Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.

Fraktion21: Entscheidung über Kunst-Rückgabe verschieben!

Lübeck: Die Verwaltungsvorlage zur Rückgabe von Objekten aus der Völkerkundesammlung entwickelt sich zu einer unendlichen Geschichte. Die Fraktion21 spricht sich für eine weitere Verschiebung der Entscheidung aus. Sie fordert unter anderem einen umfangreichen Dialog mit den Bürgern.

Seit Beginn des Jahres 2022 wird eine Entscheidung über die Vorlage von Bürgermeister Lindenau von Monat zu Monat verschoben. Am Montag steht eine erneute Beratung im Ausschuss für Kultur und Denkmalpflege auf der Tagesordnung.

Hierzu erklärt Wolfgang Neskovic, Vorsitzender der Fraktion21:

(")Die Vorlage der Verwaltung war von Anfang an unausgegoren und wenig durchdacht. Die Fraktion21 hat frühzeitig vor Schnellschüssen und voreiligen Entscheidungen in der Diskussion um die Rückgabe von Objekten aus der Völkerkundesammlung gewarnt. Restitution ist ein auf Dialog mit dem Empfängerland ausgerichteter Prozess, der sorgfältig und sensibel zwischen den beteiligten Nationen zu organisieren ist. Er eignet sich nicht für politischen Populismus. Sich auf den Standpunkt zu stellen, Restitution sei wichtiger als eine Prüfung der Lage im Empfängerland, ist schon fast zynisch. Was hinter dieser Haltung steckt, wird schon an der Sprache der Verwaltungsvorlage deutlich. Sie ist unangenehm prahlerisch. So wirbt die Vorlage damit, dass Lübeck, wenn es insbesondere Objekte aus Namibia zurückgebe, die erste Stadt in Schleswig- Holstein wäre und so „eine landesweite Vorreiterrolle“ einnehmen und auch „auf Bundesebene ein starkes Zeichen setzen“ würde. Eine solche Geisteshaltung schadet dem Versöhnungsgedanken der Restitution.

Ungeklärt ist bislang auch, ob die Hansestadt Lübeck nach den mit der Gemeinnützigen Lübeck getroffenen vertraglichen Vereinbarungen überhaupt befugt ist, ohne Zustimmung der Gemeinnützigen Objekte aus der Völkerkundesammlung zu entfernen. Außerdem sollte keine Entscheidung getroffen werden, ohne vorher in einen entsprechenden Dialog mit den Empfängerstaaten einzutreten. Das entspricht der Idee der Restitution. Schließlich erfordert die Idee der Restitution auch eine Beteiligung der Stadtgesellschaft an dem Rückgabeprozess. Der Vorschlag, die Artefakte ohne Überprüfung der sie erwartenden Umstände – etwa der konservatorischen Lage – zurück nach Afrika zuschicken, ist fatal. Denn niemand weiß, ob diese Teile nicht doch auf verschlungenen Wegen auf dem internationalen Kunstmarkt landen. Bei der verworrenen politischen Lage in vielen afrikanischen Ländern ist eine solche „Zweckentfremdung“ nicht unwahrscheinlich. Es ist in den vergangenen Jahren oft genug geschehen. Allein einige westafrikanische Masken aus der Lübecker Sammlung sind Millionen Euro wert. Nötig wäre demnach eine nachvollziehbare Klärung, wie die Artefakte in den Empfängerländern untergebracht werden sollen. Erst dann kann man sich Gedanken machen, welche Artefakte überhaupt zurückgegeben werden sollten. Und ob man eine Rückgabe verantworten kann.

Schließlich sollte eine Rückgabeentscheidung erst dann gefällt werden, wenn die Stadtgesellschaft an einem entsprechenden Entscheidungsprozess beteiligt wird. Die Gegenstände gehören weder Bürgermeister Lindenau noch den Mitgliedern der Bürgerschaft, auch wenn diese im rechtlichen Sinne darüber verfügen können. Vielmehr „gehören“ sie im politisch-moralischen Sinne den Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Es daher notwendig, sie anzuhören und in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. Deswegen befürwortet die Fraktion21 die Organisation eines Symposiums unter Einbindung von Experten, dem Kulturausschuss und der interessierten Öffentlichkeit. Ziel ist es, Handlungsempfehlungen für die freiwillige Rückgabe von Exponaten aus den Beständen der Lübecker Völkerkundesammlung zu formulieren. Eine Einbindung von Vertretern der Zuständigen Bundes- und Landesbehörden so wie aus den Herkunftsländern sollte zudem sichergestellt werden.“

Ein Teil der Völkerkundesammlung soll an die Ursprungsländer zurück gegeben werden. Symbolbild: JW

Ein Teil der Völkerkundesammlung soll an die Ursprungsländer zurück gegeben werden. Symbolbild: JW


Text-Nummer: 152184   Autor: Fraktion21/red.   vom 12.06.2022 um 16.59 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.