darum, dass er so wird wie ein guter Baum. Die Natur wird ihm zum Vorbild, wie er leben möchte. Er möchte sein wie die Pflanzen, fest in Gott gewurzelt, wie ein Baum, der dem Licht entgegenwächst und gute Früchte hervorbringt. Wenn man dieses Lied betrachtet und all die anderen, die er gedichtet hat, wurde ihm das geschenkt, ist ihm das gelungen. Hoffentlich gelingt es mir, uns auch.

Deshalb singe ich dieses Lied so gerne. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben. (Ev Gesangbuch 503, GL 531 nicht alle Strophen)

Pastorin i.R. Ellen Naß erinnert an Paul Gerhardt.

Pastorin i.R. Ellen Naß erinnert an Paul Gerhardt.


Text-Nummer: 152160   Autor: red.   vom 11.06.2022 um 08.55 Uhr

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