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9. Philharmoniker-Konzert: Pianistin begeisterte

Lübeck: Archiv - 26.06.2022, 17.08 Uhr: Beim Finale 2021/22 der Lübecker Philharmoniker hatte GMD Stefan Vladar einen Trumpf parat mit der Pianistin Yulianna Andeeva: Die Gewinnerin (erst als vierte Frau) des renommierten Warschauer Chopin-Wettbewerbs 2010. In einem von Sergej Rachmaninow dominierten Programm bot sie dessen „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“ am Sonntag in atemberaubender Manier. Diese Spitzenleistung ist im Montagskonzert, 27. Juni, um 19.30 Uhr noch einmal in der MuK zu erleben.

Den Auftakt macht Rachmaninows „Die Toteninsel“ (1909) nach dem berühmten Gemälde von Arnold Böcklin. Aus vieler Bässe Tiefe lässt Vladar es fluten. Mit ausholenden Gesten zeichnet er den überladenen morbiden Jugendstil vor im großbesetzten Orchester. Es mollt und mollt durch das Tutti, jede Gruppe wird reichlich beansprucht, vor allem die Blechbläser leisten Schwerarbeit. Und es schaudert auch den Hörer, wenn er im Finale das Ende die lyrische Vorlage von Fritz Lemmermeyer mitliest: „Laß noch einmal mich erschauern / In der Wonne Pein / Und in Todesschlaf versinken / Auf der Insel dein!“

25 Jahre später schuf Rachmaninow mit der Paganini-Rhapsodie einen Reißer, der so ausgemachte Virtuosen braucht wie Yulianna Andeeva. Da sitzen die Staccati und fließen die Läufe, gehen in chromatische Hochgeschwindigkeit über – alles ebenso spielerisch aus dem Handgelenk wie energisch mit starkem Zugriff. Locker der tänzelnde Mittelteil, dynamisch schemenhaft das Finale von Solistin und Orchester: Der Pianist Vladar weiß vom Instrument her bestens, wie er als Dirigent alles verzahnen und auch die Soli aus dem Tutti heraus zur Wirkung bringen kann – so bei Solohornist Emanuel Jean-Petit-Matile in seinem Lübecker Finale. Auf den frenetischen Beifall hin gab Andeeva eine leise Zugabe: Mit des Ukrainers Valentin Silvestrow feiner „Ballade“ zeigte sie ihr Chopin-Feingefühl.

Nach der Pause folgte Johannes Brahms' 4. Sinfonie, die im „Vorprogramm“ eigentlich mehr „Aufbau“ braucht als hier die Rachmaninow-Vollkraft. So litt am Sonntag die Aufmerksamkeit bei den Ausführenden wie bei den Zuhörenden etwas, so sehr Stefan Vladar auch zu erkennen gab, wie sehr er Brahms liebt. Am besten in der Spur war er im Andante mit dessen strömender Ruhe, der dritte Satz tendierte mehr zu „fuoco“ statt „giocoso“, im Finale war das Blech recht zackig. Das wird sich gewiss im Montagskonzert noch wandeln, denn Symphonisches „wächst“ ja mit jeder Aufführung.

Zum Saisonende stand bei den Lübecker Philharmonikern Rachmaninow im Mittelpunkt. Foto: Olaf Malzahn

Zum Saisonende stand bei den Lübecker Philharmonikern Rachmaninow im Mittelpunkt. Foto: Olaf Malzahn


Text-Nummer: 152465   Autor: Güz.   vom 26.06.2022 um 17.08 Uhr

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