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Krieg in der Ukraine: Lübecker Museen zeigen Flagge

Lübeck: Seit dem 24. Februar 2022 hat sich mit dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine ein Schatten über Europa gelegt, dem sich niemand entziehen kann. Auch und gerade im Kulturbereich wird mit diversen Aktionen versucht, auf das Leid hinzuweisen und die Geflüchteten aus der Ukraine so gut als möglich zu unterstützen. Dies gilt selbstverständlich ebenso für den Verbund der Lübecker Museen, in dessen Häuser Geflüchtete aus der Ukraine freien Eintritt haben.

Doch auch mit weiteren Aktionen versuchen die Lübecker Museen, ihre Verbundenheit mit der Ukraine zum Ausdruck zu bringen: Seit einigen Wochen bietet die Stadtführerin und gebürtige Russin Marina Ivanova, die bereits seit mehreren Jahren für den Museumsverbund tätig ist, an jedem zweiten Dienstag um 15 Uhr eine Führung in russischer Sprache für Ukrainer an. Neben Führungen zum Rathaus oder der Marienkirche erläutert die studierte Gymnasiallehrerin mit Schwerpunkt auf Literaturwissenschaften Wissenswertes zum Buddenbrookhaus, dem Günter Grass-Haus, dem Museum Behnhaus Drägerhaus oder dem Holstentor.

Das Angebot werde sehr gut angenommen, so Ivanova, und oft würde der Weg durch die Stadt länger als geplant dauern, weil die Teilnehmer sich auch nach der Geschichte vieler weiterer Gebäude oder Phänomene wie zum Beispiel der Stolpersteine oder der Firma Niederegger erkundigen würden. Die Wissbegierde zu vielen kleinen Details ihrer neuen Heimatstadt sei sehr inspirierend und auch rührend. "Einmal hat mich eine Frau nach der Führung spontan umarmt", so Ivanova. Thomas Mann erfreue sich in der Ukraine nach wie vor großer Beliebtheit, weswegen seine Literatur und damit auch die Inhalte des Buddenbrookhauses beim ukrainischen Publikum auf lebhaftes Interesse stoßen.

Im Günter Grass-Haus würde aktuell gerade die Sonderausstellung zu der finnischen Schriftstellerin, Malerin und Karikaturistin Tove Jansson gut angenommen, trotz oder gerade wegen der Kriegsthematik in ihrem frühen Schaffen. Die Assoziationen zum immer wechselnden Erscheinungsbild von Schnee in Tove Janssons "Winterbuch" und der damit einhergehenden notwendigen Akzeptanz von Veränderung und Unsicherheit im Leben hätte den Teilnehmer ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert. "Ich glaube, dieser Gedanke gab ihnen Hoffnung", vermutet Ivanova.

In der Lübecker Völkerkundesammlung hat Mitte Juli die aus der Ukraine geflüchtete Kulturwissenschaftlerin Margarita Mudritska ihre Tätigkeit als freie Gastwissenschaftlerin aufgenommen. Dies ist dank der Förderung der Siemens-Stiftung möglich. Für ein Jahr wird sie sich nun der Erforschung der russischen und ukrainischen Objekte aus dem Bestand der Völkerkundesammlung widmen und das Team bei der Erarbeitung einer Ausstellung über beide Länder, die im kommenden Jahr gezeigt werden soll, unterstützen.

Im Museumsshop "Buddenbrooks am Markt" werden Seifen im Form des Holstentors in den Farben Blau und Gelb der ukrainischen Nationalflagge verkauft, von denen ein Teil des Erlöses an geflüchtete Menschen aus der Ukraine in Lübeck gespendet wird. Auch bei der Eröffnung der 20. Lübecker Museumsnacht am 27. August um 18 Uhr vor dem Holstentor ist die Ukraine Thema: Dort sorgt nämlich das Berliner Ethno-Jazz-Ensemble GANNA mit einer Mischung aus ukrainischer Folklore und traditioneller Jazzmusik für Stimmung. Inspiriert von mehreren musikalischen Forschungsreisen in verschiedene Regionen der Ukraine, erweckt GANNA die ukrainische Folklore zu einem zweiten Frühling und nimmt das Publikum auf eine Reise mit. Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Leitender Direktor der Lübecker Museen, liegt das Engagement des Museumsverbundes für die Ukraine sehr am Herzen: "Es ist mir mit diesen schönen Aktionen wichtig zu zeigen, dass wir voll und ganz hinter der Ukraine und auch der Politik Selenskyjs stehen. In dieser Lage genügt es nicht, auf Frieden zu hoffen – man muss ihn auch aktiv verteidigen und damit nicht nur die Freiheit im eigenen Land, sondern auch unsere demokratischen Werte schützen. Wir wollen im Rahmen unserer Möglichkeiten dazu beitragen, ein Zeichen zu setzen. Gleichzeitig wollen wir den Ukrainer in Lübeck zeigen, dass sie bei uns herzlich willkommen sind."

Die nächste Führung von Marina Ivanova für ukrainische Geflüchtete findet am 16. August statt.

Die Stadtführerin Marina Ivanova bietet eine Führung in russischer Sprache für Ukrainer an. Foto: Lübecker Museen.

Die Stadtführerin Marina Ivanova bietet eine Führung in russischer Sprache für Ukrainer an. Foto: Lübecker Museen.


Text-Nummer: 153033   Autor: Lübecker Museen   vom 27.07.2022 um 11.27 Uhr

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