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Neues Verfahren erspart Kindern zweite Operation

Lübeck: Wenn Kinder sich den Unterarm brechen, muss in manchen Fällen operiert werden, damit der Knochen in der richtigen Position heilen kann. Ein Team der Klinik für Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, um Oberarzt Dr. Ludger Tüshaus verwendet dazu Material, das den Knochen während der Heilung stützt – und anschließend vom Körper komplett abgebaut wird.

"Wir ersparen den Kindern so eine zweite Operation mit Narkose, bei der die sonst üblichen Nägel aus Metall wieder entfernt werden müssten", sagt Dr. Tüshaus. Das innovative Verfahren wird im Rahmen einer Beobachtungsstudie geprüft, an der sich neun Kliniken in sieben europäischen Ländern beteiligen. Erste Ergebnisse wurden jetzt veröffentlicht. Die Klinik für Kinderchirurgie des UKSH ist derzeit die einzige in Deutschland, die das neue Material im Rahmen der Studie einsetzt. Um einen gebrochenen Knochen zu stabilisieren, werden in der Regel Nägel aus Titan oder Stahl verwendet. "Langzeitfolgen können allerdings nicht ausgeschlossen werden, wenn das Metall jahrzehntelang im Knochen verbleibt – zum Beispiel immunologische Reaktionen. Deswegen werden bei Kindern herkömmliche Implantate nach sechs Monaten entfernt", sagt Dr. Tüshaus. Doch gerade für Kinder und ihre Eltern geht eine Operation oft mit Ängsten und Stress einher, auch besteht wie bei jedem Eingriff ein Risiko für Komplikationen. Seit längerem wird daher an Materialien geforscht, die die herkömmlichen Nägel ersetzen können. Das Material muss für die Dauer der Knochenheilung stabil genug sein, sich später aber vollständig und folgenlos auflösen können.

Bild ergänzt TextEin herkömmlicher Nagel und daneben das neue Material, das vom Körper abgebaut werden kann.

Die laufende Studie untersucht nun die Eignung eines innovativen resorbierbaren Materials aus Polylactat (Milchsäure). Diese bislang größte Untersuchung zum Thema soll das Behandlungsergebnis bei 220 Kindern zwischen drei und 13 Jahren aufzeigen, die sich einen Unterarmknochen im Schaftbereich gebrochen hatten. "Unsere Pilotstudie an bislang 76 Patientinnen und Patienten, die bis zu zwölf Monate lang nachbeobachtet wurden, zeigt, dass das neue Material sicher und effektiv ist – vergleichbar mit Nägeln aus Titan", sagt Dr. Tüshaus, der zusammen mit Forschenden der österreichischen Donau-Universität Krems wesentlich an der Studie beteiligt ist. Bis zu vier Wochen nach dem Eingriff muss der Arm allerdings in einem Gips ruhiggestellt werden, was bei Titannägeln in der Regel nicht nötig ist. "Die Kinder und ihre Eltern nehmen dies aber meist lieber in Kauf als eine zweite Operation", sagt Tüshaus.

Die operative Versorgung von Brüchen bei Kindern und Jugendlichen hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht: Schonendere Narkoseverfahren, minimal-invasive Eingriffe, die nur sehr kleine Hautschnitte benötigen, und kürzere Krankenhausaufenthalte haben Therapie und Heilungsverlauf verbessert. Ziel des kinderchirurgischen Teams am UKSH, Campus Lübeck, ist es, mit möglichst wenig operativen Maßnahmen ein optimales, kindgerechtes Ergebnis zu erzielen. Oft genügt es, gebrochene Knochen ausschließlich in Gips ruhigzustellen, da gewisse Fehlstellungen durch das generelle Knochenwachstum korrigiert werden. Darüber hinaus stehen an der Klinik für Kinderchirurgie alle modernen Verfahren zur Verfügung, die die Funktionsfähigkeit verletzter Knochen schnell wiederherstellen.

Dr. Ludger Tüshaus, Oberarzt, und Dr. Anna Bacia, Oberärztin der Klinik für Kinderchirurgie, zeigen an einem Modell das resorbierbare Material. Fotos: UKSH.

Dr. Ludger Tüshaus, Oberarzt, und Dr. Anna Bacia, Oberärztin der Klinik für Kinderchirurgie, zeigen an einem Modell das resorbierbare Material. Fotos: UKSH.


Text-Nummer: 152796   Autor: UKSH/Red.   vom 13.07.2022 um 10.28 Uhr

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