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Gedanken zum Friedensfest

Lübeck: Pastorin i.R. Ellen Naß macht in ihren Gedanken zum Wochenende auf einen Feiertag aufmerksam, den es nur in einer Stadt in Deutschland gibt: das Friedensfest. Das könnte auch bundesweit eingeführt werden.

Beim Eintragen von Terminen hat mich in der letzten Zeit ein Feiertag gestört, den es für uns nicht gibt – vielleicht ging es Ihnen ja ähnlich. Übermorgen, der 8.8., ist bei mir als Feiertag eingefärbt, zu lesen ist dann als Erklärung: Friedensfest (Augsburg).

Ich habe aus Neugier einmal gegoogelt, was das eigentlich ist. Es ist tatsächlich nur in Augsburg ein Feiertag, Augsburg hat dadurch die meisten Feiertage bundesweit. Dabei wäre es auch für uns – zumindest teilweise – auch ein Grund zum Feiern. Denn Lutheraner waren von Ereignissen betroffen, deretwegen gefeiert wird.

Im Zuge der Reformation durch Martin Luther musste man sich erst einmal klar machen, was einen denn eigentlich von der Hauptkirche, der katholischen Kirche, unterschied, was man glaubte, was einem wichtig war und was einen verband. Die erste lutherische Bekenntnisschrift, in der dies versucht wurde, entstand 1530, weil auf einem Reichstag in Augsburg der Kaiser zwischen den beiden Parteien vermitteln wollte. Es ist das „Augsburger Bekenntnis“, darauf werden wir Pastoren und Pastorinnen der lutherischen Kirche heute noch verpflichtet.

Natürlich hat sich seitdem bei beiden Kirchen vieles verändert, sie sind sich näher gekommen, aber teilweise auch immer noch weit voneinander entfernt. In der Frage der Frauenbeteiligung wird es besonders deutlich. Eigentlich verbietet ihre Kirche den Katholikinnen und Katholiken, Abendmahl mit uns feiern – bei Konfirmationsgottesdiensten mit Abendmahl wurde das immer mal wieder zum Problem, wenn katholische Verwandte dabei waren, die das ernst nahmen. Bei den Katholiken darf nur der Priester vom Wein trinken, das zu ändern war damals den Menschen besonders wichtig.

Aber im Vergleich zu damals sind die Unterschiede klein – und ungefährlich. Luther selbst durfte zu diesem Reichstag nicht kommen, er wäre sofort verhaftet worden. Die Stadt Augsburg entschied anschließend, dass sie diesem neuartigen Bekenntnis folgen wurde, die Menschen dort wurden lutherisch.

Das bedeutet Freiheiten, die sie vorher nicht gekannt hatten. Heute tun wir ja oft so, als wäre es gleichgültig, was man glaubt, aber die Menschen dort in Augsburg wussten, dass es doch Unterschiede gibt, Unterschiede, die das Leben schön oder schwer machen konnten.

Dann kam der 30-jährige Krieg, das Recht auf ihren Glauben wurde ihnen genommen, sie mussten wieder katholisch werden, gegen ihren Willen. Erst mit dem Ende des Krieges, 30 Jahre später, durften sie wieder zu ihrem lutherischen Glauben zurückkehren. Aus Dankbarkeit feierten sie 1650 das Friedensfest, und seitdem – bis auf in der Zeit des 2. Weltkrieges – in jedem Jahr. Augsburg feiert also nicht nur ein Friedensfest, sondern ein Religionsfriedensfest, feiert, dass ihnen ihr Glaube durch den Frieden wieder erlaubt wurde.

Eigentlich ist es schade, dass wir nicht deutschlandweit dieses Fest feiern. Wir erleben gerade, wie Menschen in der Ukraine für ihre Freiheit und ihre Überzeugungen kämpfen. Solch ein Fest könnte und kann uns daran erinnern, wie wichtig es ist: Überzeugungen, Glauben zu haben, diesen Glauben zu kennen und dafür einzustehen, nicht aggressiv, aber bestimmt.

Gönnen wir den Augsburgern ihr Extrafest wegen ihrer Treue und Standhaftigkeit vor 400 Jahren – und lassen uns, wenigstens durch den Kalendereintrag, daran erinnern, woran wir glauben: an einen Gott, der Frieden schenkt, und daran, wie wichtig es ist, sich immer wieder daran zu erinnern und dazu zu stehen.

Pastorin i.R. Ellen Naß macht auf das Friedensfest in Augsburg aufmerksam.

Pastorin i.R. Ellen Naß macht auf das Friedensfest in Augsburg aufmerksam.


Text-Nummer: 153189   Autor: red.   vom 06.08.2022 um 09.23 Uhr

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