Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.

SHMF: Tausendsassa Grubinger

Lübeck: Archiv - 09.07.2022, 12.17 Uhr: Wenn Martin Grubinger zum SHMF kommt, strömen die Percussion-Fans zu ihm. So auch am Freitag: Die MuK war vollbesetzt mit erwartungsvollen Event-Jüngern – und sie wurden nicht enttäuscht. Denn das österreichische (und hier gilt der Begriff wie selten) Ausnahmetalent leistete einmal mehr Schwerstarbeit an den Batterien, die die ganze Bühnenbreite vor der aus Hannover angereisten NDR-Radiophilharmonie einnahmen.

Das Auditorium musste sich etwas gedulden, denn zunächst erklang – in Abänderung der im Programm gedruckten Reihenfolge – die 9. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch. Im August 1945 entstanden, wurde sie ein Befreiungsschlag von allen Kriegsdepressionen. Voll grimmiger Inonie hüpft der erste Satz, den Dirigent Gabriel Venzago geradezu vorturnte. Im gedämpften Moderato zeigten sich die Solobläser nicht immer ganz sattelfest. Das Publikum klatschte begeistert nach jedem Satz. Ab dem Presto – mit dem rechten Furor von satten Streichern und Stentor-Blech – entwickelten Venzago und Orchester durchgehend den Sarkasmus in allen Facetten.

Fazil Say hat sein Konzert für Schlagzeug und Orchester seinem Freund Grubinger in die Unterarme geschrieben. Leise strich der die Stäbe des Waterphone, das Donnerwetter begann ruhig im Flachdrum- und steigerte sich im Pauken-Set – Venzago und seine großbesetzten Rhythmiker assistierten mal zögerlich, mal mit voller Kraft. „Extremely rhythmical“ (so steht es in der Partitur) auch der 2. Satz, in dem Grubinger zwischen den Batterien hin und her sprintete, ehe es geradezu meditierend in die Glockenspielereien des 3. Satzes ging, harmoniestrebend auch im Orchester. Nach schweratmendem Beginn entwickelte sich im Finale ein Hexentanz mit schrägen Blechbläser-Einwürfen, bei dem Grubinger ein Prestissimo-Gewitter entfachte, das das Publikum jubeln ließ.

Es ist nirgendwo vermerkt, wer für das Arrangement der „Special Edition Suite“ mit Auszügen aus Filmmusik von John Williams verantwortlich zeichnet. Es ist wohl Martin Grubinger selbst, der dieses Medley aus acht Hollwood-Blockbustern zusammenstellte. Mit seinem „The Percussion Planet Ensemble“ ließ er von „Star Wars“ über „Superman“ und „Harry Potter“ bis zur Olympia-Fanfare überwiegend ein Synkopen-Gewitter durch die MuK tosen. Während Venzago das Orchester „sinfonisch“ zusammenhielt, hatten die acht „Planeten“ ihre Soli – inklusive des Saxophonisten Alexander von Hagke – und eilte Hauptakteur Grubinger für seine Soli von einem Instrument zum nächsten. Was ist bei diesem Tausendsassa mehr zu bewundern: seine Physis oder seine immense Gedächtnisleistung? Das fragte sich wohl mancher unter den Zuhörern, die dieses Konzert jubelnd und mit standing ovations feierten.

Martin Grubinger wurde am Freitagabend in der Lübecker MuK bejubelt. Foto: Felix König

Martin Grubinger wurde am Freitagabend in der Lübecker MuK bejubelt. Foto: Felix König


Text-Nummer: 152734   Autor: Güz.   vom 09.07.2022 um 12.17 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.