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Das Kind sitzt im Brunnen: Tierheim am Limit

Lübeck: Archiv - 13.08.2022, 08.49 Uhr: Das Lübecker Tierheim platzt aus allen Nähten. Im gesamten Land werden immer mehr Haustiere, vor allem Hunde und Katzen, aus verschiedenen Gründen abgegeben. Nun wird auch die Politik aufmerksam auf das Problem.

In der Anfangszeit der Corona-Pandemie haben sich viele Menschen neue Haustiere angeschafft. Sie leisten Gesellschaft, sehen niedlich aus – und erfordern oft mehr Ressourcen als gedacht. Waren die Tierheime am Anfang der Pandemie noch überlaufen mit potenziellen Haustierhaltern, sind sie nun umso voller mit Tieren, die wieder zurückgebracht oder von vornherein illegal über Internetanbieter angeschafft wurden.

„Der Onlinehandel hat die letzten Jahre exponentiell zugenommen. Das ist ein riesengroßes Problem und bringt uns an die Belastungsgrenze“, sagte Elena Iva Čujić, Leiterin des Tierheims Lübeck. Tiere würden oft unüberlegt angeschafft, die meisten davon aus dem Ausland importiert. Bei diesen Tieren handele es sich in vielen Fällen um Qualzucht oder Tiere mit Verhaltensauffälligkeiten, sodass sie nach kurzer Zeit wegen Überforderung der Besitzer ins Tierheim gegeben würden. Diese Entwicklung sei bereits während des Andrangs vor knapp zwei Jahren abzusehen gewesen: „Es kam genau so, wie wir es befürchtet haben. Und jetzt sitzt das Kind im Brunnen.“

Ein weiteres Problem seien die steigenden Energiepreise sowie auch die Inflation, so Čujić. Viele Menschen könnten sich ihr Haustier schlicht nicht mehr leisten.

Ab Oktober 2022 kommen auf Haustierhalter mit der neuen Gebührenordnung der Tierärzte noch einmal deutlich höhere Kosten zu. Die Erhöhung wird sich auf 40 Prozent belaufen, sodass das Tierheim mit mehr Personen rechnet, die ihr Haustier aus finanziellen Gründen abgeben müssen. Diese Erhöhung trifft auch die Tierheime bei der medizinischen Versorgung der Heimtiere, wo es bereits jetzt zu finanziellen Engpässen kommt.

Sandra Redmann, Landtagsabgeordnete und Umweltpolitische Sprecherin der SPD, möchte nun auf Landesebene den Tierschutz stärker ins Bewusstsein rufen. Auf Empfehlung des Landesverbands des Deutschen Tierschutzbunds plant Redmann eine Runde aus Bund, Ländern und Kommunen. Dort soll diskutiert werden, wie man die Arbeit der Tierheime in Schleswig-Holstein finanziell besser unterstützen kann. Bürgerschaftsmitglied und Kreisvorsitzender der SPD in Lübeck, Jörn Puhle, begrüßt diesen Vorschlag.

Zudem soll es eine Bundesratsinitiative geben, die den Onlinehandel sowie den Import von Haustieren aus dem Ausland durch verschärfte Richtlinien begrenzt. Durch diese bundesweiten Maßnahmen solle vor allem erreicht werden, dass die Tiervermittlung wieder über das Tierheim als zentrale Instanz mit professioneller Betreuung stattfindet. „So kann verhindert werden, dass Tiere immer wieder zu uns zurückkommen oder wie ein ‚Wanderpokal‘ alle paar Monate den Besitzer wechseln“, erklärte Elena Iva Čujić.

Das Tierheim Lübeck sowie der Deutsche Tierschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein e.V. appellieren an Haustierinteressierte: Vor der Anschaffung eines Tiers sollte genau überlegt werden, ob man sich wirklich für die nächsten Jahre fest an ein Tier und seine Bedürfnisse binden will. Außerdem dürfe man den Zeitaufwand sowie die finanzielle Belastung durch Tierarztkosten etc. nicht unterschätzen. Insgesamt müsse es mehr gesellschaftlichen Diskurs über die Arbeit in Tierheimen geben. Nur durch Bewusstsein und Wertschätzung für die Arbeit des Tierschutzes könne es positive Veränderungen geben, betonte Ellen Kloth, Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes in Schleswig-Holstein.

Weitere Informationen zum Tierheim Lübeck: tierschutz-luebeck.de

Im Original-Ton hören Sie ein Interview mit der Landtagsabgeordneten Sandra Redmann zur Situation.

Arbeiten an Lösungen: Ellen Kloth (Tierschutzund), Jörn Puhle (SPD), Tierheimleiterin Elena Iva Čujić, die Landtagsabgeordnete Sandra Redmann und Susanne Tolkmitt (Tierschutzbund Schleswig-Holstein e.V.). Foto, O-Ton: Lisa Gerlach

Arbeiten an Lösungen: Ellen Kloth (Tierschutzund), Jörn Puhle (SPD), Tierheimleiterin Elena Iva Čujić, die Landtagsabgeordnete Sandra Redmann und Susanne Tolkmitt (Tierschutzbund Schleswig-Holstein e.V.). Foto, O-Ton: Lisa Gerlach


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 153297   Autor: Lisa Gerlach   vom 13.08.2022 um 08.49 Uhr

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